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Die Testerinnen: Kim

(c) Stanislav Jenis
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Währinger Straße 46. Kim kocht sich in einem ehemaligen Plattenladen zurück in die Zukunft.

Das Leben ist manchmal ungerecht. So sehnlich sich mancher Koch einen Besuch der Essschreiber wünscht, so sehr bat Sohyi Kim, ja nichts über ihr neues Lokal erscheinen zu lassen. Hat natürlich nicht funktioniert. Also gehen wir auch hin in den ehemaligen Plattenladen, aus dem sie ihr Restaurant mit Shop gezimmert hat. Und da steht sie wieder. Kim. Allein hinter dem Tresen, von wo aus sie sich wie im Theater an maximal zehn Gäste richtet. Das Publikum versinkt aber nicht in gepolsterten Sitzen, sondern muss auf Barhockern vor hohen Tischen sitzen.

(c) Stanislav Jenis

Rundum Regale mit Kims Krimskrams. Da ein Teddy, dort ein Salzstein. Dazwischen ihre Bücher und die für sie abgefüllten Cuvées Kocht & Trinkt. Mittags gibt’s ein dreigängiges Menü für 40 Euro (eine gute Stunde anberaumen!), abends das große Menü für 100 Euro. Mitspracherecht ist nicht vorgesehen. Außer man hat Allergien oder, wie meine Begleiterin, eine Aversion gegen Ingwer. Es wird sowieso jede Portion maßgeschneidert und am Tisch noch einmal erklärt. Zur Vorspeise, erfahren wir, hat Kim einen Cobia ausgesucht („Omega-3 wie ein Lachs, aber die Konsistenz von einem Tuna“). Inspiriert von Humus, den sie kürzlich in Tel Aviv gekostet hat, legt sie das Sashimi auf Mandelmus und verfeinert es mit Limette, Orangensalz und Sesamblättern.

Gang zwei schmeckt nach Thailand. 60 Tage fermentierter, karamellisierter Knoblauch in einer eingerollten Seezunge. Das Ganze serviert in einer unkaputtbaren Granitschale (die wie ein wuchtiger Aschenbecher wirkt), gefüllt mit umso feinerer Kokossuppe mit Reis, Koriander, Ingwer oder eben nicht. Dazwischen darf der Magen kurz bei einem Gurkensalat mit Thaibasilikum und Haselnüssen rasten. Dann kommt der Heilbutt. Bestrichen mit süßem Miso, darauf ein fermentiertes Sesamblatt und Wildsesampesto. Genau solche Geschmackserlebnisse zu kreieren, ist ihr zuletzt wohl abgegangen. Im neuen Kim gibt es keine Karte. Dafür ihr bewährtes Verknappungskonzept. Wer das nicht will, wird zum Merkur Hoher Markt geschickt (Kim kocht wird es dort weiterhin geben, allerdings reduziert auf Fisch und Fleisch vom Grill mit Asiabeilagen) oder ums Eck ins Modern Korean. Ihr legendäres Lokal an der Volksoper betreiben heute ehemalige Kim-Leute. Zurück in die Zukunft!

Tipp

Kim, Währinger Straße 46, 1090 Wien, Tel.: 0664/4258866, Mi–Sa 12–15 und 18–23 Uhr.

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