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Der ORF kocht auch nur mit Wasser, Puls4 hat frischeres

Das Moderatorenteam: ORF-Mann Paul Tesarek und Corinna Milborn (Puls 4)
Das Moderatorenteam: ORF-Mann Paul Tesarek und Corinna Milborn (Puls 4)ORF
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Meinung Elefantenrunde zur Wien-Wahl: Paul Tesarek hatte einen schlechten Tag. Roland Düringer war auch da. Und auf Twitter war alles viel lustiger.

Es war ein einmaliges Experiment, diese Elefantenrunde. Und Experimente sollen ja auch ein Ergebnis bringen, damit man daraus Schlüsse ziehen kann. Was also lernen wir aus der Zusammenarbeit des öffentlich-rechtlichen ORF mit dem Privatsender Puls4 bei der Fragerunde mit den Spitzenkandidaten zur Wiener Gemeinderatswahl?

  1. Der finanziell wesentlich besser ausgestattete ORF kocht auch nur mit Wasser. Und das Wasser von Puls4 wirkte im Vergleich um Einiges frischer. Der Privatsender stattete die Übertragung mit Second-Screen-Elementen aus – so wie ein junges Publikum heute eben fern sieht, also mit parallelem Blick auf andere Medien. Gut, wirklich interaktiv war es auch wieder nicht, dass Journalisten wie Anneliese Rohrer und Kabarettisten wie Thomas Maurer via Twitter das Geschehen live kommentierten. Doch immerhin, der ORF beschränkte sich auf die brave Übertragung.

  2. Das höhere Budget garantiert nicht für den besseren Moderator. Denn das Duell der Moderatoren entschied Puls4 für sich. Corinna Milborn machte eine souveräne Figur. Keine Versprecher, dafür eine gute Übersicht.

    ORF-Mann Paul Tesarek schien dagegen einen schlechteren Tag erwischt zu haben. Da waren Scherze, die er durch dreifache Wiederholung durchpeitschen wollte (Frage an Vassilakou: „Gehen Sie zu einer Wahrsagerin?“). Da fiel er Neos-Kandidatin Beate Meinl-Reisinger massiv ins Wort, wirkte plötzlich wie ein Mitdiskutant – und stolperte schließlich sogar über ihren Namen („Frau Reindl-Meisinger“). Zugegeben, Twitter darf man als Schiedsrichterinstanz nicht überbewerten, doch der Tenor war eindeutig: Tesarek wurde Unprofessionalität und Parteilichkeit unterstellt („Wer #Tesarek will, muss #Häupl wählen“).

  3. Der ORF kann es sich leisten, dezenter aufzutreten. Für Puls4 war es eine Möglichkeit, über den Kanal des ORF ein großes Publikum zu erreichen. Und so nutzte man die Bühne für Branding. Während auf Tesareks Moderationskarten der dezente Slogan der gemeinsamen Sendung, nämlich „Wahl 15“ stand, hielt Milborn Karten mit dem Puls4-Logo in die Kamera. Und auch mit marktschreierischen Elementen („nur bei uns auf Puls4“) hielt sich der ORF zurück.

  4. Interessant, wer aller als Experte gilt. Gut, es geht jetzt schon um die Nachberichterstattung zur Elefantenrunde. Aber was genau hatten die Herren Andreas Mölzer und Josef Kalina im ZiB2-Studio zu suchen? Der eine war jahrelang FPÖ-Abgeordneter und Ideologe, der andere war einst SP-Bundesgeschäftsführer und arbeitet heute als PR-Mann unter anderem für die SPÖ. Dementsprechend unergiebig war dann auch die Kritik. Und Puls4? Holte Roland Düringer auf das Podium. Keine Pointe.

  5. Man muss nicht mehr fernsehen. Wer am Montagabend auf Twitter dem Hashtag „wien15“ folgte, erlebte alles live mit. Die wichtigsten Aussagen, die Körperhaltung der Kandidaten, eine Stilkritik der Moderatoren – und dazu die übliche Portion Häme. Wer die Diskussion ausschließlich über Twitter verfolgte, wusste am Ende genauso viel wie jene, die die Elefantenrunde im TV sahen. Egal ob auf ORF oder auf Puls4. Also, nächste Elefantenrunde gleich auf Twitter?


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