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Tot stellen hilft todsicher

Kolume "Sprechblase". Warum „Ich werde auf Sie zukommen“ bedrohlich ist.

Dass es mindestens zwei Reaktionen auf Stress gibt, ist seit dem Jahr 1915 und Walter Cannons Forschung bekannt: Flucht oder Kampf. Schön zu zeigen am Beispiel „zukommen“: Wenn ein Fahrzeug auf uns zukommt, ist Flucht angesagt. Wenn wir feststellen, dass Arbeit oder Ungemach auf uns zukommt, wählen viele die Kampfvariante.

In den späten 1980er-Jahren konnte Jeffrey Allan Gray zwei weitere Reaktionen neben flight und fight nachweisen: freeze und fright – Bewegungslosigkeit und Totstellen. Das ist auch gut so. Denn wenn jemand ankündigt: „Ich werde Ihnen das zukommen lassen“, sind wir oft bewegungsunfähig – vor lauter Freude über das nahende Geschenk.

Das Totstellen wiederum erweist sich für die vierte Verwendungsform von „zukommen“ als günstig. Neuerdings sagt kaum jemand mehr: „Ich werde mich bei Ihnen melden.“ Sondern – ganz Sprechblase: „Ich werde auf Sie zukommen.“ Dabei hat der andere gar nicht vor, auch nur einen Schritt vor die Tür zu setzen, er wird bestenfalls anrufen oder mailen. Meist verbunden mit einem konkreten Ansinnen. Dann ist die beste Reaktion mitunter: tot stellen.

 

In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter der Ressorts "Management & Karriere" und "Arbeitswelten" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

 

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2015)


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2015)