Die Aktien des deutschen Autobauers stiegen heute um zwölf Prozent bis auf einen Kurs von 257,20 Euro. Leerverkäufer - also Spekulanten, die auf fallende Kurse setzen - wurden kalt erwischt.
Spekulative Aktiengeschäfte haben die Papiere von Volkswagen am Dienstag auf Höhenflug geschickt. Die VW-Aktien stiegen um zwölf Prozent bis auf 257,20 Euro. Einige Spekulanten hätten im Zusammenhang mit dem Hick-Hack um eine Fusion mit Porsche auf fallende VW-Kurse gesetzt, doch nun habe sich die Stimmung gedreht, erläuterten Börsianer. Bei Porsche seien wieder Lösungen der Finanzierungsprobleme im Gespräch.
"Es basiert alles auf Spekulationen"
Der Sportwagenhersteller ist bereits VW-Mehrheitsaktionär, hat seinen Übernahmeplan aber aus finanziellen Gründen zurückstellen müssen. Porsche hält derzeit knapp 51 Prozent an VW und hat dem Vernehmen nach Optionen auf bis zu 24 weitere Prozent. Mitte Juni verfällt ein großer Teil dieser Verkaufsoptionen. "Die Erwartungshaltung war, dass die VW-Aktien unter Druck geraten, weil Porsche seine Optionen aus Geldmangel nicht ausüben kann", sagte der Händler. Denn sollte Porsche die Aktien nicht kaufen, würden die Papiere wieder in den Markt zurückfließen und könnten damit einen Kursverfall auslösen. Darauf hatten offenbar viele Marktteilnehmer gesetzt.
Nun hat sich dieses Szenario aber wieder geändert. Das Emirat Katar prüft derzeit einen Einstieg bei Porsche: "Vielleicht hat Porsche jetzt jemanden gefunden, der hilft." Porsche-Aktien stiegen um sechs Prozent auf 47,65 Euro. "Es gibt aber keine harten Fakten. Es basiert alles auf Spekulationen", betonte ein Händler.
Leerverkäufer kalt erwischt
Der Stimmungsumschwung erwischte Leerverkäufer kalt - also solche, die die verkauften VW-Aktien nur geliehen hatten. Sie mussten angesichts des steigenden Kurses zur Verlustbegrenzung die Aktien schleunigst erwerben.
Leerverkäufer versuchen, die geliehenen Aktien bei fallenden Kursen billiger zurückzukaufen und die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufkurs einzustreichen.
Neben der Leerverkauf-Theorie verwiesen Händler als Grund für den VW-Kursanstieg darauf, dass der Konzern seinen Marktanteil in den USA nach der Insolvenz von General Motors eventuell ausweiten könne. Auch andere Autowerte lagen deutlich im Plus: der europäische Autoindex gewann 3,4 Prozent.
Erinnerungen an Herbst 2008
Erinnerungen an den Herbst 2008 wurden wach. Wegen des geringen Streubesitzes bei Volkswagen - Porsche hält rund 51 Prozent, das Land Niedersachsen 20 Prozent - hatten spekulative Geschäfte bereits im Oktober für Kurskapriolen gesorgt: damals war die VW-Aktie nach der Machtübernahme durch Porsche wegen misslungener Leerverkäufe bis auf 1.005 Euro hochgeschossen und hatte an der Börse Chaos ausgelöst.
Die Deutsche Börse änderte daraufhin ihre Indexregeln, nachdem die überstarke Gewichtung der VW-Aktie den Dax komplett verzerrt hatte.
(Ag.)