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Wien-Wahl: Neue Bezirkskaiser in Sicht

Figl, Ecker-Stepp und Hirschenhauser rittern um den Einzug ins Alte Rathaus.
Figl, Ecker-Stepp und Hirschenhauser rittern um den Einzug ins Alte Rathaus.Die Presse

Nach der Wiener Wahl am Sonntag könnte es in acht Bezirken zu einem Farbwechsel kommen – und damit zu neuen Bezirksvorstehern.

Wenn Markus Figl (ÖVP), Daniela Ecker-Stepp (SPÖ) und Alexander Hirschenhauser (Grüne) am Alten Rathaus, dem Amtshaus des ersten Bezirks, in der Wipplingerstraße vorbeigehen, müssen sie an Ursula Stenzel denken. Und an die ausladenden Räumlichkeiten mit den Deckenfresken sowie den gemütlichen Sessel hinter ihrem Schreibtisch – und wie es wäre, genau dort zu sitzen.

Vor gut einem Monat trat die Bezirksvorsteherin aus der ÖVP aus und tritt nun als unabhängige Kandidatin auf der FPÖ-Liste an. Dass sie es mit ihrer neuen politischen Heimat noch einmal schafft, die Wahl zu gewinnen, kann sich ihre Konkurrenz nicht vorstellen. „Das haben ihr die Bewohner nicht verziehen, es hat das Vertrauen erschüttert“, sagt Figl, ÖVP-Spitzenkandidat. Er aber habe sich über 20 Jahre, die er im Bezirk tätig ist, ein gutes Verhältnis zu den Bürgern aufgebaut. Anfragen beantworte er stets persönlich und versuche, für alle Probleme ein offenes Ohr im persönlichen Gespräch zu haben. Dafür werde er jetzt den Dank ernten, ist er sich sicher. „Es rechnen sich alle Parteien eine Chance aus, aber ich bin Optimist: Wir machen das Rennen“, sagt Figl.

Die SPÖ-Spitzenkandidatin, Daniela Ecker-Stepp, würde ihm da wohl widersprechen. Die 35-Jährige ist seit 2006 Bezirksvorsteher-Stellvertreterin. Sie folgte dem heutigen Landesparteisekretär, Georg Niedermühlbichler. Sie möchte mit der Umsetzung konkreter Projekte punkten: „An Ideen mangelt es nicht, aber man muss sich überlegen, was finanzierbar ist“, sagt sie zur „Presse am Sonntag“. Wenig finanzielle Mittel würden etwa für mehr Sitzgelegenheiten im Bezirk benötigt. Das wichtigste Projekt wäre für sie die Neugestaltung des Schwedenplatzes. Die Roten holten 2010 rund 23,44 Prozent der Stimmen.

Farbenspiel. „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“, ist das Motto von Alexander Hirschenhauser, dem Spitzenkandidaten der Grünen. Er glaubt, dass durch das Zerwürfnis der ÖVP mit Stenzel die Karten in jenem Bezirk, in dem er geboren und aufgewachsen ist, neu gemischt werden. Bei den vergangenen Bezirksvertretungswahlen holten die Grünen 18,73 Prozent und landeten somit auf Platz drei. Das Hauptanliegen des Kulturmanagers, der etwa Kruder und Dorfmeister unter Vertrag hatte, ist, dass die Innenstadt sozial durchmischt bleibt. Das bedeute für ihn auch, sich mit Immobilienhaien anzulegen.

Der Vierkampf um die Innere Stadt war die vergangenen Wochen intensiv – aber es ist nicht nur der erste Bezirk, der bald einen neuen Chef anderen Couleurs haben könnte. Dieses Mal gibt es einige Wackelkandidaten: So machte der Unterschied zwischen Rot, Grün und Schwarz auf der Wieden bei der vergangenen Wahl nur wenige Stimmen aus. Auch in Währing war der Vorsprung der ÖVP auf Grün und Rot marginal. Das rote Mariahilf wurde bei den EU-Wahlen 2014 bereits grün eingefärbt. Die Josefstadt war von 2005 bis 2010 schon einmal Grün und ging nach einer Parteispaltung wieder an die Schwarzen – auch hier machen sich die Grünen Hoffnungen, ebenso wie am Alsergrund, wo der Abstand zu der roten Bezirksvorsteherin nur wenige Prozent betrug.

Die Wiener Stadtverfassung besagt, dass die stimmenstärkste Partei den Bezirksvorsteher stellt: Und so könnte auch in Simmering nach dem Wahlsonntag ein Freiheitlicher regieren.

 

6. Bezirk, Mariahilf

Susanne Jerusalem(c) Stanislav Jenis

Susanne Jerusalem ist ein Urgestein der Grünen. Von 1991 bis 2010 war sie im Gemeinderat und trat bei den vergangenen Bezirksvertretungswahlen als Spitzenkandidatin zur Wahl an. Kurz davor spaltete sich aber die Partei. Diesmal könnte es klappen: Die umgestaltete Mariahilfer Straße kommt laut Umfragen bei den Bewohnern gut an – der aktuelle Bezirksvorsteher, Markus Rumelhart (SPÖ), fischt zwar als bekennender Homosexueller auch im Teich der linken Klientel, ist allerdings erst seit 2014 im Amt und noch nicht so gefestigt.

Wenn sie Bezirksvorsteherin wird, will sie auch die Gumpendorfer Straße verkehrsberuhigen und dort im dicht verbauten Gebiet etwa durch breitere Gehsteige und Platzgestaltung neue Freiräume schaffen. Dazu will sie sich für eine öffentliche Ganztagesvolksschule mit Mehrstufen- und Integrationsklassen einsetzen.

 

4. Bezirk, Wieden

Barbara Neuroth(c) Stanislav Jenis

Barbara Neuroth hat quasi die Seiten gewechselt: 1995 engagierte sie sich bei der Initiative zur Rettung des Wirtschaftskammer-Parks, die Grünen berieten die Bürger damals. Mit Erfolg: Der Park musste keiner Tiefgarage weichen, und Neuroth schloss sich den Grünen an. Seitdem betreut die gelernte Übersetzerin (sie ist an der gleichnamigen Hörgeräte-Firma nicht beteiligt, aber mit den Unternehmern verwandt) selbst bewegte Bürger – seit 2010, als die Grünen nur haarscharf hinter der SPÖ lagen, macht sie das in der Funktion als stellvertretende Bezirksvorsteherin. Und scheitert dabei auch öfter, denn die Debatte über die Öffnung halböffentlicher und privater Grünräume im Bezirk verläuft zäh. So ist etwa der gerettete Park von damals nicht mehr zugänglich. Was den Verkehr betrifft, setzt Neuroth auf ein bekanntes grünes Rezept: Sie will eine Begegnungszone vor der Paulanerkirche. „Ich weiß, dass das provoziert“, sagt sie. Da hat sie wohl recht.

Johannes Pasquali(c) APA (MARTHA BRINEK / OEVP WIEN)

Johannes Pasquali hat nach der knappen Wahlniederlage der bis dahin dominierenden ÖVP Susanne Reichard an der Spitze abgelöst. Während diese in der Tradition von Buseks „bunten Vögeln“ stand, erinnert Pasquali eher an Ursula Stenzel (als sie noch bei der ÖVP war): Er will Ruhe und Sauberkeit für die Anrainer (und schärfere Auflagen für das Popfest auf dem Karlsplatz), und er ist strikt gegen „ideologische Experimente“ in der Verkehrspolitik – angesprochen sind da die Grünen. Stattdessen will er etwa mehr Parkplätze schaffen. Pasquali ist im Hauptberuf Pressesprecher im Finanzministerium. Und: Die ÖVP ist nicht seine erste Partei. Er war zuvor bei der FPÖ und wechselte 2004 nach heftiger Kritik an Heinz-Christian Strache zur ÖVP.

 

18. Bezirk, Währing

Silvia Nossek(c) Stanislav Jenis

Silvia Nossek wohnt seit mehr als 27 Jahren in Währing und möchte endlich etwas verändern. „Als Erstes würde ich das Parkpickerl einführen, die Situation ist für die Bewohner schon unerträglich“, sagt die 50-jährige Unternehmerin zur „Presse“.

Weiters würde sie die Parkplätze im Bezirk neu organisieren. „36 Prozent aller Straßenbahnblockaden sind in Währing – fast alle entstehen durch schlecht geparkte Autos“, sagt sie. Dazu seien ihr durchgängige Radwege ein wichtiges Anliegen. Nossek war bis 2010 als Vorgängerin von Georg Prack Landessprecherin der Grünen. Bei den letzten Bezirksratswahlen legte die Partei um 2,71 Prozentpunkte zu und landete mit 25,78 Prozent knapp hinter ÖVP und SPÖ.


Josef EichingerSPÖ

Josef Eichinger ist der zweite Anwärter auf den Bezirksvorsteherposten. Die SPÖ lag 2010 nur 3,6 Prozentpunkte hinter der ÖVP. Eichinger ist ein Parade-Sozialdemokrat, der schon in seiner Jugend in SPÖ-Vorfeldorganisationen tätig war, später in einer Sektion arbeitete und heute bei den Kinderfreunden engagiert ist. Der 57-Jährige würde wie seine grüne Konkurrentin, Nossek, als Erstes das Parkpickerl einführen. Dazu möchte er im Bezirk mehr Spielplätze für Kinder schaffen. „Außerdem fehlt es uns noch immer an Kinderkrippenlätzen, sie müssen ausgebaut werden“, sagt er. Einige renovierungsbedürftige Schulen gebe es auch noch, um die er sich kümmern will.

 

8. Bezirk, Josefstadt

Alexander Spritzendorfer(c) Stanislav Jenis

Alexander Spritzendorfer will es noch einmal schaffen. Bei der Gemeinderatswahl 2005 war es den Grünen schon einmal gelungen, die schwarze Hochburg zu erobern – kurz vor der Wahl 2010 spaltete sich die Partei und lag schlussendlich 3,3 Prozent hinter der ÖVP. Der 53-jährige Spritzendorfer ist seit 2010 Bezirksvorsteher-Stellvertreter, arbeitete viele Jahre im Kunst- und Kulturbereich und war von 2007 bis 2010 Klubdirektor der Grünen im niederösterreichischen Landtag. „Wenn ich Bezirksvorsteher werde, will ich die Lange Gasse umgestalten und den Durchzugsverkehr in der Josefstadt reduzieren“, nennt er zwei der ersten Dinge, die er in Angriff nehmen würde, falls er die Wahl gewinnt. Als jemand, der aus der Wirtschaft und Kultur komme, sei ihm dazu die Belebung der Erdgeschoßzonen ein wichtiges Anliegen.


Gabriele ZahrerSPÖ

Gabriele Zahrer (SPÖ) hat in der Josefstadt gehen und von ihrem Vater das Radfahren gelernt. Sie wohnt schon ihr ganzes Leben im Bezirk, setzte sich als Alleinerzieherin für Frauenrechte ein und ist seit fünf Jahren Bezirksrätin. „Ich habe eine sehr starke emotionale Bindung, weil ich mein Leben lang verfolge, wie sich der Bezirk verändert“, sagt die 53-jährige Sozialarbeiterin zur „Presse“. Als Bezirksvorsteherin würde sie als Erstes die Verkehrssituation für Fußgänger sowie die Barrierefreiheit verbessern.

Den Park des Palais Strozzi will sie ebenso zugänglich machen wie jenen der BVA in der Josefstädter Straße. Raphi Sternfeld gelang es 2010 als Spitzenkandidat der SPÖ nicht, den ersten Platz im Bezirk zu holen. Mit rund fünf Prozentpunkten Verlust landete die SPÖ 2010 mit 23,46 Prozent auf dem dritten Platz.

 

9. Bezirk, Alsergrund

Monika Keutz(c) Stanislav Jenis

Monika Keutz ist die grüne Herausforderin der seit 2003 amtierenden Bezirksvorsteherin, Martina Malyar (SPÖ), und gibt sich siegessicher. Die 50-jährige Lebensberaterin, Mutter zweier Kinder, Halterin von drei Katzen und einem Hund sieht ihre Stärke in ihrer Präsenz auf den Straßen des Neunten – des Bezirks, in dem sie aufgewachsen ist. Der „direkte Kontakt mit den Bewohnern“ – auf den komme es an, sagt sie. Die Verschönerung von problematischen Grätzeln (z. B. von Teilen der Alserbachstraße) sei ihr wichtig. Noch ist „Momo“, wie sie von Parteikollegen genannt wird, stellvertretende Bezirksvorsteherin. Resultat im Bezirk 2010: SPÖ gut 32, Grüne knapp 29 Prozent. Sollte die seit 2000 bei den Grünen aktive Politikerin am Sonntag als Nummer eins durch das Ziel gehen, dürften für Fußgänger und Radfahrer bessere Zeiten anbrechen.

 

19. Bezirk, Döbling

Anton MandlSPÖ

Anton Mandl hat ein Ziel: Er möchte Wiens am längsten dienenden Bezirksvorsteher, Adolf „Adi“ Tiller, der seit 1978 amtiert, ablösen – und damit den 19. Bezirk wieder rot färben. 2010 lag die SPÖ rund 4,6 Prozentpunkte hinter der ÖVP. Sollten die Neos der ÖVP viele Stimmen wegnehmen, könnte das klappen – vorausgesetzt, die SPÖ verliert in den Gemeindebauten nicht zu viel an die FPÖ. Mandl, beruflich Geschäftsführer des Vereins Wiener Bildungsserver, sieht als eines der wichtigsten Projekte für den Bezirk ein Parkpickerl für Oberdöbling und Heiligenstadt. Auch Ganztagsschulen möchte er forcieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2015)

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