Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Nach "feigem" Anschlag schwappt Protestwelle über Türkei

-
"Mörder-Staat" steht auf diesem TransparentAFP
  • Drucken

Bis zu 128 Menschen fielen dem Terrorakt während einer Friedensdemonstration zum Opfer. Protestierende machen Regierung mitverantwortlich.

Drei Wochen vor der Parlamentswahl in der Türkei sind am Samstag bei einem Anschlag auf eine Friedensdemonstration in Ankara nach Regierungsangaben 95 Menschen getötet und 246 Menschen verletzt worden. Die pro-kurdische Partei HDP spricht sogar von 128 getöteten. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "abscheulichen Anschlag" auf Einheit und Frieden des Landes.

Zu dem regierungskritischen Protestmarsch hatte unter anderen die Kurdenpartei HDP aufgerufen. Ihr Ko-Chef Selahattin Demirtas sprach von einem "riesigen Massaker" und einem "barbarischen" Angriff auf diejenigen, die Frieden im Land und kein Blutvergießen wollten.

Demirtas äußerte Zweifel, dass die Regierung von dem Anschlag überrascht wurde. "Ist es möglich, dass ein Staat mit so einem starken Geheimdienstnetzwerk im Vorfeld keine Informationen über den Anschlag hatte?" Laut HDP richtete sich der Anschlag gegen die Kurdenpartei, die Sprengsätze wurden demnach am Aufmarschplatz der HDP-Delegation gezündet.

Bei Protestkundgebungen in mehreren Städten machten Tausende dagegen den Präsidenten und seine Regierung mitverantwortlich. Allein in Istanbul beteiligten sich schätzungsweise 10.000 Menschen.

Davutoglu verdächtigt PKK oder IS

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, der Anschlag sei vermutlich von zwei Selbstmordattentätern verübt worden. Er verdächtigte die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) oder LinksextreTmisten der DHKP-C, hinter dem Attentat zu stehen. Innenminister Selami Altinok sprach von einem "Terrorakt" gegen den Staat, die Demokratie und das türkische Volk. Er wies Vorwürfe zurück, die Sicherheitskräfte hätten die Demonstration nicht genügend abgesichert. Die Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus.

Der Anschlag ereignete sich mitten im Wahlkampf für die vorgezogene Parlamentswahl am 1. November. Der Urnengang findet statt, nachdem die islamisch-konservative Regierungspartei AKP von Präsident Erdogan bei der Wahl im Juni ihre absolute Mehrheit verloren hatte, während die prokurdische HDP den Einzug ins Parlament schaffte. Koalitionsgespräche waren gescheitert.

Kurz nach dem Anschlag von Ankara gab die PKK-Dachorganisation Union der Gemeinschaften Kurdistans (KCK) bekannt, sie werde ihre Angriffe bis zur Parlamentswahl einstellen. In den vergangenen Monaten war der Konflikt zwischen der Regierung in Ankara und den kurdischen Rebellen wieder eskaliert. Seit Juli wurden 140 türkische Sicherheitskräfte bei PKK-Anschlägen und 1700 kurdische Rebellen bei Armee-Bombardements getötet.

Türkische Luftwaffe bombardiert weiter

Die türkische Luftwaffe attackiert trotz des Aussetzens der Angriffe der PKK auf den türkischen Staat erneut Stellungen der Untergrundorganisation . Am Sonntag seien Verstecke der PKK im Nordirak bombardiert worden, teilten die türkischen Streitkräfte mit.

 

US-Präsident Barack Obama telefonierte nach dem Anschlag in Ankara mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan und bekundete ihm sein "tiefstes persönliches Beileid". Obama sprach von einer heimtückischen Attacke und bekräftigte die Solidarität der Amerikaner mit der türkischen Bevölkerung im Kampf gegen Terrorismus, wie das Weiße Haus mitteilte.

"Feiger" und "sinnloser" Anschlag

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der Präsident der UN-Vollversammlung, Mogens Lykketoft, haben der Türkei nach dem Doppelanschlag in Ankara ihr Mitgefühl ausgesprochen. Ban drückte in der Nacht zum Sonntag über einen UN-Sprecher zugleich die Hoffnung aus, dass die Täter schnell ergriffen und zur Rechenschaft gezogen würden.

Lykketoft nannte die Bombenanschläge, bei denen während einer Friedensdemonstration in der türkischen Hauptstadt am Samstag mindestens 95 Menschen getötet und 250 verletzt worden waren, eine "feige und sinnlose Tat". Sie werde aber "Menschen und Länder nicht davon abhalten, sich für eine friedlichere, harmonische und nachhaltige Welt einzusetzen", sagte er.

(APA/AFP/dpa)