Bodenbildung: Chancen und Tücken bei Rohstoffzertifikaten

IRAQ BAGHDAD
IRAQ BAGHDAD(c) EPA (MOHAMMED JALIL)
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Bei einigen Rohstoffpreisen wittern Experten inzwischen eine Trendwende. Wer darauf mittels Zertifikaten setzen möchte, sollte aber auch die Tücken bei Investments in Öl und Metallen genau kennen.

Wien. Wie heikel die Lage auf den weltweiten Rohstoffmärkten sein kann, zeigte sich zuletzt beim Preis für Rohöl. Allein die Meldung über Russlands Militäraktionen in Syrien verpasste der Notierung vergangenen Montag einen kräftigen Schub. Auf Monatsbasis hat der Ölpreis bereits wieder rund acht Prozent zugelegt.

Ein rasches Ende ist in der Krisenregion jedenfalls nicht in Sicht. Dabei haben die Ölmultis ohnedies schon begonnen, ihre Kapazitäten stark zurückzufahren – als Reaktion auf den schweren Preisverfall, der vor mehr als einem Jahr eingesetzt hat. Kein Wunder, dass die Rohstoffbullen erstmals wieder optimistisch sind. Philipp Arnold, Zertifikate-Experte der RCB resümiert: „Viele Anleger sehen im derzeit tiefen Kursniveau einen Einstiegszeitpunkt. Das führte zu einer großen Nachfrage nach Produkten, die auf einen weiteren Anstieg setzen.“

Eine – bislang kleine – Kehrtwende erlebt derzeit auch der Goldmarkt. Noch bis vor Kurzem sorgten sich Anleger um eine mögliche US-Zinserhöhung und verkauften lieber ihre Bestände. Denn dann sind Anleihen wieder die interessantere Alternative – im Gegensatz zum gelben Edelmetall, das keine jährlichen Zinsen zahlt. Doch spätestens seit der letzten US-Notenbanksitzung ist klar geworden, dass eine Erhöhung nicht so rasch kommen wird. Dazu waren die Wirtschaftsdaten dann doch nicht rosig genug. Sollten weitere enttäuschende Daten zu einer erneuten Verzögerung der Zinserhöhung führen, meint Bernhard Wenger von ETF Securities, „wäre das vor allem für den Goldpreis positiv“.

China ist ausschlaggebend

Wengers weitere Markteinschätzungen: „Vor allem bei Kupfer, Platin, Mais und sogar Zucker dürfte es zu einem Angebotsdefizit kommen, was zu einem Abbau der Lagerbestände führen wird.“ Dennoch sollte man gerade bei Industriemetallen die wirtschaftliche Entwicklung Chinas nicht außer Acht lassen, geben die UBS-Analysten in ihrer jüngsten Rohstoffstudie zu bedenken. Schließlich ist das Reich der Mitte der größte Konsument bei zahlreichen Commodities.

Abgesehen vom physischen Kauf bei Edelmetallen ist ein Direktinvestment praktisch nur mittels Zertifikaten möglich. Auf einen Anstieg des Rohölpreises kann man etwa mit dem Commerzbank- Indexzertifikat auf Brent Crude Oil (DE000CN4C9D2) – sprich der Nordseemarke aus Europa –, sowie dem Société-Générale-Indexzertifikat auf die US-Sorte WTI Oil (DE000SG0DW03) setzen.

Dabei decken sich die Zertifikate-Emittenten nicht direkt mit Rohöl ein, sondern setzen mittels Derivaten auf die künftige Preisentwicklung.

Im Fachjargon ist dabei die Rede von sogenannten Futures-Geschäften. Diese müssen allerdings immer wieder verlängert werden, auch werden bei den Futures-Geschäften die Kosten für die künftige Lagerung sowie Lieferung von Öl berücksichtigt. Und das kann in Summe an der Performance nagen, vor allem dann, wenn der Ölpreis eine Weile seitwärts läuft oder sogar weiter sinkt.

Ein Investment in Gold bietet hingegen ETF Securities mittels des ETFS-Physical-Gold-Zertifikats (DE000A0N62G0) an. Der Vorteil dabei: Das Zertifikat ist zu 100 Prozent mit physischem Gold hinterlegt. Schließlich hat man bei jedem Zertifikate-Investment ein Emittentenrisiko. Im Fall einer Emittentenpleite kann das eingesetzte Geld weg sein. Bei diesem Zertifikat dient dann das physische Gold als Sicherheit. Dafür fällt aber eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,39 Prozent an.

Auf gleich vier Edelmetalle (Gold, Silber, Platin und Palladium) kann man etwa mit dem Edelmetall-Basket der RCB (AT0000489406) setzen (hier gibt es keine physische Hinterlegung, dafür auch keine Verwaltungsgebühr). Die UniCredit bietet wiederum die Möglichkeit, in den breit gestreuten Bloomberg-Commodity-Index (DE000HV16F03) zu investieren, hier liegt die jährliche Verwaltungsgebühr bei einem Prozent.

Wechselkursrisiko

Allein, eines sollten Anleger bei allen Rohstoffinvestments berücksichtigen: „Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist der Einfluss des Wechselkurses, da die meisten Basiswerte in Dollar gehandelt werden“, gibt Arnold zu bedenken. Dem Risiko kann man zwar mit währungsgesicherten Zertifikaten gegensteuern. Allerdings lassen sich Emittenten die Absicherung etwas kosten. Einen guten Überblick über ein breites Zertifikateangebot bieten dabei onvista.de sowie zertifikate.finanztreff.de. Dennoch, gerade bei Rohstoffinvestments sollten Anleger die teils heftigen Kursschwankungen auf keinen Fall außer Acht lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2015)


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