GM verkauft US-Statussymbol Hummer an Chinesen

Hummer
Hummer(c) EPA (Rob Widdis)
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Laut "New York Times" geht die Marke Hummer an das chinesische Unternehmen Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery. Das Unternehmen bestätigt Verhandlungen. General Motors hält sich noch bedeckt.

Nur einen Tag nach ihrem Insolvenzantrag hat die Opel-Mutter General Motors mit der geplanten Schrumpfkur begonnen und endlich einen Abnehmer für ihre Geländewagen-Sparte Hummer gefunden. Zwar nannte GM am Dienstag weder Käufer noch Kaufpreis, in Medienberichten war aber von einem Interessenten aus China die Rede.

Der wuchtige Hummer, der Händlern zufolge je nach Typ schon mal 397 PS hat und in der Stadt rund 21 Liter Sprit verbraucht, war zuletzt zum Inbegriff einer verfehlten Modellpolitik des einst weltgrößten Autobauers geworden. 2008 war den Hummer-Absatz in den USA denn auch um 51 Prozent auf nur noch 27.500 Fahrzeuge eingebrochen. Experten zufolge wird der Verkauf möglicherweise nicht mehr als 100 Millionen Dollar in die GM-Kassen spülen. 2008 hatte GM Hummer vergeblich für rund 500 Millionen Dollar angeboten.

GM hat nach eigenen Angaben zunächst eine vorläufige Einigung mit dem Käufer erreicht. Details will GM "in naher Zukunft" nennen. Die New York Times (NYT) berichtete, Hummer solle an das chinesischen Unternehmen Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery gehen. Auch die Nachrichtenagentur AP berichtete, GM werde an ein chinesisches Unternehmen verkaufen. Das chinesische Unternehmen bestätigte Verhandlungen mit GM und erklärte, dass die Übernahme im dritten Quartal abgeschlossen werde. Zentrale und Aktivitäten von Hummer sollen demnach in den USA verbleiben.

Im Zuge gestiegener Spritpreise und der Diskussion um umweltschonendere Autos wurde der Hummer immer unattraktiver. Wegen des hohen Spritverbrauchs gilt es als ausgeschlossen, dass GM einen Käufer in den USA oder in Europa findet. Vielmehr war von Experten ein arabischer Investor oder ein Konzern aus Indien oder China favorisiert worden, dem mit dem Kauf der Einstieg in den US-Markt gelingen könnte.

Der Hummer-Verkauf ist Teil der GM-Strategie, schlanker aus der Insolvenz hervorzugehen. So sollen bis Ende 2009 auch die Marken Saab und Saturn veräußert werden und die Marke Pontiac bis Ende 2010 eingestellt werden. GM will sich dann auf Buick, Chevrolet, Cadillac und GMC konzentrieren, die jetzt schon 80 Prozent des Umsatzes ausmachen. Für Saturn gebe es 16 Interessenten, erklärte GN nun.

Für seinen Restrukturierung sieht GM vor allem in Asien gute Chancen. Während in den USA Werke geschlossen würden, müsse in China binnen fünf Jahren wohl ein neues gebaut werden, sagte GM-China-Chef Kevin Wale. Nur so könne das Ziel erreicht werden, auf dem weltweit größten Automarkt zwei Millionen Fahrzeuge zu verkaufen. Allein im Mai sei der GM-Absatz in China um 75 Prozent gestiegen. Setze sich das im Juni fort, könne GM sein Ziel anheben, den Absatz im Gesamtjahr um bis zu zehn Prozent zu steigern. Im Mai hatte GM in China 156.000 Autos verkauft.

Auch bei anderen Pressekonferenzen im asiatisch-pazifischen Raum äußerten sich GM-Manager optimistisch. Mit geringeren Fertigungskosten repräsentiere die Region einen Teil des neuen Konzerns, hieß es. GM soll in zwei bis drei Monaten verschlankt und weitgehend entschuldet aus dem Gläubigerschutz hervorgehen.

GM hatte zwei Tage nach der Grundsatzeinigung über eine Herauslösung seiner deutschen Tochter Opel am Montag Antrag auf Gläubigerschutz eingereicht. 101 Jahre nach seiner Gründung will sich GM in der Insolvenz sanieren und neu ausrichten. Elf US-Werke sollen geschlossen werden, viele der 92.000 Stellen dort fallen dabei weg.

(Ag.)

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