Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Airbus-Absturz: „Werden dieses Wrack wohl finden“

FRANCE AIR FRANCE ACCIDENT
(c) EPA (Ecpad / Handout)
  • Drucken

An der Unglücksstelle zwischen Brasilien und Afrika sammelt sich eine Rettungsflotte. Ihre Aufgabe wird nur noch die Bergung von Trümmern und Flugschreiber der Air-France-Maschine aus der Tiefe sein.

Nach und nach dringen sie an die Oberfläche, all diese persönlichen Katastrophen: Ein brasilianischer Zahnarzt, der gerade seinen 35.Geburtstag feierte; zehn Franzosen – Arbeitskollegen – samt ihren Gattinnen, die von ihrer Firma für ihren Fleiß eine Brasilien-Reise geschenkt bekommen hatten; eine junge Spanierin, die eben auf Hochzeitsreise auf dem Zuckerhut gewesen war und sich kurzfristig entschieden hatte, einen anderen Flieger als ihr Mann nach Europa zu nehmen, um Verwandte zu besuchen.

Die 228 Menschen hinter diesen persönlichen Tragödien werden wohl nie mehr an die Oberfläche gelangen: Drei brasilianische Kriegsschiffe unter Führung der Fregatte „Constituição“ trafen am Mittwoch mit zwei Hilfsschiffen in dem Gebiet ein, auf dessen Grund das Wrack des am Montag mit 228 Insassen verschwundenen Airbus 330-200 der Air France liegen dürfte. Die Tiefenangaben über die Stelle, die sich 650 km nordöstlich der Inselgruppe Fernando de Noronha zwischen Brasilien und dem Senegal befindet, schwanken zwischen 2000 und 4000 Metern.

Das Wasser an der Oberfläche des äquatornahen Seegebietes ist zwar 28 Grad warm; es gilt aber als ausgeschlossen, dass jemand dem Aufschlag und dem Absinken der Flugzeugreste entkommen ist, und selbst dann bestünden wegen der Auskühlung mittlerweile praktisch keine Lebenschancen mehr.

Brasilianische, französische und amerikanische Suchflugzeuge, die von Fernando de Noronha, Recife bzw. Natal an der brasilianischen Küste sowie Dakar im Senegal aus operieren, hatten bisher entlang eines etwa fünf Kilometer langen Streifens im Wasser nur Ölspuren, leere Flugzeugsitze und Trümmerteile finden können. Auch drei Handelsschiffe aus Frankreich und den Niederlanden, die schon am Dienstag das Gebiet erreicht hatten, fanden keine Überlebenden.

 

Marinetaucher im Einsatz

Vor Ort herrscht laut des brasilianischen Konteradmirals Domingos Nogueira raue See; an Bord der brasilianischen Schiffe seien auch Marinetaucher, die die oberen Wasserschichten absuchen sollen.

Die schwierigste Aufgabe ist laut Nogueira aber die Suche nach der „Black Box“, dem Flugdatenrekorder des Airbus. Zu dem Zweck – und um Trümmer zur Rekonstruktion des Unfallhergangs vom Meeresboden zu fischen – soll Anfang nächster Woche das französische Spezialschiff „Pourquoi Pas“ („Warum nicht?“) eintreffen; es ist mit einem Mini-U-Boot vom Typ „Nautile“ und einem Tauchroboter ausgerüstet, die noch in 6000 Meter Tiefe operieren können.

Der Peilsender der Black Box hat, falls sie nicht zu beschädigt ist, für 30 Tage Strom; bisher dürfte man die Signale vom Meeresboden aber nicht geortet haben.

Aus Frankreichs Regierung hieß es, es sei möglich, dass die Box nie gefunden werde; man habe noch nie aus solchen Tiefen eine geborgen, zudem seien die Tiefenströmungen in der Region sehr stark, sodass Flugschreiber, Trümmer und Leichen schon weit wegbefördert worden sein könnten.

 

Tiefenrekord: Etwa 5000 Meter

Der bisherige Tiefenrekord hierbei wurde 1987 aufgestellt: Damals bargen Teams aus Südafrika und den USA aus etwa 5000 Meter Tiefe den Voice Recorder (er zeichnet Gespräche im Cockpit auf) einer Boeing 747 der South African Airways; sie war wegen eines Brands im Frachtraum nahe Mauritius mit 159 Menschen abgestürzt.

Brasiliens Präsident Lula da Silva zeigte sich zuversichtlich auch über die Fähigkeiten seines Landes, ein Objekt von dort unten zu bergen: „Ich denke, ein Land, das fähig ist, Öl aus 6000 Metern unter der Meeresoberfläche nach oben zu bringen, kann auch ein Flugzeugwrack in 2000 Meter Tiefe finden.“ Brasiliens staatlicher Ölkonzern „Petrobras“ entdeckte in jüngerer Zeit Ölfelder im Atlantik in bis zu sechs Kilometer Tiefe.

Zum Hergang der Katastrophe gab es auch am Mittwoch nur unvollständige Informationen. Blitze und extreme Turbulenzen gelten als mögliche Ursache, bei beiden sagen aber die meisten Experten, sie seien alleine nicht ausreichend, um einen Großraumjet abstürzen zu lassen. Zudem flogen kurz vor der Air-France-Maschine zwei Flieger der Lufthansa ohne Probleme durch denselben Luftraum.

 

UFO-Gerüchte

Paul Arslanian, Chef der französischen Agentur zur Aufklärung von Flugunfällen, bestätigte Meldungen, wonach der Airbus kurz vor dem Verschwinden mehr als drei Minuten lang per Satellit eine Serie von Fehlern und eigenartigen Ausfällen in der Elektronik an die Zentrale der Air France übermittelt hatte. Die seltsamen Umstände des Falles nähren in Internetforen bereits Gerüchte, wonach er mit einem Unbekannten Flugobjekt (UFO) zu tun haben könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2009)