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Intelligenz hängt doch an der Größe des Gehirns

(c) BilderBox
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Psychologen der Uni Wien haben bestätigt, dass größere Gehirne bessere Gehirne sind. So steht es in der Publikation. In der Pressemitteilung steht es eher umgekehrt, vielleicht zum Heben der Aufmerksamkeit.

„Unzweifelhaft gibt es einen sehr engen Konnex zwischen der absoluten Größe des Gehirns und den intellektuellen Kräften und Funktionen des Geistes.“ Das publizierte Friedrich Thielemann, Anatom in Heidelberg, 1836 in England: „On the Brain of the Negro, compared with that of the European and the Orang-Utan.“ Der Titel führt leicht in die Irre: Thielemann war alles andere als Rassist, für ihn hatte Intelligenz nichts mit Hautfarbe zu tun, und bei Schwarzen hatte er gleiche Hirngrößen gefunden wie bei Weißen. In England publizierte er, um das Land dafür zu loben, dass es 1833 die Sklaverei abgeschafft hatte.

Aber stimmt die Prämisse, hängt die Intelligenz an der absoluten Größe des Gehirns? Viele Forscher bestätigten den Konnex schon im 19. Jahrhundert, aber da konnte man beides noch kaum messen, sowohl die Größe des Gehirns – zumindest: des lebenden – wie die Intelligenz. Für Ersteres behalf man sich mit dem Schädelumfang, Letztere will man seit 1905 in IQ-Tests erheben.

Das Hirnvolumen wird seit den 90er-Jahren mit bildgebenden Verfahren präziser erfassbar. Auf dieser Ebene wurde Thielemann 1991 erstmals bestätigt, der Befund wurde oft repliziert, vor zehn Jahren kamen erste Zweifel, ob nicht allerlei „bias“ – Verzerrung – dabei mitgespielt habe, etwa ein „publication bias“, der dafür sorgt, dass manches an die Öffentlichkeit gelangt und anderes nicht.

 

„Signifikante positive Assoziationen“

Deshalb hat eine Gruppe um Jakob Pietschnig (Psychologie, Uni Wien) die Literatur gesichtet und 88 Studien in einer Metaanalyse ausgewertet (Neuroscience and Biobehavioral Reviews 9. 10.). Der Befund ist eindeutig: „Unsere Resultate zeigten signifikante positive Assoziationen zwischen Hirnvolumen und IQ.“ So steht es im Abstract, so wird es im Text variiert, sowohl, was das größere Tierreich angeht als auch das Reich der Menschen.

Demnach hat sich generell ein „robuster Zusammenhang“ zwischen Hirngröße und intellektueller Selbstkontrolle „über 36 Arten hinweg“ gezeigt, „inklusive Vögel, Nager, Raubtiere, Elefanten und Primaten“. Unter Letzteren haben wir die größten Gehirne – aber die gleiche „Architektur“, „unser Gehirn ist lediglich eine aktualisierte Version“ – und unter Menschen ist der Konnex auch so klar, dass ein Kapitel fragt: „Warum ist Hirngröße mit Intelligenz assoziiert?“

Offenbar hält Thielemanns Befund, auch ein „publication bias“ will sich so recht nicht zeigen. Dafür springt ein anderer bias ins Auge: Die Pressemitteilung der Uni Wien trägt den Titel „Ein großes Gehirn ist kein Garant für Intelligenz“, die APA nimmt es gern auf: „Größeres Gehirn macht nicht intelligenter.“ Na ja, der Briefträger kommt auch nur in die Schlagzeilen, wenn er den Hund beißt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2015)