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Festival: Spotlights im Viennale-Kinowald

(c) Viennale
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Auch in ihrer 19. Ausgabe ist das Programm der Viennale kaum zu überblicken: Höhepunkte aus Cannes und Venedig, asiatisches Kino und politische Werke.

Die Viennale bleibt sich treu. Auch im 19. Festivaljahr unter der Leitung von Hans Hurch bietet sie ein eklektisches, erkleckliches und kaum zu überblickendes Programm nach bewährtem Modell: Ein solides Fundament aus Qualitätskino-Publikumsgaranten, deren Regulärstart in heimischen Lichtspielhäusern absehbar ist – etwa Todd Haynes' formvollendete Patricia-Highsmith-Adaption „Carol“ mit Cate Blanchett zur Eröffnung oder Woody Allens „Irrational Man“ –, ebnet den Weg für formal und politisch radikalere Leinwandkunst aus aller Welt. Das internationale Renommee der Veranstaltung gründet auf einer markanten kuratorischen Handschrift. Zu dieser gehören Stammregisseure wie Jean-Marie Straub ebenso wie ewige Stiefkinder (Genrekino ist kaum, Osteuropa etwas stärker als üblich präsent) und ein Minimum an Starrummel. Bekanntester Gast ist heuer die Hitchcock-Mimin Tippi Hedren („Die Vögel“).

Es gibt keinen Königsweg durch den Kinowald, nur verschlungene Pfade – doch ein paar Marksteine kann man kennzeichnen. So bietet sich wie immer die Möglichkeit, A-Festival-Höhepunkte nachzuholen. Aus Venedig kommt das Drama „Spotlight“, in dem u. a. Michael Keaton und Mark Ruffalo als rasende Reporter für den „Boston Globe“ einen Missbrauchsskandal ans Licht bringen: ein nüchternes Porträt journalistischen Tagwerks und starkes Plädoyer für die Wahrung der vierten Gewalt. Am Lido reüssierte auch der diesjährige Abschlussfilm „Anomalisa“. Die berückende Stopptrick-Animation des Drehbuchautors Charlie Kaufman („Being John Malkovich“) schildert das Alltagsabenteuer eines entfremdeten Vortragsreisenden, der einer Existenzkrise entfliehen will. Mit untrüglichem Gespür für die Feinarbeit zwischenmenschlicher Annäherung lassen Kaufman und Koregisseur Duke Johnson ihre Puppen hoffen und verzweifeln.

In Cannes feierte „The Assassin“ (Originaltitel: „Nie Yin Niang“) Premiere, die wohl größte Augenweide des Festivals: ein komplexes Historienepos des taiwanesischen Meisters Hou Hsiao-Hsien, mit kalligrafischer Präzision als atemberaubendes 35-mm-Gemälde inszeniert. Überhaupt ist Asien heuer stark vertreten, zu sehen ist etwa „Right Now, Wrong Then“, der Locarno-Gewinner des koreanischen Vielfilmers Hong Sang-soo. Darin wird dieselbe Liebesgeschichte zweimal erzählt – mit marginalen Mutationen, die jedoch einen erheblichen Unterschied machen. Im Dokumentarfilmprogramm kann man das Bergbau-Panorama "Bei Xi Mo Shou" des Chinesen Zhao Liang bestaunen: Ein Bild- und Ton-Pandämonium als politische Anklage.

 

Benefizkino am Internationalfeiertag

Politisch ist auch die Sondersektion „Griechenland – Noch einmal mit Gefühl“, ein Versuch, die krisengeschüttelte Nation mit hierzulande weitgehend unbekannten Werken für sich selbst sprechen zu lassen. Am 26. Oktober präsentiert die Viennale dann einen Kommentar zum (heimischen) Zeitgeschehen: Unter dem Banner eines Internationalfeiertags wird im Gartenbaukino eine Zusammenstellung verschiedener Arbeiten zum Thema Migration gezeigt, darunter die österreichische Reportage „Lampedusa im Winter“ von Jakob Brossmann. Der Reinerlös der Screenings geht an Caritas und Volkshilfe.

Die heute startende Festival-Retrospektive des Filmmuseums widmet sich einer „Zoologie des Kinos“, das neu eröffnete Metro Kinokulturhaus zeigt mit „Austrian Pulp“ eine sehenswerte Schau zum heimischen Schund- und Schmuddelfilm. Überdies werden eigenwillige Kinokünstler gewürdigt – aus Argentinien (Raúl Perrone), Uruguay (Federico Veiroj) und Portugal (Manoel de Oliveira, im April 106-jährig verstorben und bis dahin der älteste aktive Regisseur der Welt).

Das reguläre Viennale-Programm beginnt am 22. Oktober und geht bis 5. November, Tickets sind ab morgen verfügbar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2015)