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Serbien: „Keine permanenten Flüchtlingszentren geplant“

SERBIA REFUGEES MIGRATION CRISIS
(c) APA/EPA/Zoltan Balogh (Zoltan Balogh)
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Die Caritas fordert dauerhafte, beheizbare Unterkünfte. Belgrad erachtet zehn Transitzentren für Durchreisende als ausreichend.

Belgrad/Wien. 220.000 Flüchtlinge hat Serbien seit Jahresbeginn in Preševo im Süden des Landes registriert. Rund 2000 bis 4000 Flüchtlinge kommen hier täglich von Mazedonien über die Grenze. So wie ihre Vorgänger im Spätsommer in Flipflops, T-Shirts, dünnen Westen und Hosen nach Norden zogen, kommen viele auch Mitte Oktober noch im serbisch-kroatischen Grenzort Šid an, erzählt Birgit Ertl, Osteuropa-Expertin der Caritas, im Gespräch mit der „Presse“ – trotz Regen, Wind und Kälte. Viele hätten Bronchitis und starke Verkühlungen, schildert Ertl.

Die Flüchtlinge nutzten noch das vergleichsweise milde Herbstwetter aus, um vor dem Wintereinbruch so schnell wie möglich nach Österreich und Deutschland zu gelangen, meint Ertl. Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen versorgt die Caritas die Flüchtlinge mit dem Nötigsten, bis die kroatische Polizei sie in Gruppen von 25 Personen über die Grenze lässt. Die Flüchtlinge erhalten Lebensmittelrationen, warme Getränke, Hygienepakete und Windjacken, großer Bedarf bestehe auch an warmen Wollsocken. Drei große Zelte sollen die Wartenden an der Grenzstelle vor Regen schützen. Ohne Seitenwände blase der Wind jedoch ungehindert hindurch. Daher seien winterfeste, beheizbare Wartekonstruktionen an der Grenze geplant – aus Holz oder Plastik, wie Gewächshäuser.

„Im Moment scheinen alle – die Regierung und NGOs – zu versuchen, keine große Katastrophe entstehen zu lassen“, sagt Ertl. Es liefe alles sehr geordnet ab. Eine praktikable Lösung für die Versorgung der Flüchtlinge im Winter gebe es jedoch nicht. Dabei wären Unterkünfte, in denen Flüchtlinge mehrere Wochen verbringen können, dringend notwendig – falls die Durchreise durch Serbien im Winter nicht reibungslos funktioniere. „Es wäre wichtig, Flüchtlinge dort unterzubringen, wo es eine Infrastruktur und Heizmöglichkeiten gibt, und nicht etwa in Garagen oder Fabrikshallen.“

 

Hoffen auf weniger Flüchtlinge

Derzeit versuche Belgrad derartige Maßnahmen vor sich herzuschieben, sagt Ertl. Denn Serbiens Führung gehe von einem Abflauen der Flüchtlingszahl aus. Schon jetzt verbreiteten sich in Italien und Griechenland unter den Flüchtlingen etwa Gerüchte, dass sich die Einreise in die EU mit den geplanten Registrierungsstellen ab November erschweren könnte. „Wir erwarten, dass die Zahl der durch Serbien reisenden Flüchtlinge im Winter abnehmen wird. Dazu wird auch die Inbetriebnahme der Hotspots beitragen“, bestätigt Suzana Vasiljević, Sprecherin des serbischen Premiers Aleksandar Vučić, der „Presse“.

Serbien habe zehn Transitzentren entlang der Flüchtlingsroute vom Süden bis zum Norden des Landes errichtet. Dort könnten Flüchtlinge „wenn nötig mehr als 24 Stunden bleiben“. Dauerhafte Zentren seien nicht geplant, da „die bereits bestehenden Transitzentren die Bedürfnisse der Flüchtlinge völlig abdecken können“, sagt Vasiljević. Das Lager in Preševo etwa kann derzeit 1000 Menschen aufnehmen, weitere 600 Plätze sollen folgen. Eine von Vučić angekündigte Flüchtlingsunterkunft für 4000 Menschen in Belgrad hingegen sei derzeit nicht geplant, so Vasiljević. Stattdessen setze man auf den Ausbau eines Asylheims in Krnjača nahe der Hauptstadt. Serbien sei zuversichtlich, die Durchreise der Menschen auch im Winter einwandfrei gewährleisten zu können. (maka)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2015)