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Sogar Neue Musik kann Freude machen!

Es ist nie zu spät. Kurt Schwertsik hatte im Juni Geburtstag. Demnächst gibt es wieder konzertante Zelebrationen.

Die Inszenierung könnte von ihm selbst sein – abgesehen davon, dass sich ein Mann wie Kurt Schwertsik niemals irgendwo in irgendeinen sogenannten Mittelpunkt stellen würde. Schon, weil er diesbezüglicher Messtechnik misstraut. Aber die Verschmitztheit, die darin liegt, dass sein runder Geburtstag, der eigentlich schon im Juni in Konzerthaus zelebriert wurde, nun noch einmal gefeiert wird, gehört irgendwie zu ihm.

Außerdem lässt sich nicht leugnen, dass Kurt Schwertsik am 21. Oktober noch immer 80 ist, zwar nicht ganz genau so 80 wie damals, am 25. Juni. Aber doch immer noch, und immer mehr, sozusagen, sodass auch die Aufführungen, die im Musikverein am 14. und am 27. November stattfinden werden, ganz dazugehören.

Der 21. Oktober ist aber insofern besonders, als da – im Gläsernen Saal – ein ganzer Abend nur dem Schaffen des Wiener Komponisten gewidmet ist. „Späte Liebeslieder“, das Motto des Abends, den Schwertsik-Freunde wie der Geiger Ernst Kovacic oder das Koehne Quartett ausrichten, ist identisch mit dem Titel eines Liederzyklus, den der Komponist seiner Frau Christa gewidmet hat, die als Diseuse natürlich wieder mit von der illustren Partie sein wird.

Kurioserweise – auch das klingt schon wieder wie eine Schwertsikiade – sind die „Späten Liebeslieder“ das früheste Werk, das am 21. Oktober aus dem Œuvre-Katalog erklingen wird. Aber das nur als Marginalie. Falls es in einer Kolumne namens Zwischentöne überhaupt einen Haupttext geben kann, wäre in diesem noch hinzuzufügen, dass es sich bei einem solchen Geburtstagsfest nicht um die pflichtschuldige Abtragung eines zu diesem Zwecke aufgeschichteten Notenbergs handelt. Sondern dass Musiker versichern, das Spielen von Stücken aus der Feder dieses Meisters hätte gar nichts Mühevolles an sich, es mache in aller Regel großen Spaß.

Genau so verhält es sich, das darf der Rezensent hinzufügen, in diesem für die sogenannte zeitgenössische Musik höchst ungewöhnlichen Fall mit dem Hören. Weshalb Interpreten das Aufführen von Schwertsik-Musik durchaus als Musizieren empfinden – und das Publikum mit gespitzten Ohren lauscht; und hin und wieder sogar ins Schmunzeln kommt. Dergleichen geschieht ja selbst bei den geliebten Klassikern nicht alle Tage.

E-Mails an:wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2015)