Schnellauswahl

Ohne Balance keine Tabellenführung

WAC vs Rapid
GEPA pictures
  • Drucken

Bundesliga. Rapid verliert beim WAC 1:2. Damit ist Salzburg nach dem 8:0-Kantersieg gegen die Admira neuer Spitzenreiter. Bei der Austria trüben Fan-Pfiffe die positive Zwischenbilanz.

Wolfsberg/Salzburg. Tabellenführer und Tabellenletzter, die Rapid und der WAC vor der 12. Bundesligarunde noch gewesen waren, haben in der Lavanttal-Arena die Rollen getauscht. Der WAC war die bessere Mannschaft, Rapid zeigte die wohl schwächste Leistung dieser Saison. Am Ende gewannen die Kärntner dank Toren von Jacobo (42.) und Ouedraogo (57.) mit 2:1, der Anschlusstreffer durch Schaub (93.) kam für Rapid zu spät. Mit der Niederlage haben die Hütteldorfer auch die Tabellenführung verspielt.

„Unerklärlich, wie wir von einer Minute auf die andere die Balance verloren haben. Das darf nicht passieren“, analysierte Rapid-Coach Zoran Barisic. „Wir waren zu langsam im Kopf, auch die Dynamik nach vorne hat gefehlt.“ Am Donnerstag starten die Hütteldorfer in die grün-weißen „Heimwochen“, Rapid tritt innerhalb von zehn Tagen gleich viermal zu Hause an. Zum Auftakt gastiert in der Europa League Viktoria Pilsen im Happel-Stadion. Die zweite Liga-Niederlage in Folge soll deshalb so schnell wie möglich abgehakt werden. „Wir müssen das wegstecken und uns auf Donnerstag fokussieren. Da gehört eine Leistungssteigerung her“, forderte Barisic. Am darauffolgenden Sonntag wartet im 315. Wiener Derby gegen die Austria die nächste schwere Partie.

Der WAC hat mit dem überraschenden Heimerfolg ein Ausrufezeichen gesetzt. Die Elf von Dietmar Kühbauer feierte ihren zweiten Sieg im zwölften Spiel, neues Tabellen-Schlusslicht ist Ried.

Salzburg im Titelkampf

Die Führung in der Tabelle hat Salzburg übernommen. Mit einem 8:0-Kantersieg gegen die Admira hat der Meister nicht nur seine Ambitionen auf die Titelverteidigung eindrucksvoll untermauert, sondern auch gezeigt, dass man mehr als die zu Saisonbeginn gezeigte fußballerische Schonkost zeigen kann. „Das war großer Sport. Die Mannschaft ist jetzt eingespielt, die Automatismen greifen immer mehr“, lobte Trainer Peter Zeidler, der erstmals in seiner Ägide drei Siege in Folge feierte.

Ein Name ist untrennbar mit dem Salzburger Aufschwung verbunden: Jonatan Soriano. Mit dem Kapitän kehrte bei Salzburg auch der Erfolg zurück. Seit dem Comeback nach der Verletzungspause Mitte September ist der Meister ungeschlagen, mit acht Toren trug der 30-Jährige zudem maßgeblich zu den vier Siegen bei. Gegen die Admira erzielte Soriano einen Doppelpack, seine Bundesliga-Treffer Nummer 98 und 99 – bei nur 112 Einsätzen. Bereits kommende Woche in Ried könnte der Spanier die 100er-Marke knacken, so früh wie kein anderer. 17 Spieler gehören dem elitären Kreis an, die bisherige Bestmarke hält Anton Polster mit 126 Partien. „Das 100. Bundesligator ist ein großes Ziel von mir“, erklärte Soriano.

Violette Nebengeräusche

Rechtzeitig vor dem Wiener Derby hat auch die Austria mit dem 2:1-Erfolg in Grödig eine Kampfansage an Erzrivalen Rapid gerichtet. Von einem möglichen Titel-Dreikampf will Trainer Thorsten Fink aber vorerst nichts wissen. „Man hat gesehen, wie stark Salzburg ist – das ist eine ganz andere Liga, als wir es sind.“ Bis auf die mangelnde Chancenverwertung zeigte sich Fink mit der Leistung seiner Mannschaft hochzufrieden. Doppeltorschütze Gorgon erklärte: „Wir fahren mit Rückenwind zum Derby und werden wieder versuchen, die Nummer eins in Wien zu werden.“

Nach der schwachen Vorsaison mit Platz sieben fällt die violette Bilanz nach einem Drittel der Meisterschaft durchaus positiv aus: Elf Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, nur eine Heimniederlage (gegen Rapid), zudem wurden erstmals seit November 2013 wieder drei Spiele in Folge gewonnen. Doch die Austria-Fans erwiesen sich am Samstag als kritisches Publikum, als nach vorne immer weniger klappte, waren Pfiffe hörbar. „Das ist für mich was Neues. Aber ich verteidige meine Mannschaft bis aufs Blut. Wir haben hervorragend gespielt, deswegen ist das nicht gerechtfertigt“, meinte Fink.


[LJDFD]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2015)