Wettbewerb in Österreich: Hauptsache extrem

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Harte Kerle suchen das Limit: Kletterwände zum Knieschlottern, Wanderungen durch Tag und Nacht, Wettbewerbe zum Selbstbeweis. Ein paar Österreich-Optionen.

Adrenalin, Wagemut und Ehrgeiz. Eine Mischung aus Hormonen und Psychofaktoren muss dafür verantwortlich sein, dass Menschen freiwillig in eiskalten Wasserfällen herumturnen, auf Mountainbikes und Rennrädern transalpin transpirieren oder ihr Leben an einen seilernen Faden hängen. Früher nannte man diese Mutigen und Wackeren „harte Kerle“, heute kann sich auch der Normalaktive der extrem- und abenteuersportlichen Versuchung nicht entziehen, denn sie sind mittlerweile omnipräsent. Überall vermittelt uns eine innere Stimme: Sei kein Weichei. Okay, riskiert und trainiert man halt ein bisschen.

Aber wo? Eigentlich überall, wo Österreich nicht verbaut ist. Sicher: Der Thrill- und Funfaktor steigt proportional zu den Höhenmetern. Nicht umsonst gilt Osttirol als das heimische Nepal, haben die Wände Tirols in der Kletterszene weltweit erstklassigen Ruf, pachten Flüsse wie die Salza internationales Wildwasserimage.

Manchmal deklarieren ganze Länder oder Regionen eigene Freesport-Reviere. Salzburg verpackt seine Parks, Trails und Adventure-Zonen für die (mental) junge Zielgruppe unter einem Label – „One Big Park“. Das funktioniert wie eine große Klammer um unterschiedliche Action-Geschichten – wie etwa die höchste Kletterwand Österreichs im Alpincenter Salzburger Sportwelt (48 Meter) oder den „BikePark“ am Asitz in Leogang-Saalfelden, wo schon experimentiert wurde, als noch kaum einer von einer Massenbewegung sprach.

In Kärntens südwestlicher Ecke wiederum verdichten sich Rafting-Flüsse, Schluchting-Klammen und Kletter-Felsen zu einer größeren Arena; naheliegend nannte man sie „Abenteuer Alpen“, und tatsächlich wird die Natur nicht nur Sport-, sondern auch Spielplatz. An der Podlaninger Brücke im Lesachtal setzt sich der Furchtlose in eine Riesenschaukel (Mega Dive) und fliegt knieschlotternd über die Wipfel. Ähnlich viel Mut erfordert es von ihm, im Acapulco-Style in den Weissensee (gutes Tauchrevier) zu springen. Aber harte Kerle tun das.

Im Fels. Der Kletterboom erreicht langsam seinen Gipfel. Das Interesse beweist allein schon der Run auf große Kletter-Competitions, wie zuletzt bei der „Challenge the Wall Tour“ in Wien. Zugleich wächst die Infrastruktur – und das ist eben nicht der blanke Berg – fürs Vorstieg-, Nachstieg- oder Toprope-Klettern enorm. Von Bouldern, dem Klettern auf einem Stein quasi auf Augenhöhe, noch nicht einmal zu sprechen.

Speziell in Tirol hat man aufgerüstet, in Regionen wie Imst-Gurgltal, Ötztal, Mieminger Plateau oder St. Anton am Arlberg. Eigentlich kann der Kletterer hier ins Blaue starten, er wird immer irgendwo ankommen, wo’s interessant ist. Rund um Imst befindet sich überdies eine der größten Indoor-Kletterhallen und ab Sommer wird dort ein 18 Meter hoher Freikletterturm stehen.

Ist der Freizeitkletterer auch noch so von sich überzeugt: Wenn er schon die Gelegenheit hat, von der Elite zu lernen, sollte er sie ergreifen. Die amtierende Weltmeisterin im Vorstiegsklettern, Angela Eiter, und die vielfache österreichische Staatsmeisterin, Bettina Schöpf, zeigen an zwei Wochenenden im Juni, was wirklich so ab-
geht. Um mit David Lama, dem jungen Star der Kletterszene, zu lernen, muss man ins Ötztal. Lama und Barbara Bacher, ebenfalls Kletterin von Weltformat, sind beim Trainingscamp vom 23. bis 28. August in Längenfeld im Ötztal mit Tipps und Tricks zur Stelle.

Gefeiert wird im Kletterumfeld auch gern ein Jubiläum, heuer groß in der Steiermark: Der Steinerweg durch die Dachstein-Südwand wurde vor 100 Jahren das erste Mal begangen. Die mutigen „Steiner-Buam“ hatten sich am 22. September 1909 über diese Kletterroute (Schwierigkeitsgrad 4–5) hinaufgetraut – unzählige Bergsteiger folgten bis heute. Beim Kletterfestival „Via Ferrata“ vom 2. bis 5. Juni wird der weltweit einzige beleuchtete Nachtklettersteig – der „Siega“ in der Silberkarklamm – zu begehen sein. Im August sollen dann lauter Fackeln das Dachsteinmassiv erleuchten. Ein Traum von Berg, auf den sich Traditionalisten wie Modernisten einigen können.

Im Sattel. Auch dieser Trend scheint nicht abzureißen, im Gegenteil: Längst hat sich die Radszene so weit verzweigt, dass sich Universen zwischen Mountainbikern und Rennradlern, Radtrekkern, Radwegbenützer und BikePark-Akrobaten herausgebildet haben. Der eine braucht superabschüssige Wurzeltrails, der andere den schnellen, steilen Asphalt nach oben. Es gilt: möglichst weit, möglichst intensiv. Längst haben sich Radtouristiker darauf konzentriert, ganze Routen auszuarbeiten, manche hart an der Leistungsgrenze.

Wer richtig fit ist, tritt oft nicht mehr um seiner selbst willen, sondern trainiert auf einen Publikumsbewerb hin. So eine Challenge bietet sich etwa mit der „KitzAlpBike“ (24. bis 28. Juni), Höhepunkt ist die 88-Kilometer-Distanz. Oder die Salzkammergut-Trophy (18. Juli), die jedes Jahr Teilnehmerrekorde verzeichnet. Der Ehrgeizige kann es dem potenziellen Weltmeister auch in Stattegg bei Graz nachmachen: Die Mountainbike-Marathon-WM-Strecke ist auch für den Hobbyfahrer (über 30) da. Üben kann man schon einmal: Einer der härtesten Singletrails wurde wiedereröffnet – der Nordketten-Singletrail in der Seegrube in Innsbruck. Extreme Streckenführung in Falllinie!

Bei Fuß. Tempo und Mut sind natürlich nicht alles. Persönliche Rekorde lassen sich auch gehend aufstellen. Nicht, dass der Tag- und Nachthatscher neu wären. Jeden Frühling überwinden sich Heerscharen von Kärntnern dazu, vier mittelprächtige Gipfel abzuarbeiten, in einem Rhythmus von Gehen, Beten, Reindling Einschneiden.

Veranstaltungen wie 24-Stunden-Wanderungen sind vom Ansatz her frei von spirituellen Motiven, wenngleich der eine oder andere Teilnehmer wohl Stoßgebete aussprechen wird, wenn er mehrere tausend Höhenmeter zu überwinden hat. Im Tiroler Tannheimertal absolviert er dabei 50 Kilometer, Marscherleichterung erhält der Teilnehmer nur zum Auftakt, da gondelt er mit der Bergbahn hinauf und startet in Richtung untergehender Sonne. Nach dem Abendessen wird’s ernst: hinaus in die Dunkelheit, Ohren und Füße gehorchen den Anweisungen des Bergführers. Man schleppt sich durch alpines Gelände, aber wenn die Sonne aufgeht, hat das etwas Magisches. Ohne Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und wirklich gute Kondition brauchen Freunde der Berge nicht einmal
daran denken, dabei mitzumachen.

Der Extremalpinist Hans Kammerlander organisiert in Südtirol schon seit einiger Zeit 24-, wenn nicht 36-Stunden-Wanderungen. Schnellentschlossen schließt sich der Weitgänger noch dem Trupp bei der 24-Stunden-Wanderung im Toten Gebirge an – vorbei an acht Seen, quer durch Geröll, Karstlandschaften und Hütten. Oder er macht im Karwendelgebirge die Nacht zum Tag.

Die Herausforderung solcher „Der lange Weg ist das Ziel“-Unternehmungen wächst freilich mit der Steilheit. Im Rekordbereich bewegt sich daher auch, wer in sieben Tagen – oder schneller – den Glockner umrundet oder den längsten Weitrundwanderweg in den Alpen absolviert: 360 Kilometer durch Osttirol; 25.100 Höhenmeter packt der Durchschnittsgeher in 14 Tagen. Und wenn’s denn wirklich flotter sein soll, gibt’s noch immer den 24-Stunden-Lauf in Wörschach.

Auf der Tribüne. Bei allem Ehrgeiz bleibt der Freizeit-extremist doch manchmal lieber Zuschauer. Weil er um Gesundheit und Sportgerät bangt. Weil er noch nicht die Trainingshöchstform erreicht und Angst vor der Blamage hat. Oder weil er mit seiner Anmeldung schlichtweg zu spät war. Bewerbe wie der „Ironman“ am Wörther See sind schnell ausgebucht: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen ist doch eine harte Bandage. Da sieht man lieber zu.
Zuschauen dürfte auch im Falle des Erzberg-Rodeo das größere Vergnügen sein. Über 35.000 Motorradfans verfolgen die spektakulären Rennen auf den Tagbauterrassen des magischen Berges. Ein echtes Spektakel, sehr international besetzt.

In der Wildnis. Es ist fast ein Klischee, dass Männer Motoren und Sandkastenspiele, Bagger, Hummer oder Jeeps lieben, je gatschverschmierter, desto lieber. Das Bedürfnis kann bedient werden, auf dem Erlebnisportal www.jollydays.at findet man einen Haufen solcher Optionen.

Was passiert aber, wenn man einem harten Kerl das motorisierte Spielzeug wegnimmt? Das macht aus dem deklarierten Jäger einen Sammler. Beim Survivaltraining im Alpachtal zum Beispiel wird er lernen, von Beeren und Kräutern zu leben, Feuer zu machen, sich in der Natur zu orientieren und gemeinsam in der Schwitzhütte zu sitzen. Fünf Tage lang, das dürfte reichen.

Und vielleicht hat er ja schon vorher Erfahrung gesammelt im Umgang mit Holzhacken und Kettensägen. Das nämlich ist auch ein Sport – Timbersports, in dem die Österreicher noch etwas üben müssen, um so locker eine „Hotsaw“ schwingen zu können wie die weltbesten Holzarbeiter, die Kanadier. Das bekommt man bei den Stihl Timbersports Series zu sehen. Aber man kann zu Hause ja schon einmal üben: Fichtenstamm aufbocken und schön gleichmäßig runterschneiden – Scheibchen für Scheibchen, auf Rekordzeit natürlich.

Outdoor & Adventure
Rafting, Schluchting, Klettern in einem Revier: www.abenteueralpen.at;naturarena.com
Junge, fitte Zielgruppe: www.onebigpark.at;www.salzburgerland.com

In der Wand
Sportklettern, Mehrseillängen, Klettersteige in Tirol:www.climbers-paradise.com;www.sport.tirol.at; www.imst.at; www.oetztal.com
Zur Feier in die Steiermark: www.steiermark.com/klettersteige, www.ramsau.com Osttirol 360 Grad: www.osttirol.com

Mit dem Rad
www.kitzalpbike.at,www.bike09.at, www.trophy.at; www.salzkammergut.at

Extrem auf Leistung
Ironman am Wörther See: 5. 7., www.ironman.at

24 Stunden zu Fuß
im Tannheimer Tal: 7./8. 8. und 4./5. 9., www.tannheimertal.com; im Toten Gebirge: 27./28. 6., www.alpin-pp.at; im Herzen vom Karwendel (Achensee): 4./5. 7., http://wandern.achensee.info

Motorisiert
Hubschrauber, Hummer, Bagger: www.jollydays.at Erzbergrodeo 11.–14. 6.: www.erzbergrodeo.at Timbersports: www.stihl.de

("Die Presse"-Schaufenster vom 5.6.2009)


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