Fast alle Männer kochen, nur ein paar arme Würstchen rufen immer noch den Pizzadienst. Für sie gibt es sogenannte Männerkochbücher. Wir haben uns durchgeblättert.
Wie viele arme Teufel gibt es, die in der
Küche noch immer nicht mehr ausrichten können, als Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen und von Zeit zu Zeit vier Blatteln Speck und drei Eier in die Pfanne zu hauen? Kochen mag ja dieses wunderbare Modeding geworden sein, aber im Grunde ist es immer noch Überlebenstechnik. Frauen können nachgewiesenermaßen von Salat und Schokolade leben, aber Männer gehen an Fertigfraß und Zustellservice auf Dauer zugrunde. Das gilt nicht nur für den ewigen Single: Angesichts der durchschnittlichen Beziehungsdauer kann keiner mehr drauf hoffen, auf ewig bekocht und durchgefüttert zu werden (abgesehen davon, dass das seit Mutti eh keine Frau mehr macht).
Apropos Fortpflanzung: Womit gedenkt denn der Herr, nicht der allergeringsten Kochkünste mächtig, die Dame, die er mühevoll bis nach Hause umgeleitet hat, zu beeindrucken, zu erweichen? Mit seinem Flachbildschirm? Es sei verraten: Der Mann, der nicht kochen kann, ist so attraktiv wie das Zeug im Gemüsefach, von dem man nicht mehr weiß, was es einmal war (aber sicherheitshalber nicht anrührt). Wer gut kocht, kommt sogar ins Fernsehen – fast alle TV-Köche sind Männer.
Weil das alles nicht die News des Tages sind, hat sich in der seit Jamie Oliver brummenden Verlagssparte der Kochbücher die Männernische aufgetan: eben Männerkochbücher. Die sind nicht zwangsläufig von Männern geschrieben oder werden von Männern gekauft; das Geschäftsmodell dürfte die „gute Geschenkidee“ sein. Und die ist wirklich nicht die schlechteste, wenn man einen armen Teufel vom Irrweg des Pizzadiensts abbringen kann.
Opfer von Klischees. Wir haben vier Bücher dieser Kategorie unter die Lupe genommen. Zunächst fällt die sexuelle Komponente auf: Zwei Cover zeigen einen Männerhüftschuss, wobei Küchenutensilien lustig das Gemächt andeuten – einmal Schnitzelpracker, einmal Schneebesen (Schneebesen??); einmal der obligate Kussmund auf der Kochhaube, einmal Hemdknopfreihe in Nahaufnahme. Kaum nimmt der Mann einen Kochlöffel in die Hand, ist er schon Opfer des Klischees.
Beginnen wir mit Deftigem. Das „Großpetersdorfer Männerkochbuch“ dürfte den Verfassern – Männern aus der evangelischen Pfarrgemeinde Großpetersdorf – viel Spaß gemacht haben. Mitgewirkt hat auch der Pfarrer, der gelegentlich ein Tischgebet einstreut, ebenso weiß der Dorfarzt Ezzes zu verabreichen („Bewegung ist gesund“ etc.). Der Leser plagt sich aber durch die Seiten, denn Bilder gibt es keine, und die Rezepte sind handschriftlich abgedruckt. Und sie könnten ihre gewünschte Wirkung womöglich verfehlen: Bei „Gebackenes Hirn im Netz“ und „Gefüllter Schweinsbauch“ sieht man die bekochte Frau förmlich aus der Wohnung flüchten. Außer sie ist Burgenländerin. Aber vielleicht bleiben die Großpetersdorfer Männer eh lieber unter sich.
Zielführender für den Küchenrookie ist da schon „Abenteuer Küche“, denn hier wird mit den absoluten Basics eröffnet: Kleine Glaskunde etwa, oder welche Messer und sonstige Utensilien man braucht. Statt der vielen Männerbilder zur Dekoration hätte man mehr Gerichte zeigen können, denn es ist immer noch die Tellerpracht, die Gusto macht. Sonst gibt es keinen Hinweis, dass das Buch speziell für Männer geeignet sein sollte, und das Abenteuerversprechen aus dem Titel wird auch nicht eingelöst. Wie auch immer man das bewerkstelligen könnte. Dafür rufen Kalenderweisheiten und Werbeprosa (Kostprobe: „Gemischte Pilze – ich glaub’, ich steh im Wald!“), mit denen das Buch gespickt ist, ein Völlegefühl geistiger Art hervor.
Gastgeschenk. Es wird wärmer: „Männer, die kochen, sind unwiderstehlich“, behauptet der nicht rasend prominente deutsche Fernsehmoderator Michael Harles in seinem eleganten Bändchen, das geradezu danach schreit, als Gastgeschenk eingepackt zu werden. Kochbuch ist es zwar keines, aber für Rezepte kann man sich ja ruhig einmal einen anständigen Plachutta anschaffen. Doch das hübsch gummierte Hochformat taugt hervorragend als Konversationslexikon für jede Art von lockerem Fress- und Weingeplauder – falls jemand die letzten 15 Jahre beim Schnitzelwirt oder in Großpetersdorf verbracht hat. Dass man zu Fisch nicht zwangsweise Weißwein trinken muss, erfährt man da staunend, was Molekularküche und Functional Food sind, wie man die beliebtesten Fauxpas auslässt und was man im Tischgespräch auch einmal an Klugem fallen lassen könnte, womöglich gar auf Französisch.
Am appetitlichsten fanden wir das „Keine-Panik-Kochbuch für Väter“. Die Idee ist nicht dumm. Jungpapis, die ihrer Frau nichts Warmes auf den Tisch stellen können, verwirken praktisch gleich das Sorgerecht („Gebackenes Hirn im Netz“ führt freilich zur sofortigen Trennung). Im „Keine-Panik-Buch“ werden nette Gerichte mit Österreichbezug (Datschkerln, Biricz, Bärlauchgemetzel) ebenso wie das unverzichtbare Exotische ohne Schwiegermutterton aufgearbeitet. Eine Checkliste klärt bei jedem Rezept, ob es für die stillende Mutter geeignet ist oder ob man sich eine durchgebrüllte Nacht einhandelt (wegen Blähendem, falls wer fragt). Fotografie und Aufmachung sind erstklassig.
Das Buch, dick genug, dass es allein stehen kann, ist ausgiebig für ein ganzes Jahr. Es geht von easy bis ambitioniert. Die „Saure Kartoffelsuppe Mama Novak“ wurde bereits verwirklicht. Das gegrillte Huhn „Wastl-Oma“ wird demnächst in Angriff genommen: Durchblättern führt zum sofortigen Kochentschluss. „Keine Panik“ funktioniert problemlos als vollwertiges Kochbuch. Und das ist der Punkt: Was nur als „Männerkochbuch“ funktioniert, kann nur ein Deppenkochbuch sein. Dann lieber Pizza kommen lassen.
Das Männerkochbuch. Abenteuer Küche. Anne-Katrin Sura, Hädecke Großpetersdorfer Männerkochbuch. Eigenverlag Männer, die kochen, sind unwiderstehlich. Michael Harles & Helene Hillebrand, Coppenrath Das Keine-Panik-Kochbuch für Väter. Tatjana Novak & Gabi Weiss, Christian Brandstätter VerlagFired up. Grillbuch für Männer. Ross Dobson, Hölker.