Die Bank Austria könnte ihr Geschäft mit Privatkunden in Österreich abgeben, es soll Gespräche mit der Bawag geben. Noch sind keine Entscheidungen gefallen, heisst es bei UniCredit. Der mögliche Deal beschäftigt die Finanzwelt.
Die italienische Großbank UniCredit prüfe die Abspaltung fast des gesamten Kundengeschäfts (Retail) der Wiener Tochter Bank Austria – samt anschließendem Verkauf. Auch einen potenziellen Erwerber soll es bereits geben: die Bawag. Wie "Der Standard" Montag Abend berichtete, soll es bereits Gespräche auf höchster Ebene geben, unter Federführung von Unicredit-Finanzchefin Marina Natale auf der einen und den Vertretern des New Yorker Bawag-Eigentümers Cerberus auf der anderen Seite. Dem Vernehmen nach stellen sich die Italiener einen Kaufpreis von rund 800 Millionen Euro vor - ein Preis, den die Amerikaner allerdings nicht stemmen wollen. Ein zusätzliches Problem sollen die 'definitiv gestellten', also unkündbaren Mitarbeiter der BA sein, aus alten Zentralsparkasse-Zeiten", so die Zeitung.
Die Bank-Austria-Mutter UniCredit will vorerst Medienberichte, die über den Verkauf des Privatkunden- und KMU-Geschäft ihrer Österreich-Tochter an die BAWAG spekulieren, nicht kommentieren. Auf APA-Anfrage bestätigte die Bank, dass sie im Zusammenhang mit niedriger Profitabilität laufend Lösungen suche, um die allgemeine Ertragskraft der Gruppe zu steigern. "Bezogen auf die Geschäfte der Bank Austria ist noch keine Entscheidung getroffen und es liegt keine bevorzugte Lösung gegenüber anderer am Tisch", hieß es aus dem Hauptquartier in Mailand.
Laut "Standard" könnte der Bank Austria auch die Veranwortung für das gesamte ost- und zentraleuropäische Bankennetzwerk abhanden kommen, es soll ab April 2016 nach Mailand abwandern. Darüber haben bereits häufig Medien spekuliert. Auslöser ist, dass im März jener Vertrag ausläuft, der der Bank Austria die Oberhoheit über das Osteuropageschäft der UniCredit sichert (Bank der Regionen Vertrag). Offiziell gibt es dazu keine Bestätigung, schreibt der "Standard".
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Der Bank Austria bliebe damit das Geschäft mit vermögenden Privatkunden und Vermögensverwaltung - diese würden aber in deren Schoellerbank übersiedeln, so der "Standard": "Sollte all das wirklich kommen, bliebe von der Bank Austria ein Skelett aus Vermögensverwaltungsgeschäft, diversen Töchtern und allenfalls von der BAWAG nicht übernommenen Mitarbeitern." Für einen beachtlichen Teil alter Pensionslasten hafte die Gemeinde Wien.
UniCredit-Chef Federico Ghizzoni hat für 11. November einen überarbeiteten Geschäftsplans für die Jahre bis 2018 angekündigt. Insider zufolge ist der Abbau von rund 10.000 Stellen geplant. Als Schwerpunkte seien neben dem Heimatmarkt noch Österreich und Deutschland vorgesehen, sagten vor kurzem mehrere mit der Situation vertraute Personen zu Reuters. Der genaue Umfang der Kostensenkungen und des Stellenabbaus werde derzeit diskutiert und könne sich deshalb noch ändern, hiess es damals. Man evaluliere organische und nicht-organische Optionen für ertragsschwache Einheiten, es gebe zur Bank Austria derzeit keine Entscheidung, teilte die UniCredit am Montag mit.
Zum Schluss nur Schoellerbank
Die Gerüchte um die Bank-Austria haben am Dienstag am Finanzplatz Wien für Debatten gesorgt. In Finanzkreisen hält man es sogar für möglich, dass in Österreich letztlich bis auf die Schoellerbank gar nichts mehr von der Bank Austria übrigbleibt.
Sollte das Retail- und das KMU-Geschäft an die Cerberus-Tochter Bawag wandern, dann könnte sich die Mailänder UniCredit dafür entscheiden, ihr österreichisches Großkunden- und Firmengeschäft von ihrer Münchner Tochter HypoVereinsbank (HVB) gestionieren zu lassen, wird argumentiert. Von dort aus wäre das - nicht zuletzt auch wegen der Bankenabgabe in Österreich - nämlich günstiger zu machen. Und dann bliebe womöglich nur die Bank-Austria-Tochter Schoellerbank übrig, zu der Vermögensverwaltung und betuchte Privatkunden wandern könnten.
Wenn das breite Einlagengeschäft als Gegenstück zu den Ausleihungen fehle, wäre ein Abwandern nach München auch aus dem Gesichtspunkt nicht ganz unlogisch, hieß es am Dienstag von anderer Seite. Und wenn - wie offenbar in Mailand angedacht - die derzeit in Wien situierte Ost-Zentrale der UniCredit-Gruppe nach Italien wandere, dann fehle hier in Österreich für eine Rest-Bank-Austria wohl auch die "Story", um etwa Anleihen zur Refinanzierung begeben zu können, wird argumentiert.
"Die Mitbewerber im Retailgeschäft werden sicher versuchen, Kapital daraus zu schlagen", falls die UniCredit ihr gesamtes Privatkundenbusiness in Österreich abgeben sollte. Denn die bisherigen Bank-Austria-Kunden wären wohl nicht alle gewillt, zu einem neuen Eigentümer BAWAG mitzugehen. "Bis zu 20 Prozent könnten dann wegwechseln", wird für möglich gehalten.
Dass die UniCredit erwäge, sich vom Retailgeschäft in Österreich zu trennen, kann man bei konkurrierenden Geldhäusern verstehen: Dieser Bereich der Bank Austria sei ja nie wirklich profitabel gewesen, auch wenn sich Generaldirektor Willibald Cernko sehr bemüht und viel in diese Richtung getan habe: "Aber es gelingt offenbar nicht, das ganze profitabel zu machen."
Kartellexperte: Vertiefte Prüfung möglich
Der Kartellexperte der Arbeiterkammer, Helmut Gahleitner, rechnet bei einem Teilverkauf des Privatkundengeschäfts der Bank Austria an die BAWAG mit einer vertieften Prüfung der Wettbewerbshüter. Die Bank Austria sei deutlicher Marktführer bei Privatkunden in Wien und die BAWAG auf Rang zwei, sagte Gahleitner zur APA. Ein derartiger Deal würde die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) auf den Plan rufen.
Weder Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) noch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) wollten beim Ministerrat am Dienstag die Verkaufsgerüchte zum Bank-Austria-Teilverkauf konkret kommentieren. Welche Entscheidung getroffen werde, sei nicht Sache der Bundesregierung, sondern der Bank, erklärten die Regierungsvertreter.
Ein möglicher Verkauf würde nach Ansicht von Verbraucherschützern für die derzeitigen Bank-Austria-Bankkunden nichts ändern: "Der Girokonto-Vertrag ist ein bestehender Vertrag. Eine erwerbende Bank tritt als Rechtsnachfolge in diesen Vertrag ein und hat ihn genauso einzuhalten wie der bisherige Eigentümer", sagte der Konsumentenschützer Bernd Lausecker vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Ö1-"Mittagsjournal". Dies gelte auch für Kreditverträge. "Der Vertrag wird auch durch einen Verkauf nicht geändert und muss von dem neuen Vertragspartner eingehalten werden", betonte Lausecker. Mit einem Verkauf einen Vertrag auszuhebeln, dies gehe nicht.
Bewegte Geschichte der Bank Austria
Die Ursprünge der "neuen" Bank Austria reichen bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Die Banken-Gruppe ging aus dem Zusammenschluss der traditionsreichen Institute Länderbank, Zentralsparkasse und Kommerzialbank Wien (Z) sowie der Creditanstalt (CA) hervor. Erstmals entstanden ist die "Bank Austria" im Jahre 1991 aus dem Zusammenschluss der Länderbank mit der "Z".
Im Folgenden eine kurze Chronologie der Geschichte der neuen und alten Bank Austria: 1855 wurde mit der Gründung der "k.k. privilegierten Österreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe" - unter der Führung des Hauses Rothschild - der erste Stein in der langen Entstehungsgeschichte gelegt. 1938 wurde die Creditanstalt von der deutschen VIAG und der Deutschen Bank übernommen und firmierte ab diesem Zeitpunkt unter "Creditanstalt Bankverein".
Die Länderbank ihrerseits wurde im Jahr 1880 von dem französischen Geldinstitut Union Generale als "k.k. privilegierte Österreichische Länderbank" gegründet. Im Jahre 1948 erfolgte die Umwandlung der Länderbank zur "Österreichischen Länderbank Aktiengesellschaft".
Die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien ist im Jahr 1907 entstanden. 1979 benannte sie sich zur "Zentralsparkasse und Kommerzialbank Wien" um.
Nach dem Zusammenschluss der Länderbank und der Z und der Gründung der Bank Austria im Jahr 1991 wurde 1997/98 die Creditanstalt übernommen. Anfangs wurde eine Zwei-Marken-Strategie verfolgt. 2001 wurde die Banken-Gruppe von der Münchener HypoVereinsbank (HVB) übernommen und war für Österreich und Zentral-und Osteuropa (CEE) zuständig. 2002 erfolgt der Zusammenschluss zur Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). 2005 wird die italienische UniCredit nach der Übernahme der HVB zum neuen Eigentümer der Bank Austria.
Kurz vor der Wirtschaftskrise 2008/2009 kaufte die Bank Austria noch Banken in Russland, der Ukraine und Kasachstan. Im Jahr 2008 verschwand der Name Creditanstalt aus dem Firmennamen und die Aktie wurde von der Wiener Börse genommen. Trotz der weltweiten Finanzkrise nimmt die Bank Austria im Gegensatz zu anderen österreichischen Banken kein staatliches PS-Kapital bei der Republik Österreich auf.
2013 verkaufte die Bank Austria die defizitären kasachischen ATF Bank wieder an kasachische Investoren. Für das Geschäftsjahr 2013 vermeldete die Bank Austria nach einer 2-Milliarden-Abschreibung bei ihren Osteuropatöchtern einen Rekordverlust von 1,6 Mrd. Euro. Im Jahr 2014 wurde der Verkauf der Bank-Austria-Zentrale in der Wiener Schottengasse an den Investor Ronny Pecik und die Unternehmerfamilie Leiner und Koch fixiert. Seitdem ist die Bank an ihrem Firmensitz in der Inneren Stadt nur noch Mieter. 2018 will die Bank Austria ihre neue Zentrale in Wien-Leopoldstadt mit 6.000 Leuten beziehen.
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