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Gebeutelte OMV wirft Geschäftsteile ab

Pipes are pictured at the ´wind2hydrogen´ pilot plant in Auersthal
OMV(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Die OMV muss nicht nur eine Milliarde abschreiben, sondern sogar das Leitungsgeschäft verkaufen. Für den Asset Swap mit der Gazprom kommt dieser Teil damit nicht mehr infrage.

Wien.Nicht nur das neue Management rührt im österreichischen Mineralölkonzern OMV gehörig um. Auch der anhaltende Ölpreisverfall sowie rückläufige Produktion und Verkauf beuteln das Unternehmen gehörig durch. Eine Milliarde Euro müsse heuer aufgrund dieser Sonderaufwendungen voraussichtlich abgeschrieben werden, teilte die OMV gestern ad hoc mit und schreckte damit die Anleger. Die Aktie verbilligte sich im Tagesverlauf um mehr als 3,5 Prozent.

Die gestern veröffentlichten Handelszahlen sprechen für sich: 292.000 Barrel Öl-Äquivalente pro Tag sind im dritten Quartal gefördert worden – ein Minus von fünf Prozent zum Vorquartal. Der Verkauf ging um sieben Prozent zurück. Vor allem in Rumänien und Norwegen sei das Produktionsvolumen – angeblich wegen Wartungsarbeiten – gesunken.

Am meisten aber macht der OMV – wie anderen Branchenkonzernen auch – der Verfall des Ölpreises zu schaffen. Schon im ersten Halbjahr hatte das Unternehmen einen um 40 Prozent gesunkenen Umsatz und einen um die Hälfte auf 451 Mio. Euro eingebrochenen Betriebserfolg zu vermelden.

Es hat darauf mit einem Sparprogramm reagiert, allerdings nicht vermutet, dass die Durststrecke so lang dauern und ein Fass der Sorte Brent auch im dritten Quartal im Schnitt nur 50,47 Dollar und damit halb so viel wie vor einem Jahr kosten würde. Immerhin senkt der niedrige Ölpreis die Kosten beim Raffineriegeschäft, dessen Referenzmarge von 4,90 Dollar je Fass im dritten Quartal 2014 auf nun 7,84 Dollar stieg.

 

Die Suche nach Geld

Auch wenn sich der Ölpreis nach der aktuellen OMV-Prognose für das Jahr 2016 auf 55 Dollar pro Fass, 2017 auf 70 Dollar und 2018 auf 80 Dollar erholen sollte, sieht sich der Konzern veranlasst, die genannten Sonderaufwendungen abzuschreiben.

Auf der Suche nach Geld geht die OMV aber noch einen Schritt weiter. Sie will bis zu 49 Prozent der Anteile an ihrer 100-Prozent-Tochter Gas Connect Austria (GCA) bis 2016 verkaufen. Das Interesse am 900 Kilometer langen Erdgasleitungsnetz sei groß, teilte die OMV am Montag mit.

Der partielle Verkauf der GCA ist nicht Teil des milliardenschweren Tauschs von Vermögenswerten (Asset Swap), den OMV-Neo-Chef Rainer Seele mit der russischen Gazprom anpeilt. „Die beiden Transaktionen sind unabhängig voneinander zu betrachten“, sagt Unternehmenssprecher Robert Lechner zur „Presse“. Der Deal umfasse auch nicht die Gasspeicher der OMV. Sie bleiben daher noch ein mögliches Tauschobjekt für den Asset Swap.

Zurück zur GCA: Ihr Verkauf steht schon länger zur Diskussion. Nun müsse man die Maßnahme ergreifen, um das Portfolio zu optimieren und den Cashflow sowie die Bilanz des Konzerns zu stärken, begründet der Konzern seinen Schritt. Dabei ist die GCA, so betont die OMV selbst, eine zentrale Drehscheibe im europäischen Erdgasnetzwerk und leistet einen wesentlichen Beitrag für die Erdgasversorgung, und zwar nicht nur in Österreich, sondern auch für Deutschland, Frankreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Wohl ein Grund, weshalb die Interessenten Schlange stehen. Walter Boltz, Vorstand der E-Control, rechnet damit, dass ein Finanzinvestor den Zuschlag erhält. Europaweit gebe es einige Beispiele für den Einstieg solcher Investoren im Netzbereich. „Für sie ist die Beteiligung am Netz eine sehr lukrative Veranlagung mit sehr geringem Risiko. Ihr Interesse, strategischen Einfluss zu nehmen, ist eher gering.“

 

Kommt Finanzinvestor?

Das wäre rein rechtlich auch nicht so leicht möglich. Alle gesetzlichen Verpflichtungen bleiben für den Netzbetreiber auch bei Veränderungen der Eigentumsverhältnisse bestehen. Würde Boltz die Sache anders beurteilen, wenn nicht ein Finanzinvestor, sondern beispielsweise Gazprom die Anteile der Gas Connect kaufte? Boltz: „Das natürlich schon. Das würde wettbewerbsrechtliche Themen aufwerfen, die in Brüssel genau untersucht werden müssten. Einfach wäre das also nicht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2015)