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Rüstung: „Iranische Rakete war atomwaffentauglich“

IRAN DEFENCE MISSILE TEST
(c) APA/EPA/HO (HO)
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Westen greift den Iran wegen Raketentests an. Teheran dementiert: Man habe solche Waffen nicht.

Teheran. Die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben nach dem iranischen Raketentest vom 10. Oktober ein Eingreifen des Sanktionenkomitees des UN-Sicherheitsrats gefordert. Der Start sei eine Verletzung der UN-Sanktionen gegen den Iran, heißt es in dem Schreiben, das am Mittwoch im Komitee eingelangt ist. Die Rakete sei geeignet gewesen, einen Atomsprengkopf zu befördern. Das Komitee müsse entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Tatsächlich verbietet eine Resolution des Sicherheitsrats von 2010 dem Iran Bau und Testschüsse von Boden-Boden-Raketen, falls sie nukleartauglich sind. Der Iran hat allerdings nach dem Test der Rakete vom Modell Emad versichert, dass sie das nicht sei, so wie überhaupt alle ballistischen Raketen im iranischen Arsenal nicht für Kernsprengköpfe ausgelegt seien.

Emad soll eine flüssigkeitsbetriebene Mittelstreckenrakete von etwa 1700Kilometer Reichweite und im Zielanflug lenkbar sein. Wie effektiv die Möglichkeit, die Bahn zu korrigieren und die Präzision zu steigern, sein kann, ist fraglich: Mangels Militärsatelliten hat der Iran keine eigene Satellitennavigation; die Emad-Steuerung gründet vielleicht in GPS, aber das ist ein US-System und kann schnell deaktiviert werden. Möglich wäre eine Funkfernsteuerung, aber das ist kaum praktikabel und störanfällig.

Der Vertrag zur Beendigung des Atomstreits vom Juli sieht ein Ende der Sanktionen vor, was aber erst 2016 passieren dürfte. Der jetzige Disput offenbart Unterschiede, wie der Iran und der Westen das Raketenverbot auslegen: Für den Westen reicht es, wenn die Rakete „grundsätzlich“ atomar geeignet ist, was viel Interpretationsraum öffnet; der Iran sieht nur solche als verboten an, die konkrete Vorrichtungen zur Aufnahme und Zündung von Atombomben aufweisen. (wg/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2015)