Rallye Dakar: "Kein Rückzug – KTM wurde rausgeschmissen"

Rallye Dakar
Rallye Dakar(c) EPA (Patrick Hertzog)
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Motorradlegende Heinz Kinigadner erklärt das überraschende KTM-Aus bei der Dakar-Rallye. Das Werk habe sich nicht zurückgezogen. "Die Regeln wurden so verändert, dass wir nicht mehr mitmachen konnten!“

WIEN/MATTIGHOFEN. Die Rallye Dakar steht für Abenteuer, Wüste, schnelle Autos, Buggys, Motorräder und die Geschichten der Piloten, die sie auf tausenden Kilometern erleben. Auch nach der Übersiedlung der Rallye (2008, wegen Terrordrohungen) von Afrika nach Südamerika behielt der Motorsportklassiker seinen Reiz.

Hinter den Kulissen aber rumorte es. Es begann mit dem Rückzug von Mitsubishi und gipfelt nun im Vorhaben des Veranstalters ASO (organisiert auch die Tour de France), das Reglement für Motorräder zu ändern. Ab sofort sollen nur noch Bikes mit 450ccm zugelassen werden. Für den Touringspezialisten und Hersteller KTM ist das ein Affront. Daher zieht sich das Mattighofener Werk, das seit 1994 bei der Dakar mitfuhr, mit sofortiger Wirkung zurück.

„So geht es nicht, so verliert dieses Rennen jede Sinnhaftigkeit“, ist Motorradlegende Heinz Kinigadner erbost. Das KTM-Urgestein saß selbst siebenmal im Dakar-Sattel und war viermal als Teammanager dabei. Er glaubt, dass sich die ASO an „unserer Dominanz“ stößt. Das Werk habe sich nach der Regeländerung nicht zurückgezogen, stellt Kinigadner richtig, „sondern wurde rausgeschmissen! Die Regeln wurden so verändert, dass wir nicht mehr mitmachen konnten!“

Wer über Dünen, steiniges Terrain und durch Wüsten fährt, brauche ein starkes Transportmittel. Bei Motorrädern bedeute das zirka 600 bis 700 ccm, erklärt Kinigadner. Dass es nun nur noch 450ccm sein sollen, sei ein Witz. „Wer soll denn bitte so ein langes Rennen mit so kleinen Maschinen schaffen? 450 ccm, das gleicht einem Motocross-Radl. Das ist Nonsens.“

Zurück zu den Wurzeln

KTM hatte für seine 50 Dakar-Kunden und das Werksteam bereits Zubehör im Wert von mehr als einer Million Euro gekauft, sagt Kinigadner und lässt seinem Zorn auf den Veranstalter freien Lauf. „Es gab schon länger die ,Bemühungen‘, unsere Vorherrschaft zu brechen.“ Jetzt habe man es geschafft und müsse mit den Folgen leben. Dabei sei es KTM zu verdanken gewesen, dass das Motorradrennen an Prestige gewonnen habe. „Wir hatten der Dakar stets unsere Loyalität bewiesen und auch bei der Übersiedlung geholfen. Auch hielten wir nach Unfällen und Todesfällen stets zum Rennen und seinem Organisator. Aber solche Verhaltensweisen rufen dich halt auf den Plan.“ Ein Zurück gibt es nicht mehr, der Abschied ist endgültig.

KTM will sich jedoch nicht aus dem Rennsport zurückziehen, sondern sucht nach attraktiven Alternativen. Und da hat Kinigadner seine Kontakte spielen lassen. Mit Hubert Auriol, dem ehemaligen Dakar-Veranstalter, wurde bereits für nächste Woche in Barcelona ein Treffen fixiert. Er vermarktet das „African Race“, das der alten Route der Rallye Paris–Dakar folgt und somit für KTM und Kinigadner durchaus einen gewissen Reiz ausstrahlt. „Wir können neu anfangen und kehren dabei gleichzeitig zu unseren Wurzeln zurück.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2009)

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