Österreichs Firmen bleiben in der Slowakei und steigen damit zum zweitgrößten Investor des Landes auf.
Wien (mac). „Die Krise hat die Slowakei auf dem linken Fuß erwischt“, sagt Konstantin Bekos, Österreichs Handelsdelegierter im Land, zur „Presse“. Einen Grund für die schwache Wirtschaftsentwicklung (minus 5,6 Prozent im ersten Quartal im Jahresvergleich) sieht er im russisch-ukrainischen Gaskonflikt. Im Jänner und Februar musste die Slowakei stufenweise die Energieversorgung der großen Automobilwerke abdrehen.
Doch auch als der Strom wieder da war, standen die Bänder oft still. Zu gering war das Interesse an neuen Autos im Westen. Die Exporte der Slowakei brachen in den ersten drei Monaten um 28,7 Prozent ein. In Folge dessen zogen sich viele deutsche Zulieferer aus der Slowakei zurück. Österreichs Firmen blieben überwiegend im Land und konnten Deutschland als zweitgrößten Investor in der Slowakei ablösen.
Trotz der unsicheren ökonomischen Lage rät Bekos heimischen Unternehmen zu weiterem Engagement im Nachbarland. Die massiven Auswirkungen der Gaskrise auf die slowakische Wirtschaft habe etwa das Interesse an erneuerbaren Energien im Land geweckt. Entscheidend für den Erfolg der österreichischen Unternehmen sei, „einen Schritt weiter in den Osten“ zu gehen und nicht nur auf die gut entwickelte Region Bratislava zu sehen, meint Bekos. Im Osten des Landes sei der Aufholbedarf enorm, die Kaufkraft in den Ballungszentren dennoch vergleichsweise stark. Zudem könnten Firmen hier mit deutlich geringeren Lohnkosten rechnen als etwa rund um Bratislava.
Die Hauptprobleme der Slowakei sieht Bekos in der mangelnden Infrastruktur in dieser Region, im völligen Fehlen eines berufsbegleitenden Ausbildungssystems im Land und immer noch in einer tief verwurzelten „Korruption auf allen Ebenen“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2009)