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Ein Algorithmus ist auch nur ein Kochrezept

Sparkling Science. Kärntner Forscher bringen Volksschülern Konzepte der Informatik bei. Mit Modellierung lernen die Kinder auch, die Wirklichkeit vereinfacht darzustellen und Probleme in logischen Schritten zu lösen.

Es war zuerst nicht leicht, Volksschulen als Partner für ein Informatikprojekt zu finden. „Die Kinder sollen bei uns Schreiben und Rechnen lernen“, war eines der vielen Gegenargumente. Doch Barbara Sabitzer vom Institut für Informatikdidaktik der Uni Klagenfurt weiß, wie man Menschen davon überzeugt, dass Kinder nicht früh genug anfangen können, sich für dieses Fach zu begeistern. „Wenn Jugendliche erst mit 14 oder 15 Jahren Informatik in der Schule haben, ist es zu spät: Dann herrscht oft eine ablehnende Haltung gegenüber Informatik und Technik. Doch in Studien und Berufen in diesem Bereich fehlt dringend der Nachwuchs“, sagt Sabitzer.

In dem von ihr geleiteten Sparkling-Science-Projekt „Informatik – Ein Kinderspiel?“, gefördert vom Wissenschaftsministerium, konnte sie sechs Schulen, darunter vier Volksschulen, als Partner gewinnen. „Die Kinder waren sofort begeistert, und auch die Lehrer erkennen, dass Informatik mehr bedeutet als Computernutzung.“ Es geht vielmehr um Kompetenzen, die über dieses Fach vermittelt werden. Laut Lehrplan sollen Kinder in Volksschulen lernen, einen Weg zu beschreiben. „Nichts anderes ist ein Algorithmus“, so Sabitzer. Oder wie es auf der Homepage der Informatik-Werkstatt steht, die ihr Team wöchentlich in Klagenfurt anbietet: „Ein Algorithmus ist eine möglichst genaue Beschreibung eines Ablaufes.“ Somit ist auch jedes Kochrezept ein Algorithmus.

Ein weiteres Ziel im Volksschullehrplan: Kinder sollen Bildergeschichten ordnen. „Auch das Sortieren ist ein Konzept, das in der Informatik wichtig ist.“ Das Forschungsziel der Informatikdidaktiker ist herauszufinden, wie Schüler und Lehrer mit Informatikkonzepten in Volksschulen umgehen und welche Konzepte in welcher Form ab welcher Schulstufe am sinnvollsten sind. Eines der Ergebnisse bisher: „Das Konzept der Modellierung passt perfekt in jedes Fach und fördert Kompetenzen der Allgemeinbildung.“ So lernen die Kinder, die Wirklichkeit vereinfacht in Form von Diagrammen darzustellen, Probleme zu analysieren und in logischen Schritten zu lösen. Das kann auch das Textverständnis der Schüler fördern.

Dies und vieles mehr soll nun auch in Fortbildungen für Lehrer vermittelt werden, um Informatik als spannenden Beitrag in Volksschulen besser zu etablieren. (vers)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2015)