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Im Würgegriff der finanziellen Repression

Nullzinspolitik bringt die Vorsorge um – und nützt nur Schuldenmachern.

Die Pensionskassen, meldet die FMA, haben im zweiten Quartal eine Veranlagungsperformance von minus 1,6 Prozent hingelegt. Zwar nur bezogen auf das Vorquartal, aber doch: So hat man sich Vorsorge immer vorgestellt. Schuld daran war der Rückgang der Aktienkurse im Sommer.

Die Pensionskassen müssen ja, um überhaupt noch Performance zustande zu bringen, immer stärker in riskante Produkte hineingehen. Sichere Staatsanleihen sind ein Nullsummenspiel, und Spareinlagen bringen real Verluste, sind also Geldvernichtung. Vorsorge über einen längeren Zeitraum ist mit diesen Produkten definitiv unmöglich geworden.

Fachleute nennen das „finanzielle Repression“ – und es ist eine sehr effiziente Methode, verschuldeten Staaten Luft zu verschaffen, ohne größere Wellen zu schlagen – wie es etwa bei der ebenfalls schon ins Spiel gebrachten Staatssanierung über eine saftige einmalige Vermögensabgabe der Fall wäre.

Als Hebel der finanziellen Repression fungiert die Nullzinspolitik der Notenbanken, die als Crash-Notbremse durchaus Sinn ergibt, als Dauermaßnahme aber, wie wir immer besser (etwa am Beispiel Japans) sehen, ausschließlich den staatlichen Schuldenmachern dient.

Sie nutzen die Gunst der Stunde aber nicht: Die sukzessive Entlastung des Zinsendienstes für die Staatsschuld wird ja, wie ein Blick auf die fast überall stark gestiegenen Staatsschuldenquoten zeigt, nicht für einen behutsamen Abbau der Staatsverschuldung genutzt, sondern für das genaue Gegenteil: Superniedrige Anleihezinsen machen das Schuldenmachen erst so richtig attraktiv.

Das böse Erwachen kommt, wenn die Zinsen zu steigen beginnen. Es ist also nicht ganz falsch anzunehmen, dass die politisch beeinflussten Notenbanken die Niedrigzinsphase möglichst lang ausdehnen werden.

Für Leute, die ansparen oder vorsorgen wollen, ist das das denkbar negativste Szenario. Außer natürlich, sie können mit den von billigem Zentralbankgeld befeuerten Aktien umgehen. Aber solche „Spekulanten“ bekämpft die hiesige politische Kaste ja auch, wo sie nur kann. Ein Trauerspiel!

Emails an: josef.urschitz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2015)