Königreich Formel 1

Die Formel 1 gilt zwar als die Königsklasse im Motorsport, sie wird aber von den »Kaisern« Bernie Ecclestone und Max Mosley regiert. Das Sparprogramm kommt. Koste es, was es wolle.

Die Formel 1 will sparen. Angesichts der Unsummen, die seit Jahrzehnten in die Königsklasse des Motorsports geflossen sind, ist dieser Wunsch durchaus nachvollziehbar. Dass einige Teams weiterhin vehement dagegen Sturm laufen, sorgt doch für Verwunderung. Denn das als Antwort vorgebrachte Argument, Bernie Ecclestones PS-Zirkus würde durch geringeres Investment schlagartig an Attraktivität und Qualität verlieren, hinkt. Wieso haben acht Neueinsteiger bereits ihre Nennung für die (vorerst) drei freien Plätze der Saison 2010 abgegeben? Konkurrenz belebt doch das Geschäft.

Mit der von FIA-Präsident Max Mosley gestarteten Sparmaßnahme wurde vielen Rennställen der Einstieg in die Formel 1 schmackhaft gemacht. 45Millionen Euro sind leichter aufzutreiben als 250 Millionen, die so manches Team – pro Jahr – für technische Errungenschaften ausgibt. Für Campos, Litespeed, Lola, March, Prodrive, US-F1, Superfund (mit Teamchef Alexander Wurz) und Brabham klingt das Angebot verlockend. Die Herzen der PS-Anhängerschaft dürften aufgrund dieser Namen auch höherschlagen. Je mehr Teams, desto mehr Spannung und Betrieb auf der Rennstrecke. Vielleicht gibt es sogar wieder Überholmanöver?

Aber genau darin dürfte so mancher Gegner des Sparprogramms den größten Schaden orten. Was passiert, wenn wieder ein Neueinsteiger, obendrein mit einem billigeren Rennwagen und einem unbekannten Fahrer, ihm den Rang abläuft? Würde es nicht schnurstracks alle Investitionen ad absurdum führen und in Wahrheit aufzeigen, was die Formel 1 seit vielen Jahren vermissen ließ? Ein ausgeglichenes Feld mit vielen wettbewerbsfähigen Autos? Dem Fan, der für Tickets viel Geld bezahlt, kann es ebenso nur recht sein, genauso wie dem TV-Konsumenten, der auch heuer fast jeden Sonntag gelangweilt das monotone Treiben verfolgen musste.

Noch wird um den Preis gefeilscht, in diesem Bazar aber haben die FIA und Mosley bessere Karten als die rebellierenden Teams. Acht Interessenten stehen ja bereit, jeder Aussteiger könnte sofort ersetzt werden. Deshalb kann es sich Mosley leisten, trotz aller Widerstände der Teams rund um Ferrari an seinem Vorhaben festzuhalten. Am 12.Juni wird er die dreizehn Teams der Saison 2010 bekannt geben und mit seinem treuen Weggefährten Ecclestone die Geschäfte von der Varieté-Loge aus lenken. Es ist die Königsklasse im Motorsport, sie wird aber von Kaisern regiert. Es soll auch schon Kaiser gegeben haben, die auf das Volk geachtet haben. Freilich mit dem Hintergedanken, dass die Schlagzeilen stimmen und die TV-Gelder rollen.

Bernie Ecclestone und Max Mosley stellen seit Jahrzehnten die Autorität im Motorsport dar. Die beiden Briten achten dabei vor allem tunlichst darauf, dass sie die Geschicke im Sinne des Sports und der Finanzen steuern.

markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2009)

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