Kostolany oder buy and hold

(c) AP (Mark Lennihan)
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Warum Buy-and-Hold-Strategien jetzt keine gute Idee sind, und welche Japan-Aktien vom Vorsprung bei neuen Technologien profitieren.

So schlecht können die Konjunkturprognosen gar nicht sein, dass sie die Börsen derzeit bremsen können. Eine für Anleger gefährliche Entwicklung, denn so ziemlich alle Experten sind sich einig, dass das noch nicht der große Aufschwung ist, sondern die Korrektur einer Übertreibung nach unten: Vor Beginn der Bärenmarktrally waren die Kurse vieler Unternehmen schlicht auf Konkursniveau. Jetzt, da man sieht, dass es doch irgendwie weitergeht, normalisieren sie sich eben.

Wie auch immer: Die jüngsten Kursanstiege haben auch wieder viele Kleinanleger in den Markt gelockt, die bisher immer nach der alten Kostolany-Methode (Aktien kaufen, Schlafmittel nehmen und nach ein paar Jahren als reicher Mann aufwachen, „buy and hold“ nennen das die anglophileren unter den Zockern) investiert haben. Und das ist jetzt, da es durchaus noch einmal kräftig nach unten gehen könnte, keine gute Idee.

Eigentlich ist es ohnehin schon lange keine solche mehr, wie ein Blick auf den nebenstehenden DAX-Langfristchart zeigt: Wer die letzten zwölf Jahre brav „buy and hold“ betrieben hat, der steht jetzt ungefähr dort, wo er 1997 angefangen hat. Er hat also null Abgeltung für sein Kursrisiko bekommen. Und so gut wie keine Verzinsung. Dafür muss man nicht Wertpapiere halten, die das Risiko des Totalverlusts in sich bergen.

Wer in dieser Zeit allerdings ein bisschen auf technische Signale geachtet hat, der ist trotz aller Krisen recht schön im Plus. Dazu muss man kein kurzfristiger „Daytrader“ sein. Selbst Primitiv-„Chartismus“ (also etwa kaufen, wenn die Kurse die 50- oder 200-Tage-Linien nach oben durchstoßen, und verkaufen, wenn es in die umgekehrte Richtung geht) hätte schöne Gewinne gebracht. Auch wenn man bei strikter Befolgung dieser Regel (siehe Chart) in bis zu vier der zwölf Jahre überhaupt keine Aktien gehabt hätte.

Es zahlt sich also auch für Langfristinvestoren aus, sich zumindest mit den Grundbegriffen der Chartanalyse vertraut zu machen. Friedrich Strasser etwa, Vorstand bei der Kapitalanlagegesellschaft der Gutmann Bank, weist darauf hin, dass die Verwendung bisher beliebter und viel beachteter Fundamentaldaten wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Dividendenrendite bei der Aktienauswahl in der derzeitigen Krise „völlig sinnlos“ sei.

Auch die bei Langfristinvestoren beliebte Methode, einfach sehr dividendenstarke Papiere zu kaufen, sei „nicht so toll“. Denn demnächst stehen noch drastische Dividendenkürzungen an – und eigentlich kann niemand sagen, wen es wie stark erwischen wird. Da können Trendfolgeindikatoren schon gute Dienste leisten.

Grundsätzlich rät Strasser dazu, US-Aktien überzugewichten und in Europa und Japan leiserzutreten. Allerdings: Im seit Jahrzehnten von Wirtschaftsflaute geschlagenen Japan gibt es einige Perlen, die es sich anzusehen lohnt. Denn die Japaner sind führend in Zukunftstechnologien. Und zwar nicht, wie in Europa, auf Mittelstandbasis, sondern in der Großindustrie.

Japan ist beispielsweise eindeutig führend bei Hybridantrieben für die Autoindustrie und bei Elektroantrieben. Strassers Favorit ist da Kawasaki Heavy Industries(ISIN JP3224200000), die sich vom Schwerindustriekonzern zum Hightechmulti gemausert hat. Mir gefällt dort Mitsubishi Motors(ISIN JP3899800001) außerordentlich: Die haben vorige Woche das erste serientaugliche Elektroauto vorgestellt. Ein Kleinwagen, der mit 160 Kilometer Reichweite und einem Preis von mehr als 30.000 Euro zwar noch kein Massenprodukt werden dürfte, aber den Kurs der Aktie sehr stark gepusht hat. Seit März hat das Papier immerhin um 45 Prozent zugelegt. Und das ist in Tokio, wo nicht gerade die Boombörse steht, eine ganze Menge.

Wo man sonst noch hinschauen könnte: Der Bergbaukonzern Rio Tinto(ISIN GB0007188757) ist in den Höhenflug übergegangen, seit die Australier in der Vorwoche den geplanten Einstieg der Aluminium Corp. of China haben platzen lassen. Da könnte kurzfristig noch einiges drin sein, zumal die Aktie jetzt auch noch eine Kaufempfehlung von UBS bekommen hat.

Deutschland ist momentan zwar nicht das heißeste Anlagepflaster. In der zweiten und dritten Reihe gibt es aber ein paar beachtenswerte Kandidaten. Als Geheimtipp wird das kleine IT-UnternehmenIntegralis (ISINDE0005155030) gehandelt, das nach einem kräftigen Kursanstieg zurzeit bei knapp 4,8 Euro notiert. Experten geben dem Papier ein Potenzial bis sieben oder acht Euro. Sollten derzeit durch den Raum schwirrende Übernahmegerüchte Realität werden, auch deutlich mehr. Allerdings: Das Unternehmen ist klein und der Wert relativ markteng. Man sollte also nicht zu viel davon halten.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2009)

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