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VW: Eintauschprämie statt Reparatur

The Volkswagen AG Plant And Local Economy As Budgets Reined In Following Emissions Scandal
Volkswagen AG(c) Bloomberg (Krisztian Bocsi)
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Der Autobauer überlegt Alternativen zu teuren Nachbesserungen der manipulierten Motoren. Konzernchef Müller kalmiert chinesische Partner.

Wolfsburg. Der neue Volkswagen-Chef, Matthias Müller, hat nicht nur in Deutschland alle Hände voll zu tun, um die Wogen nach der Affäre um manipulierte Dieselabgaswerte zu glätten und die Kunden zu beruhigen. Deshalb begleitet Müller Bundeskanzlerin Angela Merkel auch bei ihrer China-Reise in der kommenden Woche.

In China verkauft VW zwar nur wenige Dieselfahrzeuge, aber die Volksrepublik ist der größte Absatzmarkt. Müller will über den Stand der Ermittlungen informieren und sich mit den Chefs der beiden VW-Gemeinschaftsunternehmen in China treffen und die künftige Strategie erörtern, hieß es in Konzernkreisen.

Volkswagen hat zugegeben, weltweit bis zu elf Millionen Dieselfahrzeuge mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Abgasemissionen bei Tests manipulierte. Der Rückruf dieser Fahrzeuge würde 6,5 Mrd. Euro kosten, weshalb über Alternativen nachgedacht wird. Eine davon: Eintauschprämien für betroffene Dieselfahrzeuge statt Reparatur. Händler könnten den betroffenen Wagen in Zahlung nehmen und Anreize für einen Neukauf anbieten, hieß es in Konzernkreisen. Das würde sich vor allem bei Motoren mit 1,6 Liter Hubraum lohnen, weil bei diesen nicht ein einfacher Software-Update ausreicht, sondern aufwendige Nachbesserungen nötig sind.

 

Toyota hat die Nase vorn

VW lotet alle Möglichkeiten aus, um als Folge des Abgasskandals die Kosten zu senken. So wolle man bei der nächsten Generation des Kassenschlagers Golf möglichst viele aktuelle Bauteile erneut verwenden und dadurch hunderte Millionen Euro sparen, berichtete das „Manager Magazin“. Berichte, dass es im kommenden Jahr auch keine Beförderungen geben soll, wurden von Betriebsratschef Bernd Osterloh umgehend zurückgewiesen. Er erwarte zuerst eine klare Aussage des Konzernvorstands zu seinen Boni-Zahlungen.

Wie stark Volkswagen unter dem Abgasskandal leidet, werden auch die Quartalszahlen noch nicht zeigen, die am Mittwoch veröffentlicht werden. Eines steht aber schon fest: Der japanische Rivale Toyota hat VW beim Absatz wieder überholt. Die Japaner verkauften in den ersten neun Monaten dieses Jahres knapp 7,5 Millionen Fahrzeuge, gab Toyota am Montag bekannt.

Damit ist der Konzern mit seinen Marken Toyota, Daihatsu und Hino wieder der Autobauer mit dem weltweit höchsten Absatz, auch wenn dieser gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent gefallen ist. VW hat zuletzt für den gleichen Zeitraum einen Absatzrückgang um 1,5 Prozent auf 7,43 Millionen Stück gemeldet. Im ersten Halbjahr hatte Volkswagen noch mehr Fahrzeuge verkauft als die Japaner.

Aber diese mussten in der vergangenen Woche erneut massenweise Autos in die Werkstätten zurückrufen. Betroffen sind Angaben von Toyota zufolge weltweit 6,5 Millionen Fahrzeuge. Ursache sei ein Defekt bei einem Modul für elektrische Fensterheber. (eid/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2015)