MAK: Happy Pepi sucht das Glück

(c) MAK/Aslan Kudrnofsky
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Stefan Sagmeister, Grafikdesign-Star, macht mit "The Happy Show" in Wien Station. Ein Erlebnis-Parcours gewordener Lebensratgeber, sehr professionell, sehr vorhersehbar.

Da sitzt er, unser aller österreichischer Grafikdesign-Guru, und radelt für die versammelte Journalistenmeute. In weißen Sneakers auf einem weißen Hometrainer, der mit einer interaktiven Leuchtschrift auf der Wand gegenüber verbunden ist. Je länger man hier strample, desto besser könne man die Schrift dann lesen, erklärt Stefan Sagmeister. Nacheinander erscheint der Kalenderspruch des Tages, in etwa: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Tapfer wird gelächelt, auf Englisch klingt das immerhin um einiges cooler: „Actually doing the things I set out to do increases my overall level of satisfaction.“

Na bestens. Draufsetzen also und losradeln, den Geist so trainieren wie den Körper, kein Alk, keine Drogen, nicht allzu viel leidenschaftlicher Sex und schön dem Nächsten helfen, dann wird statistisch gesehen alles gut. Willkommen in Sagmeisters „Happy Show“, dieser Graphic-Design-Entertainment-Wonder-Wander-Revue, die nach Stationen in den USA und in Paris jetzt auch in der Heimat unseres Rolling-Stones-CD-Cover-geadelten New-York-Exports angekommen ist. Im MAK. Noch Fragen? Welcher Sekte ist er bitte beigetreten? Welche Pillen hat er eingeworfen? In Wien eine „Show“ übers Glücklichsein veranstalten? Wie irr ist das denn? Sehr. Aber immerhin ist es höchst unterhaltsam und professionell gestaltet, nämlich mit allen Tricks der Unterhaltungsindustrie, es ist ein Erlebnis-Parcours gewordener Lebensratgeber mit Werbespot-artigen Filmchen, Mitmachstationen, Aha-Effekten und lustig aufbereiteten Statistiken.

Empfangen wird man gleich einmal von zwei aufgeblasenen Monsteräffchen, die in die MAK-Säulenhalle wie Godzillas schlimme Buben eingebrochen zu sein scheinen. Sie halten uns (zweideutige) Schilder vor die Nase: „Everybody always thinks“, meint der eine, „They are right“, der andere. Nachdenken an sich ist also super. Vor allem darüber, dass man immer denkt, nur man selbst denke ausschließlich das Richtige, gell?

Diese Ausstellung macht nicht glücklich. Hier in der Säulenhalle wird man ins System „Happy-Show“ eingeführt. Alle Anweisungen, Erklärungen, Belehrungen scheint Sagmeister himself per Hand spontan auf Wände und Tafeln geschrieben zu haben, inklusive ausgebesserter Fehler, der Sympathie-Faktor steigt ins nahezu Unermessliche. Dabei geht er in diesen Einträgen noch dazu gern von Biografischem aus, etwa: Es falle auch ihm selbst schwer, auf Leute zuzugehen. Seine Mutter, die in einem Geschäft in Bregenz gearbeitet hat, habe das immer gemacht. Richtig so, es mache zufriedener. Der Besuch der Ausstellung selbst aber, schreibt Sagmeister, werde niemanden zufriedener machen, keine schlaflosen Nächte lindern, keine Tränen trocknen, ganz tief wird hier gestapelt. Denn: Niedrige Erwartungen seien schließlich das Beste, um glücklich zu werden!

Hier kann jetzt jeder einen Zettel ziehen, der eine kleine Handlungsanweisung enthält – etwa: „Denke an einen Menschen, bei dem Du Dich entschuldigen solltest, und tue es.“ Also: Entschuldigung, Stefan Sagmeister. Aber wenn das Glücklichsein so easy wäre, wie man hier meinen könnte – dann will man es vielleicht gar nicht sein. Und happy schon gar nicht. Das Konzept und die Finten sind einfach zu vorhersehbar: Keep it short and simple and personal. Und einen Kaugummi zieh Dir auch noch, aus zehn „Zapfsäulen“, je nach Grad des Glücks: Drückt man sich bei der ersten Säule einen herunter, ist man ziemlich fertig. Bei Säule acht hätte man das Niveau von Sagmeisters durchschnittlichem Glückszustand erreicht, wie er angibt. Bei Nummer neun das von Kulturminister Josef Ostermeier, wie in einer Fußnote woanders zu entdecken ist. Da kriegt man direkt Angst. Wohin man sich da wenden soll?

Guter Tipp, aus einer der vielen hier ausgeschlachteten Statistiken: in die Kirche. Gottesdienstbesuche machen wahnsinnig glücklich laut Befragungen (in den USA). Gefolgt von arbeiten, Sex haben, Zeitung lesen (danke). Anderer Tipp: Werfen Sie Geld in den dafür vorgesehenen Schlitz auf der Balustrade, die Münze rattert wie auf einer Kugelbahn lustig in die Säulenhalle hinunter. Lehnen Sie sich jetzt nur nicht vor, um zu sehen, wo das Geld landet (in einer Selbstentnahme-Box). Sonst ist das Glück ein Vogerl. Gehen sie lieber in den Keller lachen, auf die dortige Toilette – und, ja, wenn man sich überwindet, Dinge zu tun, die man immer schon tun wollte, aber nie wagte, dann steigert das das Glück enorm: Gehen Sie als Dame unbedingt aufs Herrenklo! Dort hat Sagmeister in Spiegelschrift an die Wand geschrieben, was wir Äffchen ja von Beginn an wussten: „Ich habe den Eindruck, dass die Leute in Wien dem Glück mit Skepsis begegnen. Sie denken, wer sich dafür interessiert, muss oberflächlich sein.“ Genau.

Stefan Sagmeister: The Happy Show, bis 28. März.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2015)

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