Im Laufschritt vorbei an Geisterbahnen und Gräbern

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Manche zeigten Verständnis: „Da ich den Laufstreckenverdruss kenne, sende ich eine Empfehlung meinerseits . . .“ Andere nicht:

„Also, ich laufe schon seit 20 Jahren rund um die Alte Donau. Es ist mir dabei noch nie fad geworden.“ Meinen Aufruf, mir bei der Suche nach einer neuen Lieblingslaufstrecke in Wien zu helfen und damit für Abwechslung zu sorgen, konnten zwar nicht alle Leser nachvollziehen, geholfen haben sie mir aber trotzdem. So wurden mir in zahlreichen E-Mails „unbezahlbare Traumstrecken“ und „idyllische Runden“ versprochen. Nicht, dass ich den Tipps nicht vertraue, ich werde mich dennoch selbst von den Routen überzeugen. Doch von welcher zuerst?

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„Wie wärs mit der Lobau?“, fragt mich ein selbsternannter Altläufer und listet die vielen Vorteile auf: Es sei total eben, halb Wald, halb Felder, und manchmal begegne man sogar Rehen. Klingt sehr gut. Doch die Konkurrenz ist groß. Denn auch das Kahlenbergdörfel hat seine Fürsprecher. Der einzige Nachteil, das mühsame Bergauflaufen, werde durch den Blick über die Dächer Wiens entschädigt. Ein verlockendes Versprechen. Doch landschaftlich schöne Routen garantierte man mir ebenso anderenorts – in Neuwaldegg, dem Lainzer Tiergarten und dem Wienerwald. Es kamen auch ungewöhnlichere Vorschläge: „Auch ganz interessant bzw. lustig“ soll es, wie ein Leser verspricht, frühmorgens im Wurstelprater, vorbei an Hochschau- und Geisterbahnen, sein. Noch ein spezieller Lesertipp : der Zentralfriedhof. Im Sommer sei es „schön schattig“ und in Richtung Tor 11 gebe es „eine Menge Ungewöhnliches“ zu sehen.Meine erste Teststrecke sollte dann doch lieber gewöhnlicher sein. Die Entscheidung fiel auf die viel gelobte Untere Alte Donau. Zu Recht. Denn die Laufrunde (Start in der Arminenstraße) ist gut erreichbar (auch mit der U-Bahn), ruhig, eben, wunderschön und beleuchtet. Hier werde ich noch öfter anzutreffen sein. Nur nicht an diesem Wochenende. Aus gegebenem Feiertagsanlass sollte ich da wohl auf dem Zentralfriedhof meine Runde drehen.

E-Mails an: julia.neuhauser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2015)

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