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Malen, womit man malt – aber wer will das sehen?

(C) Kandl
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Für ihre neuen Bilder recherchierte Kandl, woher Malereimaterialien kommen. Leider ohne Würze.

Das Leben ist einfach zu kurz für langweilige Kunst. So ist man bass erstaunt, wenn man gerade auf die neuen Bilder von Johanna Kandl im Essl-Museum trifft. Kennt man sie schließlich als zum Teil virtuose Nutzerin der Text-Bild-Schere, bekannt dafür, Szenen gesellschaftlicher Randsituationen mit konterkarierenden neokapitalistischen oder lapidaren wirtschaftskritischen Zitaten zu beschriften. Das Ganze in heller, nüchtern wirkender Eitempera-Malerei. Hatte immer Humor, etwas Filmisches, Momenthaftes: „Das Ende des Kapitalismus begann geräuschlos“, war da in einer völlig harmlosen Baggerseeszenerie zu lesen, „fast unmerkbar“. Oder: Die Wagen eines Campingplatzes wurden mit neuen Besitzernamen beschriftet. Jetzt mussten sich Donald Trump, Paris Hilton und Heidi Horten Plastikgeschirr und Gemeinschaftsdusche teilen.

Das Bild hängt jetzt auch im großen Ausstellungssaal der Essls, man will schließlich zeigen, was man alles von Kandl hat, die zwischen 2005 und 2013 Malerei an der Angewandten unterrichtet hat. Und die Essls haben viel, Kandl selbst erzählt die Geschichte dieser Kollektion als Beitext zu einem ihrer Schlüsselwerke, dem riesigen Logo des „Fritzelacks“, eines mit dem Farbeimer gerade hingeknallten Lehrbubs, was dazumal in Wien sprichwörtlich wurde: „Einen Fritzelack reißen“ hieß es für arge Stürze.

Einen solchen hat die Floridsdorfer Farbhandlung von Kandls Eltern schließlich auch hingelegt, woran die Tochter die Baumärkte mitschuldig sah. Kandl musste umdisponieren, schreibt sie in ihrem Text, und verkaufte nun eben verarbeitete Farbe, sprich Malerei, und das recht erfolgreich: „Success is how high you can bounce when you hit the bottom“, schrieb sie dem Fritzelack-Logo ein. Dementsprechend skeptisch, notiert Kandl, begegnete sie anfänglich dem Interesse der Essls an ihrer Arbeit. Doch das Angebot war zu verlockend, sie kauften gleich ein Dutzend Bilder. Und Kandl kaufte erstmals in ihrem Leben eine Holzplatte in einem Baumarkt. Das war vor über zehn Jahren.

 

Den Grundmalmitteln auf den Grund

Die Geschichte und die Bilder dazu sind immer noch gut, haben Witz, Stil, Inhalt. Auch die anderen Abenteuer der Kandls (sie arbeitet immer wieder mit Mann Helmut zusammen), ihre Recherchereisen in unterschiedlicher Mission (etwa alle Marien-Wallfahrtsorte besuchen) waren zwar erhellend, dabei aber immer auch etwas bizarr. Das jüngste Unterfangen, dem diese Ausstellung gewidmet ist, kommt vergleichsweise angestrengt herüber. Kandl begibt sich auf die Spur der Grundmalmittel: Woher kommen Terpentin, Mastix, Gummiarabikum, wie werden sie angebaut, wie sehen sie aus etc.? Auf Bildern sieht man dann Terpentinflecken, die Föhrenstämme, die der Pecher angeschlagen hat und die brav erklärende Retrobildinschrift aus alten Lexika. Eh alles sehr interessant. Aber künstlerisch recht karg. Das Anschauungsmaterial finden Sie auf dem Infotisch! Bitte wieder goscherter werden. Mehr Fritzelacke-Fritz als Meisterin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2015)