Mogherini warnt vor "Zerfall Europas"

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Durch nationale statt gemeinsame Antworten werde sich "die Krise verschlimmern", sagt die EU-Außenbeauftragte.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hat vor einem "Zerfall" Europas gewarnt, sollte keine gemeinsame Antwort auf die Flüchtlingskrise gefunden werden. Sollten sich die Europäer mit nationalen Antworten auf ein europäisches Phänomen zufriedengeben, "wird sich die Krise verschlimmern", sagte Mogherini der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore" vom Donnerstag.

Falls keine angemessenen Wege im Umgang mit der Flüchtlingskrise gefunden würden, werde es "Kettenreaktionen in der öffentlichen Meinung und der nationalen Regierungen" geben, warnte Mogherini.

Fast wortgleich wie Mogherini hat auch der Präsident der Schriftstellvereinigung Pen Deutschland, Josef Haslinger, vor dem Zebrechen Europas an der Flüchtlingskrise gewarnt. "Wir sind Augenzeugen des Zerfalls von Europa", sagte der österreichische Autor am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur.

Europa gehöre weitestgehend der Vergangenheit an. Es sei der Traum einer "Schönwetterperiode" gewesen, sagte Haslinger. Jetzt, wo es ernst werde, seien Verträge und humanitäre Proklamationen "und all das, auf das Europa so stolz war", Vergangenheit und würden nicht mehr gelten. Die nationalen Egoismen seien nie abgestorben.

Deutschland werde von vielen anderen Ländern im Stich gelassen, monierte Haslinger. "Wenn es tatsächlich zu keiner gemeinsamen Lösung kommt, dann wird Deutschland tatsächlich in eine enorme Krise hineingetrieben werden." Er habe den Verdacht, dass sich einige Länder dann ins Fäustchen lachen würden.

"Zäune haben keinen Platz in Europa"

Zuletzt hatte Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) erklärt, ihr Land wolle die Grenze zu Slowenien mit einem Zaun sichern, um den Andrang von Flüchtlingen zu ordnen. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) versicherte in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker allerdings, dass "Zäune keinen Platz in Europa haben".

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(APA/AFP)

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