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"Krone"-Chefredakteur Biró soll im November wieder zurückkehren

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Symbolbild ''Kronen Zeitung''(c) APA (HARALD SCHNEIDER)
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Nach seinem umstrittenen Flüchtlingskommentar setzt der Chefredakteur der Steiermark-"Krone" "für einige Zeit" aus. Spätestens Mitte November soll er wieder in der Redaktion sein.

Seinen Flüchtlingskommentar der Steiermark-Ausgabe der "Kronen Zeitung" bezeichnete er als "Fehler", auch der "Presse"-Faktencheck zeigte: Christoph Birós Vorwürfe zur Flüchtlingssituation stimmen in dieser Form nicht. Am Dienstagabend hatte der Chefredakteur der Steiermark-"Krone" nach heftiger Kritik in der Öffentlichkeit und zahlreichen Beschwerden beim Österreichischen Presserat bekannt gegeben, er werde sich "aus eigenen Stücken für einige Zeit aus der Redaktion zurückziehen". Spätestens Mitte November soll Birós Pause wieder zu Ende sein, schreibt die "Kleine Zeitung". Offiziell ist Biró, seit 2008 als Nachfolger von Markus Ruthardt Chefredakteur "Krone" Steiermark, im Urlaub. Ob der Artikel personelle Konsequenzen haben wird, dazu gibt die "Kronen Zeitung" auch gegenüber der "Presse" keine Stellungnahme ab.

Pause auf Druck von Dichand

Bis Donnerstagmittag sind 53 Beschwerden gegen Birós Kommentar beim Presserat eingegangen. Biró hatte nach einem umstrittenen Kommentar über Flüchtlinge "aus eigenen Stücken" und "für einige Zeit" seinen Rückzug angekündigt. Nach APA-Informationen soll diese Entscheidung aber nicht ganz freiwillig gefallen, sondern auch auf Drängen von "Krone"-Herausgeber und -Chefredakteur Christoph Dichand und seinem neuen geschäftsführenden Chefredakteur Klaus Herrmann zustande gekommen sein.

Der Journalist selbst hatte sich am Dienstag für seinen Artikel, in dem er von angeblichen Übergriffen und Sachbeschädigungen durch Flüchtlinge schrieb, entschuldigt. "Ich bin seit 39 Jahren Journalist. Ich habe gelernt, Fakten von Indizien zu unterscheiden und Beweise zu würdigen. Hintergrundinformationen zu bekommen zählt zum Handwerk. In meiner Kolumne vom Sonntag habe ich aber das Augenmaß verloren", schrieb er in einer Stellungnahme. "Natürlich gibt es auch unter den Flüchtlingen schwarze Schafe und böse Vorfälle. Auch ich persönlich habe diesbezüglich eine Enttäuschung erlebt, nachdem meine Frau und ich in unserem Urlaub Syrern Deutschunterricht gegeben haben. Diese Enttäuschung hat wohl mitgespielt, dass ich die Zustände so überzeichnet habe. Das war ein Fehler, wie er mir in 39 Jahren noch nicht passiert ist. Fehler passieren? Ja, aber dieser ist besonders bedauerlich. Man muss bei diesem Thema ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl haben. Und das habe ich vermissen lassen."

Laut "Kronen Zeitung" sei der Kommentar Birós "Ausfluss der Beurteilung der aktuellen Lage rund um die Flüchtlingssituation am Grenzübergang Spielfeld bzw. die Flüchtlingslager in der Steiermark". Diese Situation mache vielen Menschen Sorgen. "Sorgen, die die 'Kronen Zeitung' auch sehr ernst nimmt." Man informiere wie andere Medien ausführlich über die Zustände und Missstände in der Flüchtlingsfrage und spare dabei auch nicht mit notwendiger Kritik. Zugleich distanziert sich die Tageszeitung vom Steiermark-Chefredakteur: "In seinem Kommentar hat Christoph Biró in überspitzter Form Missstände angeprangert, sich dabei aus persönlichen Erlebnissen zu vermeintlichen Tatsachenfeststellungen und Schlussfolgerungen hinreißen lassen, die nicht restlos überprüfbar sind."

"Da macht jeder, was er will"

Für Medienexperten und Branchenkenner ist die Causa Biró ein besonders markantes Beispiel für den Schlingerkurs der "Kronen Zeitung" seit dem Tod ihres legendären Gründers und Herausgebers Hans Dichand. Früher war die Meinung Dichands oberste Maxime. Heute herrscht oft chaotische Vielfalt, und der Tanker "Krone" treibt inhaltlich-schlingernd vor sich hin. "Da macht jeder, was er will", fasste es ein "Krone"-Mitarbeiter gegenüber der APA zusammen.

Ein Befund, den auch der Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell teilt. Er berichtet von "innerredaktionellen Auseinandersetzungen" bei Österreichs größter Tageszeitung. "Die 'Krone' driftet seit einiger Zeit zwischen der alten Garde, die einen strikten Kampagnenkurs fährt und auf altbekannte Ressentiments setzt, um so den vermeintlichen Anforderungen der Leserschaft zu gefallen, und einer jüngeren Generation von 'Krone'-Journalisten, die der Ansicht ist, man kann verknappten und zugespitzten Boulevardjournalismus auch ordentlich und ohne Ressentiments machen." Dementsprechend sehe die Zeitung "jeden Tag ein bisschen anders aus", so Hausjell.

Ähnlich sieht dies "profil"-Herausgeber Christian Rainer, der in der Vergangenheit selbst als möglicher "Krone"-Chefredakteur im Gespräch war. "Die 'Krone' hat keine klar erkennbare Linie mehr. Das gilt auch in der Frage der Flüchtlinge. Und nicht nur die Redaktion ist in sich gespalten, sondern offenbar auch einzelne Personen", meinte Rainer im Hinblick auf das Fehlereingeständnis Birós. "So falsch der Kommentar Birós war, so groß ist meine Hochachtung vor der Entscheidung, sich für einige Zeit aus dem Spiel zu nehmen."

Boulevard-Kenner Wolfgang Ainetter, er war "Heute"-Chefredakteur und arbeitete für die deutsche "Bild"-Zeitung, ortet die "Krone" ebenfalls auf Schlingerkurs. "Friedrich Dragon war der letzte große Blattmacher. Seit er gehen musste, konnte niemand die Lücke füllen, die er hinterlassen hat. Dichand hatte das Gespür, Dragon war der Blattmacher", so Ainetter.

Bei Balkan-Krieg noch "einhelliges negatives Bild über Flüchtlinge"

Eine Entwicklung, die nach Meinung Rainers aber auch positive Seiten hat: "Man muss dankbar sein, dass es keine klare Linie gibt. Die wäre sonst nämlich wesentlich härter." Darauf weist auch Medienwissenschafter Hausjell hin. Bei der Flüchtlingswelle rund um den Balkan-Krieg Anfang der 1990er-Jahre gab es in der "Krone" ein "einhelliges negatives Bild über Flüchtlinge", erinnert der Medienforscher. Als in Deutschland erste Flüchtlingsheime brannten, bezeichnete "Krone"-Publizist Humbert Fink Rassenhass als quasi-bürgerliche Tugend und Richard "Staberl" Nimmerrichter oder Michael Jeannée lieferten ein ständiges Grundrauschen zum Anti-Ausländerkurs des Blattes.

"Heute berichtet die 'Krone' viel differenzierter in der Flüchtlingsfrage. Wenn die 'Krone' jetzt aber wieder stärker in diese Lade greift, dann besteht die Gefahr, dass diese alte Stereotypisierung bei den Lesern wieder abgerufen wird", sagte Hausjell. Birós Kommentar habe diesem alten Stil der "Kronen Zeitung" entsprochen. "Dieser alte Stil war zwar mit Erfolg verbunden, aber man merkt jetzt auch in der 'Krone', dass dieser Erfolg nicht mehr so gesichert ist. Das hat weniger mit der Leserschaft, als mit der Wettbewerbssituation, den Gratiszeitungen und den neuen digitalen Angeboten zu tun. Es ist jedenfalls das erste Mal, dass in der 'Krone' jemand für so eine Berichterstattung Konsequenzen ziehen musste." Für den Kommunikationswissenschafter liegt das auch daran, dass die Redaktion seit dem Tod Hans Dichands "innerlich demokratischer geworden" ist.

>> Bericht in der "Kleinen Zeitung"

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(Red./APA)