Schnellauswahl

Rockkonzert in Rumänien als Feuerfalle: Schon 32 Tote

151031 BUCHAREST Oct 31 2015 Firemen gather at the nightclub which caught fire in Buchare
Bukarest: Brand in einer Disco(c) imago/Xinhua (imago stock&people)

Der Brand in einer Bukarester Disco entsetzt ganzes Land. Suche nach Verantwortlichen eröffnet.

Bukarest. Vor dem ausgebrannten Club Colektiv glomm am Sonntag in Rumäniens Hauptstadt ein Kerzenmeer. Ihre Fassungslosigkeit konnten die Angehörigen der 32 Toten des Brandunglücks kaum verbergen. Weinend oder sich umarmend legten Eltern, Freunde und Passanten im Hinterhof in der Strada Tabacarilor mitten in Bukarest Blumen nieder. Tausende unterschrieben auf Kondolenz-Sites im Internet. „Es war die Hölle, ein Albtraum“, sagt eine Krankenschwester, „selbst die Ärzte fühlten sich machtlos im Angesicht des Todes.“

Mit dem Lied „Der Tag, an dem wir sterben“ hatte die Metal-Band Goodbye to Gravity in der Nacht auf Samstag ihr Konzert eröffnet. In dem überfüllten Lokal ging es wild zu, als gegen 22.30 Uhr ein Bühnenfeuerwerk einen mit Schallschutzschaum gepolsterten Pfeiler entzündete. „Hat jemand einen Feuerlöscher?“, rief Sänger Andrei Galut (31), ein in Rumänien bekannter Musiker. Ein Wächter wollte den sich über Decke und Wände ausweitenden Brand noch löschen, doch Sekunden später war der 420 Quadratmeter große Raum mit bis zu 400 Menschen darin voll Feuer.

 

Auch Musiker getötet

Die bis Sonntag 29 Todesopfer, darunter die beiden Gitarristen, erstickten, wurden totgetrampelt oder erlagen Verbrennungen. 147 Menschen samt der drei übrigen Musiker sind schwer verletzt in Spitälern, die Zahl der Toten dürfte steigen. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Die Wirte hatten wegen Personalproblemen jüngst eine Strafe kassiert. Premier Victor Ponta brach seinen Mexiko-Besuch ab. Es sei unglaublich, wie viele simple Regeln verletzt worden seien, so Präsident Klaus Johannis. Warum das Lokal, so wie viele andere, trotz Mängeln beim Brandschutz eine Betriebserlaubnis hatte, ist unklar. Von Korruption ist die Rede. (ros)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2015)