Meinl European Land: Streit um Rückkäufe eskaliert

Für Verwirrung sorgt ein typisches Gutachterdilemma. Meinl will auf alle Fälle Ausschüttungen an MAI- und MIP-Anleger stoppen lassen.

wien (ju). Die für Anleger ziemlich spannende Frage, ob die frühere Meinl European Land (MEL, jetzt Atrium) durch nicht gemeldete Rückkäufe eigener Aktienzertifikate Jersey-Recht gebrochen hat, sorgt weiter für Wellen: Wie berichtet hatte der Treuhänder „Citicorp. Trustees“ der Atrium in einem Schreiben in der vergangenen Woche vorgeworfen, durch die vorerst nicht gemeldeten Rückkäufe zwei Punkte im Vertragswerk einer MEL-Anleihe aus dem Jahr 2006 verletzt zu haben. Dies würde den Anleihegläubigern die Möglichkeit geben, ihr Geld sofort zurückzufordern.

Die Meinl Bank reagiert mit der Feststellung, es sei „im Markt bekannt“, dass hinter den Vorwürfen eine vom Hedgefonds Elliott – der eine aktive Rolle beim „Aktionärsputsch“ bei den Meinl-Gesellschaften Airports International und International Power gespielt hatte – geführte Gruppe stehe. Diese habe Teile der MEL-Anleihe billig am Sekundärmarkt erworben und wolle nun Kasse machen, indem sie die Anleihe zu hundert Prozent fälligstelle.

Gutachterdilemma

Für Verwirrung sorgt ein typisches Gutachterdilemma: Die Meinl Bank hat beim „Queens Counsil“ in London die Rechtsmeinung einholen lassen, nicht gemeldete Zertifikatsrückkäufe seien (weil es sich streng genommen nicht um Aktien handle) kein Verstoß gegen Jersey-Recht.

Die im Auftrag der Anleihegläubiger tätige Citicorp meint dagegen, der nicht vorab genehmigte Rückkauf verstoße gegen die Anleihebedingungen und damit gegen Jersey-Recht.

Meinl will jedenfalls die beschlossenen Ausschüttungen bei Airports International und International Power stoppen lassen. Mit dem Abbruch dieser Verhandlungen am vergangenen Freitag hat der Citicorp-Brief freilich nichts zu tun: Der lag offenbar schon Mitte voriger Woche vor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.