Arcandor: Quelle/Karstadt-Mutter geht in Insolvenz

Arcandor stellt Insolvenzantrag
(c) AP (Frank Augstein)

Der deutsche Handelskonzern bessert seinen Antrag auf einen staatlichen Notkredit nicht nach. Indes ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick.

Der deutsche Handels- und Tourimuskonzern Arcandor AG hat beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Betroffen sind die Kaufhaustocher Karstadt Warenhaus GmbH, die Versandhandelstochter Primondo GmbH und der Katalogversender Quelle GmbH. Nicht betroffen sind hingegen die in Großbritannien ansässige Touristiktochter Thomas Cook sowie der Homeshopping-Sender HSE24.

Damit hat Arcandor die Frist für die Nachbesserung an seinem Sanierungskonzept verstreichen lassen. Die deutsche Bundesregierung hatte dem Handelskonzern am Montag nochmals etwas Zeit eingeräumt, den Antrag auf Staatshilfe nachzubessern.

Merkel: "Chance für die Mitarbeiter"

Der Geschäftsbetrieb bleibt bis auf weiteres in vollem Umfang aufrecht. Für Kunden gibt es daher vorerst keine unmittelbaren Folgen. Auch die Gehaltszahlungen der Mitarbeiter sind bis August gesichert. Auf dem Spiel stehen insgesamt die Jobs von 43.000 Mitarbeitern. Der Kampf um Standorte und Arbeitsplätze wird auch nach dem Insolvenzantrag weitergeführt.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Insolvenzantrag von Arcandor als Chance für die Mitarbeiter bezeichnet. Das Unternehmen könne nun den Beschäftigten etwa im Zusammengehen mit Metro neue Möglichkeiten eröffnen, sagte die Kanzlerin am Dienstag in Berlin. Die Politik werde dies, soweit sie es könne, begleiten.

Metro teilte am frühen Nachmittag mit, man habe "großes Interesse schnell mit Karstadt zu einer Lösung zu kommen". Rund 60 der 90 Karstadt-Standorte sollen demnach erhalten werden.

Gründe für das Scheitern

Vor allem zwei Gründe dürften zum Scheitern einer Arcandor-Rettung geführt haben. Einerseits wurde die von der Regierung geforderte verstärkte Beteiligung der Eigentümer an einem Sanierungskonzept nicht erfüllt. Eine in Aussicht gestellte Kapitalerhöhung von 150 Millionen Euro Ende des Jahres war nicht ausreichend. Andererseits gab sich die Regierung mit dem Angebot der Gläubigerbanken nicht zufrieden. Diese wollten auslaufende Kreditlinien um sechs Monate verlängern. Das hätte systemische Probleme aber nur in die Zukunft verschoben, hieß es "Spiegel Online" zufolge.

Ermittlungen gegen Arcandor-Chef

Indes hat die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen gegen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick eingeleitet. Der Vorwurf laute Insolvenzverschleppung, sagte Oberstaatsanwältin Angelika Matthiesen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Grundlage sei die Strafanzeige eines Privatmannes. Dieser stütze seinen Vorwurf auf Zeitungsberichte.

An der Börse dreht die Arcandor-Aktie ins Minus und notierte bis zu 30 Prozent tiefer bei 76 Cent. Sie wurde später vom Handel ausgesetzt.

(Ag./Red.)

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