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Frustriert: Francesca Habsburg will Sammlung abziehen

Francesca Habsburg
(c) Teresa Zoetl
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Es gibt bereits Gespräche mit der Zürcher Stadtregierung: Habsburg überlegt, ihre bisher in Wien ansässige TBA-21-Kunststiftung 2017 in die Schweiz zu übersiedeln. Grund sind Verstimmungen mit dem „statischen Wien“.

Die Bestrafung einer gesamten Stadt bzw. ihrer angeblichen Ignoranz durch Abzug der höchsteigenen Kunstsammlung – das kannte man in Österreich zuletzt von Herbert Batliner, der 2005 wutschnaubend seine Leihgaben an das Salzburger Museum der Moderne zurücknahm. Der Grund war eine „fehlende Wertschätzung der Salzburger Medien“. Kurze Zeit später ging Batliners Moderne-Kollektion als Dauerleihgabe an die Albertina, wo sie seither in allseits unerschütterlicher Wertschätzung verwahrt wird.

Dagegen ist Francesca Habsburgs Abrechnung mit der mittlerweile langjährigen Wahlheimat Wien nahezu unterkühlt: Wien sei nun einmal statisch, verrät die gebürtige Schweizerin aus dem Thyssen-Bornemisza-Clan, die heute unsere Kaiserin wäre, lebten wir noch in der Monarchie. Sie sei ziemlich froh, dass sie das nicht sein müsse, sagt sie. So gäbe es für sie schließlich auch keinen Zwang, in Österreich zu leben. Denn „Österreich ist doch nicht meins. Ich bin nicht dort zu Hause.“

 

Verlust für Wiener Kunstszene

Das Interview, das Habsburg gerade der Schweizer „Sonntagszeitung“ gegeben hat, sorgt in Wien für Wellen. Immerhin möchte sie sich nicht nur privat in ihre Heimat zurückziehen, jedenfalls merke sie diesen Drang, sondern sie überlege auch, ihre Kunstsammlung nach Zürich zu übersiedeln. Weil das eben nicht so statisch wie Wien, sondern gerade dabei sei, sich wieder zu verändern, kulturell neu zu definieren. So Habsburg.

Der Abzug ihrer Sammlung zeitgenössischer Kunst, die v. a. aus Werken besteht, die mit ihrer Unterstützung überhaupt erst produziert werden konnten, wäre ein Verlust für Wien. Immerhin ist es die einzige Sammlung, ob privat oder museal, die große, installative Werke internationaler Stars dieses Genres enthalten: Christoph Schlingensief, Olafur Eliasson, Ai Weiwei, Paul McCarthy etc. Durch ihre direkte Arbeit mit den Künstlern selbst kommen und kamen sie auch vermehrt hierher, nach Wien, wie unlängst Ernesto Neto oder demnächst Eliasson. Anders als ursprünglich angekündigt, wird Eliasson aber jetzt nur in Prinz Eugens Winterpalais des Belvedere ausstellen (ab 20. 11.), und nicht parallel dazu auch im Ausstellungszentrum von Habsburgs Kunststiftung TBA-21 (Thyssen Bornemisza Art 21. Jh.) im Augarten, dem ehemaligen Atelier Augarten des Belvedere.

Seit 2012 bespielt Habsburg diesen idyllischen Ort, die Absprache mit dem Belvedere endet 2017. Bis dahin werde man auch bleiben, so eine TBA-21-Sprecherin. Dann aber laufe vor allem der Mietvertrag des Belvedere, des Kooperationspartners von Habsburg, mit der Burghauptmannschaft aus, von der das Museum das ehemalige Atelier des Bildhauers Augustus Ambrosi seit Jahrzehnten miete. Direktorin Agnes Husslein hofft, dass die Burghauptmannschaft dann ein Konzept für die Weiterführung des Ortes habe. Und natürlich sei sehr zu wünschen, so Husslein, dass TBA-21 in dieses eingebunden sei. Doch das liege außerhalb ihrer Kontrolle, erwähnte Habsburgs langjährige Unterstützerin in einem Doppelinterview der beiden im Magazin der anstehenden Vienna Artweek. Momentan wollte Husslein zu Habsburgs Ankündigung einer Übersiedlung der Sammlung nichts sagen. Auch Burghauptmann Reinhold Sahl war nicht zu erreichen. Auch Habsburg scheint hier auf Kommunikationsprobleme gestoßen zu sein. Niemand, weder von Bund noch von Stadt, so die TBA-Sprecherin, sei an sie herangetreten, um die Sammlung, vor allem aber auch die rege, international renommierte Stiftung in Wien zu halten. Frustrationspotenzial scheinen auch Habsburgs gescheiterte Bemühungen gehabt zu haben, einen Ausstellungsort im neuen Zentralbahnhofsviertel, nahe dem 21er-Haus des Belvedere, zu bekommen. Während Bund und Stadt keine Anstalten machen, aktiv und attraktiv für die Sammlerin und Mäzenin zu werden, scheint die Schweiz offen für vieles: Es habe schon mehrere Termine mit der Zürcher Stadtregierung gegeben, sagte Habsburg in dem „Sonntagszeitung“-Interview. Von einem Thyssen-Bornemisza-Privatmuseum in Zürich wolle sie zwar noch nicht konkret sprechen – schon ihr Vater, Heinrich, hatte mit seiner Sammlung moderner Meister ein Privatmuseum in der Schweiz, in Lugano. „Langsam, langsam. Das sind erste Überlegungen. Meine Sammlung zumindest, mit ihrem starken Fokus auf der zeitgenössischen Kunst, wäre gerade in Zürich eine schöne Ergänzung.“

Die über den Winter anberaumte Nachdenkpause im TBA-21 – die aktuelle Ausstellung von Ernesto Neto läuft am 29. November aus, bisher ist noch keine neue angekündigt – scheint aber wohl eine prinzipiellere zu werden. Und auch eine geografische.

BIOGRAFISCHES

Francesca von Habsburg (*1958, Lausanne) ist Tochter des Stahlindustriellen Heinrich Thyssen-Bornemisza (gest. 2002), auch er war Kunstsammler (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid). Sie studierte in London, machte in den 1980ern Party im Jetset, engagierte sich in den 1990ern für Restaurierungen im vom Krieg zerstörten Kroatien. 1993 heiratete sie Karl Habsburg. Sie produziert lieber Kunst, als dass sie sie „nur“ sammelt. Es sind mittlerweile circa 400 Werke zeitgenössischer Kunst in ihrer Obhut. Sie ist ein großer Player im internationalen Kunstbetrieb.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2015)