Diesmal werden wesentlich weniger Institute dem Test unterzogen, formal kann auch niemand mehr durchfallen. Wer schlecht abschneidet, muss aber Kapital aufstocken.
Frankfurt/Wien. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA wollen ab Februar des kommenden Jahres 53 Kreditinstitute einem Stresstest unterziehen. Das teilten die Institutionen am Donnerstag mit. Die Geldinstitute müssen dabei unter Beweis stellen, dass sie hinreichende Kapitalpuffer haben, um neue wirtschaftliche Schocks zu überstehen.
Die Zahl der Institute, die geprüft werden, ist diesmal deutlich geringer als zuletzt. Von den österreichischen Banken werden sich nur die Erste Bank und die Raiffeisen-Landesbanken-Holding dem Test unterziehen müssen – die Bank Austria zwar ebenfalls, diese ist aber, wie bisher, über die italienische UniCredit miterfasst.
Neue Prüfkriterien
Das Sample ist diesmal überhaupt kleiner. Bei Raiffeisen wird auf konsolidierter Basis betrachtet, wie ein EBA-Sprecher der APA sagte. Die Bawag wird dem Test nicht unterzogen, und die ÖVAG – die beim letzten Mal durchfiel – ist mittlerweile als Bank vom Markt genommen worden.
Bei dem Test wollen die Behörden herausfinden, ob die Banken stabil genug sind, um auch eine schwere Krise zu überstehen. Zum ersten Mal werden laut EBA dabei auch die aus Fehlverhalten erwachsenden Risken und die Probleme mit Fremdwährungskrediten geprüft. Viele Institute hatten nach der Finanzkrise Milliarden zahlen müssen, weil Mitarbeiter die Märkte manipuliert hatten und die Überwachungsmechanismen lückenhaft waren.
Details – wie die jeweiligen Krisenszenarien, unter denen sich die Banken im Test bewähren müssen – sollen Ende Februar feststehen, Ergebnisse will die EBA ab Anfang des dritten Quartals veröffentlichen. Formal beim Test durchfallen kann diesmal niemand: Die Aufseher verzichten auf Vorgaben für die Kapitalquoten, die die Banken erfüllen müssen. Die Ergebnisse sollen aber in die jährliche Bewertung von Geschäftsmodellen und Risken der Banken einfließen. Institute mit wenig nachhaltigen und riskanten Geschäftsmodellen können von den Aufsehern gezwungen werden, zusätzliches Kapital aufzubauen. Beim letzten EU-weiten Stresstest waren von über 120 Banken, die auf dem Prüfstand standen, 25 durchgefallen. Zusammen fehlten diesen Geldhäusern 24,6 Mrd. Euro.
Aus Deutschland werden diesmal zehn Banken in vollem Umfang unter die Lupe genommen – nicht einmal halb so viele Institute wie beim letzten Test. Mit dabei sind die Deutsche Bank, die Commerzbank, die genossenschaftliche DZ Bank sowie die vier großen Landesbanken BayernLB, LBBW, Helaba und NordLB; ebenso der Autofinanzierer VW Financial Services, die Förderbank NRW.Bank und die DekaBank, der Fondsdienstleister der Sparkassen.
Abgespeckte Version für Kleine
Die kleineren unter den von der EZB direkt überwachten deutschen Banken können aber nur teilweise aufatmen: Die Bankenaufseher der Notenbank wollen sie ebenfalls einer – vom Aufwand her allerdings abgespeckten – Belastungsprobe unterziehen. Für elf deutsche Institute, wie die Aareal Bank oder die Deutsche Pfandbriefbank, die von der EZB geprüft werden, gelten die gleichen Kriterien wie für die großen, der Aufwand soll aber geringer sein. Einige von ihnen hatten sich über die Flut der verlangten Daten beschwert.
Insgesamt stehen die geprüften Institute, wie beim letzten Mal, für annähernd 70 Prozent der Bilanzsumme im Bankensektor der Eurozone. Früher musste jedoch noch aus jedem Land wenigstens eine Bank dabei sein, diesmal ist aus neun Euroländern keine einzige Bank vertreten. (APA/Reuters/cka)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2015)