Flyniki fliegt unbeirrt ans Rote Meer

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SymbolbildAPA/EPA/TOBIAS HASE

Während viele Airlines inklusive jener Russlands Touristen aus Sharm el-Sheikh nur noch ausfliegen, startet am Samstag in Wien ein Charterjet mit Gästen dorthin.

Kairo/Moskau/London/Wien. Während immer mehr Staaten bzw. Fluglinien nach dem Absturz des russischen Airbus über dem Sinai die Flüge in den Urlaubsort Sharm el-Sheikh streichen – trotzt offenbar just die österreichische Flyniki der Terrorgefahr: Wie es am Freitagnachmittag hieß, werde der für Samstag geplante Flug von Wien ans Rote Meer stattfinden. Das gilt auch für den Rückflug.

„In Absprache mit den Behörden haben wir besondere Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet, die es unseren Gästen erlauben, wie gewohnt Handgepäck und Gepäck mitzuführen, so Flyniki-Sprecherin Milene Platzer. Die Sicherheit der Gäste und Besatzung habe höchste Priorität; man sei mit den österreichischen Behörden in Verbindung, um die Lage einzuschätzen.

Laut Außenministeriumssprecher Thomas Schnöll sind zurzeit rund 320 Österreicher in Sharm el-Sheikh und in Ägypten insgesamt etwa 500 unterwegs. Die meisten fremden Urlauber in Ägypten wollen derzeit möglichst schnell nach Hause. Nervös drängelten sich am Freitag die Menschen im Abflugterminal von Sharm el-Sheikh. Doch das Ausfliegen der allein über 20.000 Gestrandeten aus Großbritannien kam bald zum Erliegen: Ausgelöst durch ein chaotisches Tauziehen zwischen den ägyptischen und britischen Behörden. Wie die Billig-Airline Easyjet mitteilte, wurden ihr von Ägypten acht von zehn geplante Evakuierungsflüge gestrichen. Ähnlich erging es anderen Chartergesellschaften, die Menschen mit Leermaschinen heimfliegen wollten: Bis Freitagabend konnten lediglich acht von 29 geplanten Flügen starten, sodass die meisten Touristen wütend in ihre Hotels zurückkehren mussten.

 

Frachtflugzeuge für Gepäck

London hatte am Mittwochabend nach einer Sitzung des nationalen Krisenrates alle Flüge zwischen Großbritannien und Sharm el-Sheikh gestoppt, ein Schritt, dem sich seither alle westlichen Fluglinien anschlossen und am Freitag die russischen. Für Verstimmung in Ägypten sorgte am Freitag die Ankündigung der westlichen Fluglinien, das Gepäck werde in Sharm el-Sheikh nicht mit an Bord geladen, sondern separat mit Frachtflugzeugen abgeholt. Wie der britische Transportminister, Patrick McLoughlin, erläuterte, habe London bereits vor zehn Monaten den Umgang mit dem Gepäck in Sharm el-Sheikh bemängelt. Das Bodenpersonal müsse durch keinerlei Kontrollen, bevor es das Rollfeld betrete. Auch der berufliche und familiäre Hintergrund ägyptischer Mitarbeiter werde nicht so strikt geprüft wie etwa in Europa.

Die niederländische KLM dehnte die ungewöhnliche Gepäcksperre auf den Kairoer Flughafen aus. Dort ließ der Kapitän des Morgenflugs von Kairo nach Amsterdam lediglich Handgepäck zu. Man werde den Rest später abholen.

In Sharm el-Sheikh waren die Kontrollen am Freitag vor den Augen zahlreicher Kamerateams so strikt wie noch nie. „Die agieren wie Komiker“, twitterten entnervte Touristen, deren Handgepäck bisweilen zehnmal durchleuchtet wurde. Andere beobachteten, dass Araber gegen ein Trinkgeld von zehn bis 20 Euro an den Kontrollen vorbeigeschleust wurden. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2015)