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Masern schädigen das Immunsystem jahrelang

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Wiener Virologen haben ein beliebtes Impfgegener-Argument vom angeblichen Nutzen der "natürlichen" Maserninfektionen widerlegt.

Die Masern schwächen das Immunsystem der Betroffenen über viele Jahre hinweg. Das stellten jetzt die Wiener Virologen Lukas Weseslindtner und Heidemarie Holzmann (MedUni Wien) in der neuesten Ausgabe der Virusepidemiologischen Information fest. Aktuelle wissenschaftliche Studien widerlegten eindeutig das Argument der Impfgegner vom angeblichen Nutzen "natürlicher" Infektionen.

"Nun liegen stichhaltige wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die eindeutig das Gegenteil beweisen, und zeigen, dass Masern eine mehrere Jahre anhaltende Schwächung des Immunsystems bewirken, wodurch es bei Betroffenen sogar zur erhöhten Sterblichkeit aufgrund von anderen Infektionskrankheiten kommt", schrieben die Experten vom Department für Virologie in Wien.

Ein Argument, das Impfgegner häufig anführen, um den Nutzen der Masernimpfung infrage zu stellen, sei bekanntermaßen, dass ein "natürliches" Durchmachen von Masern das Immunsystem "stärkt". Vor kurzem in der Wissenschaftszeitschrift "Science" publizierte Daten sprächen aber eindeutig dagegen.

Sehr hohe Komplikationsrate

"Dabei muss immer wieder daran erinnert werden, dass Masern keineswegs harmlos sind, sondern eine sehr hohe Hospitalisierungs-und Komplikationsrate (ca. 20 Prozent) aufweisen. (...) Mortalitätsrate vergesellschaftet sind. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursachen Masern in allen Altersgruppen weltweit noch immer 130.000 bis 160.000 Todesfälle pro Jahr", schrieben die Wissenschaftler.

Bei der Entwicklung der Krankheit spiele jedenfalls das Immunsystem eine wichtige Rolle. "Zum einen sind bestimmte Zellen des Immunsystems, wie Dendritische Zellen, T- und B-Lymphozyten, selbst Zielzellen für das Virus, wodurch es in der Frühphase der Infektion zum Verlust dieser Zellen und dadurch zur Leukopenie (Verlust der weißen Blutkörperchen; Anm.) kommt", betonten die Virologen.

Gedächtniszellen gehen verloren

Neuere immunologische Untersuchungen, die größtenteils mit Makaken als Versuchstieren durchgeführt wurden, hätten ein differenziertes Bild gezeigt. "Es wurde beobachtet, dass das Masernvirus nicht wahllos Lymphozyten befällt, sondern über einen spezifischen Rezeptor (CD150) vor allem in Gedächtniszellen eindringt. Im Rahmen der Leukopenie gehen also fast ausschließlich Gedächtniszellen verloren, die in vorangegangenen Jahren beim Überwinden verschiedenster anderer Infektionskrankheiten gebildet wurden", schrieben die Wissenschaftler. Übrig blieben nur Masernvirus-spezifische Gedächtniszellen. Das bedeute zwar eine lebenslange Immunität gegen die Masern, allerdings komme es in unmittelbarer Folge zu einer erhöhten Anfälligkeit für andere Erreger.

Wissenschaftler hätten nun in einer aufwendigen statistischen Analyse die in England, den USA und Dänemark aufgezeichneten Fallzahlen von Masern seit der Vorimpfära über den Zeitpunkt der Einführung der Masernimpfung bis zum Erreichen hoher Durchimpfungsraten (von den 1950er-Jahren bis zur Gegenwart) mit der Sterblichkeitsrate durch andere Infektionskrankheiten ausgewertet. Die Wiener Virologen: "Dabei zeigte sich eindeutig, dass es einen Zusammenhang zwischen der Maserninzidenz (Häufigkeit; Anm.) und der Mortalität durch andere, den Masern zeitlich nachfolgenden, Infektionskrankheiten gab. War beispielsweise die Inzidenz von Masern in bestimmten Jahren besonders hoch, war in der Folge auch die Sterblichkeit durch Infektionen mit anderen Erregern erhöht."

Masernimpfung und Sterblichkeit

Interessant sei auch gewesen, dass die Einführung der Masernimpfung nicht nur zu einem massiven Rückgang dieser Krankheitsfälle führte, sondern zusätzlich auch einen signifikanten Abfall der Sterblichkeit durch nachfolgende Infektionen bewirkt hätte. "Dass dieser Abfall spezifisch mit dem Einführen der Masernimpfung zu tun hatte und nicht zufällig auftrat, konnte unter anderem dadurch bewiesen werden, dass zur Kontrolle analog die Auswirkung der Keuchhustenimpfung auf die Mortalität von Infektionskrankheiten untersucht wurde, und hier zeigte sich keinerlei Effekt."

Analog zu den Ergebnissen bei den Tierversuchen hätte man auch für Menschen indirekt evaluieren können, wie lange es durch Masern zur Beeinträchtigung des Gedächtniszellpools komme. Die Virologen schrieben: "Dabei zeigten sich erstaunliche Ergebnisse: Das Risiko an anderen Infektionskrankheiten zu sterben war nicht nur für kurze Zeit gesteigert, es war während eines Zeitraumes von zwei bis drei Jahren nach Durchmachen der Masern signifikant erhöht."

(APA)