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Test Sony a7r II: Canon und Nikon müssen zittern

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Mit der a7r II hat Sony die erste wirklich professionelle spiegellose Kamera präsentiert. Canon und Nikon müssen zittern.

Ernsthaftere Fotografen haben spiegellose Systemkameras ja lange Zeit belächelt. Der Sensor war zu klein, der Autofokus zu langsam - das mag für Urlaubs- und Familienknipsereien genügen, aber die digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) muss man noch lange nicht verkaufen.

Die breite Masse freilich begeisterte sich für die Spiegellosen. Während die Verkaufszahlen der DSLR seit Jahren sinken, steigen die Verkäufe von spiegellosen Kameras mit Wechselobjektiven. Das Interesse hat für Innovationen gesorgt - und aus dem mitleidigen Lächeln von gestern ist mittlerweile ernsthaftes Interesse auch von Profis geworden.

Einen wesentlichen Grund dafür liefert Sony mit seiner a7r II mit Vollformatsensor. Die Vorgängerin a7r litt noch unter den Kinderkrankheiten der Spiegellosen (etwa ein langsamer Autofokus, der zudem nicht immer sehr präzise war; Vibrationen durch den Auslöser), doch mit der zweiten Version hat man alles richtig gemacht.

Die a7r II ist nicht nur die beste spiegellose Systemkamera, die man derzeit kaufen kann (interessant wird die bald erhältliche Leica SL, die aber preislich außer Konkurrenz spielt), sondern eine der besten Kameras, die sich durchaus mit den Topmodellen von Canon und Nikon messen kann.

Canon 5d III gegen Sony a7r II
Canon 5d III gegen Sony a7r II

Das erste, das immer positiv auffällt, sind Größe und Gewicht. In den Spiegellosen kann man auf viel Mechanik verzichten, und das macht schlägt sich nieder: Unsere a7r II mit dem 1,8/55mm Objektiv wog 956 Gramm, die Canon 5d III mit dem 1,8/50mm (STM) 1171 Gramm. Wirklich bemerkbar wird es beim Normalzoom 24-70: Die Canon-Version wiegt 599 Gramm (EF 24-70/4), Sonys 24-70 kommt auf 426 Gramm.

Viel Positives wurde bereits über die Sensoren von Sony geschrieben. Es gibt einen Grund, warum Nikon diese Sensoren in seinen Kameras einsetzt und warum Sony diese Abteilung in eine eigene Firma auslagert. Sony Semiconductor Solutions soll abgetrennt vom großen Mutterkonzern effizienter, schneller und innovativer agieren können.

Wie gut ist der Sensor also? Sehr, sehr gut. Wir gingen am späten Abend bei Dunkelheit in den Garten, der nur von ein wenig Mondlicht erhellt war, und haben abgedrückt. Das bemerkenswerte Ergebnis sieht man hier: Auf dem Bild - ein unbearbeitetes jpg - sieht man sogar die Herbstfarben, mit ein bisschen Nachbearbeitung kann man ein brauchbares Foto daraus machen.

 

Aufnahme bei Dunkelheit im Garten
Aufnahme bei Dunkelheit im Garten

Der ISO-Bereich reicht bis 102.400 - nicht, dass man damit noch wirklich arbeiten könnte, aber man kann ein Bild vorweisen. Die Garten-Knipserei war auch ein guter Test für den 5-Achsen-Stabilisator, der Aufnahmen bis zu 4,5 Mal der Brennweiten/Verschlusszeit-Empfehlung ermöglicht.

Bei dem Test zeigte sich ein großer Vorteil der spiegellosen Kameras mit elektronischem Sucher: Man sieht auch in der Dunkelheit, was man fotografiert und kann das Bild gestalten. Bei einer Spiegelreflex sieht man durch den optischen Sucher nur den schwarzen Wald.

Hilfreich war das in London, wo zu Halloween viele verkleidete Menschen in teils dunklen Seitengassen unterwegs waren. Mit dem Auge konnte man nicht so viele Details ausmachen, wie beim Blick durch den Sucher.

Dass der Autofokus auch in diesen Situtionen gut arbeitet, liegt am verbesserten Hybrid-System. Die Kamera bietet 399 Phasen- und 25 Kontrastfelder. Die Feldabdeckung erreicht 45 Prozent des Bildsensors. Sony sagt, dass der AF gegenüber dem Vorgänger einen Geschwindigkeitszuwachs von 40 Prozent realisiert und in nativer Geschwindigkeit und Abdeckung via Adapter auch mit A-Mount-Objektiven voll unterstützt wird. Selbst mit Canon EF-Objektive mit entsprechendem Adapter funktionieren beide AF-Systeme.

Eignet sich die a7R II also auch für Sport- und Tierfotografie? Das konnte wir mangels entsprechender Objektive leider nicht testen, uns standen nur das 28mm und das 55mm zur Verfügung. Aber trotz aller Verbesserungen dürften in diesen Bereichen die DSLR noch deutlich vor den Spiegellosen liegen.

Ein wirklich nettes Feature ist übrigens der Augen-AF. Drückt man einen der frei konfigurierbaren Knöpfe auf der Rück- oder Oberseite der Kamera, stellt der Autofokus genau auf die Augen scharf. Das ist bei Porträtaufnahmen besonders hilfreich.

Die a7r II bietet eine Auflösung von 42,4 Megapixel - mehr, als Nikon mit seiner D810 und nur um acht Megapixel weniger, als Canon mit seiner 5ds-Serie. Nun ist es nicht so schwierig, viele Megapixel in einen Vollformatsensor zu pferchen. Die Herausforderung ist, diese Megapixel auch nutzbar zu machen: bei solchen Dimensionen besteht die Gefahr von übermäßigem Rauschen, von Unschärfen durch Vibrationen etwa durch den Auslöser (oder bei DSLR den Spiegel), von falsch oder nicht funktionierenden Pixel und von unbefriedigenden Bildern, weil die Auflösung der Objektive nicht mithalten kann.

100-Prozent-Ausschnitt vom oberen Bild
100-Prozent-Ausschnitt vom oberen Bild

Nikon und Canon haben all diese Probleme sehr gut im Griff - und Sony auch. Das Rauschen hält sich in Grenzen, auch mit ISO 12.800 sind noch brauchbare Fotos möglich (die gezeigten Halloween-Bilder entstanden bei ISO 6400), die Details sind nicht schwammig und mit den sehr gut verarbeitete Objektiven 28/2 und 55/1.8 sind die Bilder bis an den Rand scharf.

100-Prozent-Ausschnitt
100-Prozent-Ausschnitt

Bei voller Auflösung schafft die Sony fünf Bilder in der Sekunde - der Standard, bei dieser Größe (auch Canons 5Ds und 5Dsr sind nicht schneller). 24 Bilder schafft der  Speicher, bevor die Kamera deutlich langsamer wird. Eine RAW-Datei hat eine Größe von etwa 80 Megabyte. Man kann sie auch (laut Sony) verlustfrei komprimieren, dann kommt eine Aufnahme auf etwa 40 Mb. Oder man stellt einfach eine geringere Auflösung ein.

Die Videofunktionen haben wir nicht getestet. Die Kamera bietet 4k-Auflösung und HD noch bei 120 B/Sekunde.

Nebenbei bemerkt: Für die vielen Einstellmöglichkeiten der Sony a7r II ist die beiliegende Bedienungsanleitung völlig unbrauchbar. Sie deckt nicht einmal annähernd ab, was man gerne wissen würde.

Fazit: Die Sony a7r II ist eine ausgezeichnete Kamera. Canon und Nikon müssen zittern - nicht nur, weil ihre spiegellosen Kameras nicht einmal annähernd mithalten können, sondern weil diese Sony auch den Profigeräten der beiden Hersteller ernsthafte Konkurrenz macht. Auch im Preis orientiert sich die a7r II an der Oberklasse: Das Gehäuse kostet 3499 Euro.