Bank Austria – In Österreich fallen zunächst 670 Jobs weg

Von dem drastischen Sparkurs der UniCredit ist bei der Bank Austria das Inlandsgeschäft massiv betroffen. Vom Verlust tausender Stellen in Österreich, wie im Vorfeld befürchtet, ist in den heutigen UniCredit-Strategiepapieren jetzt einmal nicht die Rede.

Zunächst geht es um 670 Jobs, die bis 2018 noch wegfallen. Das gilt aber nur, wenn ein Verkauf der verlustbringenden Filialsparte gelingt.

UniCredit schrieb heute von 800 Stellen, die die Bank Austria in Österreich (ausgehend von 2014) bis 2018 reduzieren wird. Die Bank Austria-Mutter rechnet in Vollzeitstellen, in Köpfen sind es mehr Leute, weil gerade in der Bank Austria in den letzten Jahren viele Mitarbeiter Teilzeitprogramme angenommen haben. Rund 130 dieser 800 Vollzeitstellen will die Bank Austria bis zum heurigen Jahresende bereits eingespart haben. Mehr als 200 der einzusparenden Stellen sollen, so verlautet aus der Bank, beim Verkauf der Immo-Holding an neue Eigner übergehen.

Österreich müsse, so der jetzige Plan von UniCredit, die Kosten um 9 Prozent senken. Das heiße Einsparungen von 139 Mio. Euro im Vergleich zu Ende 2014, schrieb Bank Austria Chef Willibald Cernko am Mittwoch in einem Brief an die Mitarbeiter. Die Personalkosten müssten bis 2018 um 14 Prozent runter.

Nicht berücksichtigt seien zusätzliche Kostensenkungen, die notwendig würden, wenn eine Entscheidung zur internen Sanierung des Retailgeschäfts falle, fügte Cernko hinzu. Anfang Dezember soll klarer sein, was passiert.

Verlust bei 41 Millionen Euro

In seinem Mitarbeiterbrief hat Cernko erstmals den Verlust im Privatkundengeschäft öffentlich beziffert. Ende September lag das Defizit (vor Steuern) in der österreichischen Retailsparte bei 41 Mio. Euro. Und dies trotz aller bisher schon gesetzten Rationalisierungen und Effizienzsteigerungsmaßnahmen. Im Gesamtjahr müsse man damit rechnen, "dass wir für jeden betreuten Retailkunden fast 36 Euro draufzahlen müssen."

Kein Kaufmann der Welt könne ein Geschäft unverändert fortführen, das Geld vernichte, statt Geld zu verdienen. "Daher muss dieser Teil saniert werden, um die anderen profitablen Bereiche der Bank Austria nicht zu gefährden."

Zum Schicksal des Privatkundengeschäfts - also vollständiger Verkauf oder grundlegende Restrukturierung - sei noch keine Richtungsentscheidung getroffen. Es geht in der Sparte um 1,6 Millionen Kunden, also Privatkunden und kleine Gewerbekunden bis 3 Mio. Euro Umsatz. Diese "Richtungsentscheidung" soll bis Anfang Dezember fallen, so Cernko.

Betriebsrat will eigenständige Bank erhalten

Auch wenn die Bank Austria von ihrer Mutter UniCredit massiv verkleinert und umgebaut wird, will der Betriebsrat erreichen, dass das Institut als eigenständige Bank erhalten bleibt. "Ich möchte alles tun, damit die Bank Austria eine Multi-Channel-Bank bleibt", so Betriebsratsobmann Adolf Lehner am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

Noch seien viele Fragen offen, der Vorstand müsse klarstellen "was er plant", so Lehner zwei Stunden nach der Verkündung des Umstrukturierungsplans, wonach die Osteuropaholding nach Mailand verlagert und das Privatkundengeschäft verkauft oder stark umgebaut werden sollen. Dem Betriebsrat gehe es um die Absicherung von Arbeitsplätzen, die Vermeidung von Kündigungen und "gemeinsame Lösungen" mit dem Vorstand. Wenn es gemeinsame Lösungen gebe, dann müsse man verhandeln. Wenn es hingegen einseitige Entscheidungen des Vorstands gebe, "dann muss man kämpfen".

Ein konkretes Ziel ist der Erhalt des Kompetenzzentrums für die Steuerung des Osteuropageschäfts, wovon 500 bis 700 Stellen betroffen sind. Bilanziell sei klar, dass künftig das Geschäftsfeld nach Mailand geht, aber das Know-how und die Jobs könnten in Wien bleiben. Lehner hat "Signale", dass diese Kompetenz bleibt, aber bleibt noch sehr vorsichtig.

Am 24. November gibt es eine Betriebsversammlung, bis dahin hofft Lehner Näheres über die Zukunft der Bank zu wissen. Auch wenn er einen Verkauf nicht ausschließen will, sagt er: "Ein Verkauf würde es noch verkomplizieren".

Der Betriebsratsfonds hält Bank-Austria-Aktien und hat dadurch "bei gewissen Transaktionen Mitgestaltungsmöglichkeiten. Wir haben ein Instrument, das andere nicht haben", so Lehner auf die Frage, ob der Betriebsrat einen Verkauf verhindern könnte. Aber als Aktionär habe man mit den Rechten auch eine Verantwortung. Es sei "nicht das Ziel, alles zu verhindern, selbst wenn man es könnte".

Zwar trifft es die Bank Austria nicht direkt, dass nun weniger Bankenabgabe anfällt. Aber die hohen Abgaben in Österreich - nicht nur die Bankensteuer - werden als ein Grund für den Transfer der Osteuropaholding genannt. Das sei ärgerlich und schmälere die Leistung der Mitarbeiter.

Kein außergewöhnlicher Abfluss von Kundengeldern

Als Mitte Oktober die ersten Spekulationen um das Schicksal der Bank Austria hochgingen - Abzug der Osteuropa-Bankenzentrale von Wien nach Mailand und möglicher Verkauf des heimischen Privatkundengeschäfts - zehrte das an den Nerven der tausenden Bank-Austria-Leuten in Österreich. Die Kunden wollten wissen, was mit ihrer Bank sein wird. Dass Gelder abgezogen würden, verneint der Bankchef.

"Weder ist seit Aufkommen der ersten Gerüchte Geld abgeflossen, noch gab es Kundenbewegungen außerhalb der üblichen Schwankungsbreite", schrieb Bank Austria Generaldirektor Willibald Cernko am Mittwoch in einem Brief an die Mitarbeiter.

"Das haben wir nur Ihrem Einsatz und Engagement zu verdanken", so Cernko an die Belegschaft, die sich - obwohl selber verunsichert - zahlreichen Gesprächen zur Causa stellen musste. Dafür gebühre "höchster Respekt". Auch die kommenden Tage und Wochen würden in dieser Richtung "sehr herausfordernd". Cernko beschied seinen Leuten in dem Schreiben, er verstehende die entstandene Verunsicherung und er bat nochmals um Geduld.

In den letzten Wochen war die Bank Austria Tagesgespräch am Bankplatz Österreich. Es wurde über gezielte Vorsprachen angeblich abwanderungsbereiter Firmenkunden bei anderen Banken gemunkelt. Eine neue Filialschließungswelle oder ein Verkauf des Filialnetzes ließ bei privaten Kunden Sorgen um ihre Bankfiliale sprießen. Zuletzt hatte Erste-Chef Andreas Treichl bei einer Analystenkonferenz erklärt, am Kauf von Bankteilen von Bank Austria oder auch BAWAG nicht interessiert zu sein, wohl aber an Kunden und Mitarbeitern von dort.

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