In ihrem Zusammenleben prägen Halter ihre Tiere. Eine Forscher-Gruppe versucht diesem Phänomen nun auf den Grund zu gehen.
Dass Herren und ihre Hunde einander im Laufe eines langen Zusammenlebens physiognomisch ähnlich werden und auch die gleichen Marotten annehmen, kann jeder Laie beobachten, man weiß oft nur nicht, wer die Züge des anderen übernimmt. Beim Verhalten ist das nun ein Stück weit geklärt, eine Gruppe um Kurt Kotrschal (Uni Wien) hat 22 „Mensch-Hund-Dyaden“ erst in deren Umgebung besucht und dann zu eingehenderer Beobachtung ins Labor gebeten. Dabei zeigte sich, dass der Charakter bzw. das Verhalten des Hundes stark von dem des Halters geprägt werden.
Das hatten die Forscher vermutet, sie haben deshalb zunächst den Charakter der Halter erhoben, in einem psychologischen Standardtest, der vor allem zwei Typen unterscheidet, „neurotische“ und „extrovertierte“. Erstere sind emotional eher unstabil – und die negativen Emotionen überwiegen – und im Denken eher unrealistisch, Letztere bewegen sich selbstsicher, wortreich und energiegeladen in Gesellschaft anderer Menschen. Entsprechend anders ist das Verhältnis zu den tierischen Gefährten: „Neurotische“ Menschen suchen in ihnen emotionalen und sozialen Halt – die Hunde stellen sich darauf ein, werden ruhig, weichen solchen Haltern kaum von der Seite, werden umgekehrt von ihnen umsorgt. Allerdings unternehmen die beiden nicht viel, und beim Lösen praktischer Aufgaben kommen sie nicht weit.
Das ist bei „Extrovertierten“ anders, sie halten Hunde nicht als Seelentröster, sondern als Kumpel für gemeinsame Unternehmungen. Entsprechend verspielt werden die Hunde, auch aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen. Zurückhaltender sind allerdings nicht nur die Hunde der „Neurotiker“, sondern alle Hunde – sofern ihr Halter eine Halterin ist, das Geschlecht spielt mit (Behavioural Processes, 81, S.383).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2009)