„Der Tolerator“: Thomas Maurer mag Emojis und die FPÖ nicht

(C) Ingo Pertramer
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Das neue Programm des Kabarettisten hatte im Wiener Stadtsaal Premiere.

Nein, Emojis mag Thomas Maurer gar nicht („fette gelbe Zwinkeroa***g'sichter“), und auch das Wort „lecker“ ist ihm zuwider (immerhin kann er es in sieben Bundesländerdialekten aussprechen). Er hat seinen Karl May noch in Fraktur gelesen und kann sich an Zeiten erinnern, als Lebensmittelunverträglichkeiten seltene Gebrechen waren.

Kurz, mit seinen auch schon 48 Jahren Lebens- und 25 Jahren Bühnenerfahrung ist Thomas Maurer allein durch sein fortgeschrittenes Alter toleranzmäßig oft herausgefordert, und er bewältigt diese Herausforderung, wie ein Kabarettist sie halt bewältigt: im Rahmen eines Programms. „Tolerator“ heißt es und beginnt mit lautem Pfeifen, Trommeln und arabisch anmutendem Singsang, der plötzlich abreißt: „Toleranz“, sagt Maurer in die Stille hinein. Dann präsentiert er via Overheadprojektor einen zweiten Anfang: Er zeichnet ein Gesicht mit „typisch nahöstlichem Bart“, beschreibt einen religiösen Fanatiker, der bereit ist, sein Leben für seinen Glauben zu opfern . . . „Meine Damen und Herren: Jesus Christus.“

Mohammed ruft: „Zeichne mich!“

Gute, harte Pointe. Die Christen im Publikum haben sie gewiss gut vertragen, genauso wie etwaige anwesende Muslime die Nummer über Mohammed, der dauernd in Maurers Träumen vorkommt, Wienerisch spricht und ihn unablässig auffordert: „Zeichne mich!“ Und eine etwaig im Stadtsaal sitzende Griechin die Idee Maurers, sich auf der Bühne von ihr die Schuhe putzen zu lassen, während sie laut Selbstkritik übt?

Aber ja. „Dass man sich als Publikum auf interessante Weise unwohl fühlt“, wäre das Ziel dieser Nummer gewesen, sagte Maurer. Das ist, auch wenn es diesfalls ironisch gemeint war, eine gute Beschreibung des politischen Kabaretts, das er in seinen letzten Programmen perfektioniert hat. Auch wenn Maurer im Grunde immer sich selbst – und damit einen braven Linksliberalen – auf die Bühne stellte, es gab doch Momente, in denen er das gleich gesinnte Publikum kurz verunsicherte, provozierte. Diese Momente sind diesmal rar: Im „Tolerator“ betreibt er, vor allem, wenn's ums Thema Flüchtlinge geht, „preaching to the converted“, er predigt denen, die ohnehin seiner Meinung sind; und er lässt keinen Zweifel daran, dass er die Ungläubigen für erstens blöd und zweitens böse hält.

Gewiss, die rassistischen, brutalen Hasspostings, die in der Pause auf die Bühnenwand projiziert wurden, sind erschreckend; im Internet lancierte Gerüchte, wie jenes, dass jeder Flüchtling ein Smartphone geschenkt bekomme, sind dumm; und es ist, wie Maurer sagte, fraglich, ob man auch gegenüber der Intoleranz tolerant sein soll. Aber seine Attacken gegen die FPÖ mögen berechtigt sein, sie waren oft allzu plump. Und man merkte zu deutlich, dass er sich darauf verlassen konnte, dass ohnehin keiner der derb gezausten FP-Anhänger im Stadtsaal saß. So fühlte sich auch einer, der noch nie mit dem Gedanken gespielt hat, FPÖ zu wählen, bei diesen herzhaft umjubelten Passagen etwas unwohl. Auf interessante Weise?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2015)

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