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Bank Austria: Kahlschlag trotz Millionengewinns

The logo of UniCredit, Italy´s biggest bank by assets, is pictured next to a spire St. Stephen´s cathedral at a UniCredit unit Bank Austria branch office in Vienna
Bank Austria/ Stephansplatz(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Die Bank Austria machte seit Jahresbeginn einen Gewinn von 660 Millionen Euro. Trotzdem wird das profitable Osteuropa-Geschäft nach Mailand übertragen. Das österreichische Privatkundengeschäft wird verkauft oder restrukturiert.

Wien. Der gestrige Mittwoch wird in die österreichische Bankengeschichte eingehen. Denn die Bank-Austria-Mutter UniCredit hat im Zuge einer strategischen Neuausrichtung bekannt gegeben, dass sie bis Ende 2016 das Geschäft in Zentral- und Osteuropa von Wien absiedeln und nach Mailand transferieren will. Die österreichische Politik trägt daran eine wesentliche Mitschuld.

Denn nach Bekanntwerden der Probleme bei der Hypo-Alpe-Adria führte die Regierung bei den Banken eine Sondersteuer ein. Es handelt sich dabei um eine der höchsten Finanzabgaben in Europa. Jährlich müssen alle Institute 640 Millionen Euro zahlen, obwohl sie am Hypo-Debakel nicht beteiligt waren.

Hinzu kommt, dass die Bank Austria als einzige österreichische Großbank während der Finanzkrise keine Hilfe vom Staat beantragt hat. Pro Jahr zahlt die UniCredit-Tochter in Österreich 120 Millionen Euro bis 130 Millionen Euro an Bankensteuer. Wird nun das Osteuropa-Geschäft abgezogen, reduziert sich die Bemessungsgrundlage. Damit entgehen dem österreichischen Staat künftig schätzungsweise 40 Millionen Euro pro Jahr.

 

Eine historische Zäsur

In Wien sind bei der Bank Austria rund 700 Mitarbeiter für die Steuerung des Osteuropa-Geschäfts zuständig. Dieses Know-how soll erhalten werden. Die Beschäftigten sollen vorerst nicht nach Mailand übersiedeln.

Beim Abzug des Osteuropa-Geschäfts handelt es sich primär um eine steuer- und aktienrechtliche Übertragung von Wien nach Mailand. Trotzdem hat der Schritt Symbolkraft. Denn die Bank Austria verliert ihren wichtigsten Ertragsbringer. So verbuchte das Institut in den ersten neun Monaten 2015 einen Gewinn von 660 Millionen Euro. Der Großteil stammt von den Töchtern in Zentral- und Osteuropa. In der Vorjahresperiode lag der Gewinn bei 1,19 Milliarden Euro. Der Rückgang hängt unter anderem mit der Zwangskonvertierung von Franken-Krediten in Kroatien zusammen. Seit vielen Jahren subventionieren Österreichs Geldhäuser ihr schwaches Geschäft im Inland mit den Erträgen in Osteuropa.

Auch historisch ist die Neuausrichtung eine Zäsur. Denn aufgebaut wurde das Osteuropa-Geschäft von der früheren Creditanstalt, die 1975 als erste westliche Bank eine Repräsentanz in Budapest eröffnete. Die Bank Austria ist im Osten mit einem Geschäftsvolumen von 70 Milliarden Euro und 47.800 Mitarbeitern auf Platz eins. Sie ist dort größer als die Erste Bank und Raiffeisen.

Für UniCredit hat der Transfer des Ost-Geschäfts weitere Vorteile: Die Konzernstruktur wird vereinfacht, außerdem braucht sie sich im Osten nicht mehr um die österreichische Finanzaufsicht zu kümmern.

 

Stellenabbau auch in Österreich

Im Gesamtkonzern will UniCredit 1,6 Milliarden Euro einsparen, davon entfallen 140 Millionen auf die Bank Austria. Und von den 18.200 Stellen, die im UniCredit-Konzern bis 2018 abgebaut werden sollen, sind 800 Mitarbeiter in Österreich betroffen. Allerdings wurden heuer schon 130 Stellen gestrichen.

Derzeit hat die Bank Austria im Inland 9300 Beschäftigte. Der Sparkurs könnte noch härter ausfallen. Denn UniCredit hat am Mittwoch auch offiziell bestätigt, dass das ertragsschwache Privatkundengeschäft in Österreich entweder verkauft oder redimensioniert werden soll. Dem Vernehmen nach sollen jedoch Gespräche mit dem US-Finanzinvestor Cerberus, dem die Bawag gehört, nicht besonders erfolgreich verlaufen sein.

Im Fall einer Restrukturierung wären vermutlich wieder hunderte Mitarbeiter betroffen. Die Bank Austria hat in Österreich rund 220 Filialen und betreut 1,6 Millionen Privatkunden. Im Dezember soll eine Entscheidung getroffen werden, wie es mit dieser Sparte weitergeht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2015)