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Die UniCredit tritt die Flucht nach vorn an: 18.200 Jobs fallen weg

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UNICREDIT(c) APA (UNICREDIT)
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Der Befreiungsschlag fällt heftiger aus als erwartet. Ghizzoni sitzt fester im Sattel.

Wien/Mailand. Es geht nicht nur um Österreich: Im ganzen UniCredit-Konzern bleibt kein Stein auf dem anderen. Die italienische Großbank tritt mit ihrem überarbeiteten Strategieplan angesichts magerer Renditen die Flucht nach vorn an: 18.200 Jobs von insgesamt 129.000 fallen weg, davon allein 9600 auf dem Heimmarkt Italien. Weitere 6000 Stellen weniger ergeben sich durch den Verkauf der Ukraine-Tochter und der teilweisen Auslagerung von Pioneer Investments – die Fondsgesellschaft fusioniert mit ihrem Pendant von Santander. Vor der Alternative „Verkauf oder Restrukturierung“ steht nicht nur das Privatkundengeschäft der Bank Austria, sondern auch andere wenig rentable Geschäftsbereiche wie die Leasing-Sparte. Der Befreiungsschlag fällt noch heftiger und ehrgeiziger aus als erwartet. Warum aber steht die UniCredit so unter Druck?

Die Überraschung des Marktes ist am Mittwoch gelungen. Im Vorfeld wurden von Medien nur 10.000 bis 14.000 gestrichene Jobs kolportiert. Der Jahresgewinn soll nun bis 2018 auf 5,3 Mrd. Euro im jährlichen Schnitt steigen; Analysten hatten nur mit 4,9 Mrd. gerechnet. Mit diesen Maßnahmen soll die Kernkapitalquote (Tier 1) bis 2018 auf 12,6 Prozent steigen – zuletzt lag sie erst bei 10,4 Prozent. Auch wenn sich der Kurs der Aktie an der Mailänder Börse wenig bewegte, waren die Investoren vom neuen Plan positiv überrascht.

Genau auf diesen Effekt hatte das Management gehofft. Denn Konzernchef Federico Ghizzoni und sein Team stehen mit dem Rücken zur Wand. Schon drei Mal in den letzten sieben Jahren hatte das siebtgrößte Geldhaus Europas seine finanzielle Basis durch eine Kapitalerhöhung stärken müssen. Diesen Bittgang ein viertes Mal anzutreten hätte wohl auch sie den Job gekostet. Umso deutlicher betonte gestern Ghizzoni, dass man „organisch Kapital generieren“ wolle und der überarbeitete Plan „vollständig eigenfinanziert“ sei. Die hohen Einmalkosten der Restrukturierung (also des beschleunigten Jobabbaus) sollen durch den Verkauf wenig rentabler Teile finanziert werden. Was sinnvoll zu versilbern ist, war bis zuletzt umstritten. Analysten warnten erst am Montag vor einem Verkauf der polnischen Tochter Pekao und der Direktbank Fineco. Sie stehen nun, entgegen früheren Gerüchten, auch nicht mehr zur Disposition.

 

Schwächer als die Konkurrenz

Unter Druck stehen alle europäische Großbanken. Niedrige Zinsen, immer strengere Kapitalvorgaben der Regulatoren und schrumpfende Margen zwingen auch Institute wie die Credit Suisse oder die Deutsche Bank zu harten Sparplänen. Aber die UniCredit ist noch weniger profitabel und beim Eigenkapital schwächer auf der Brust als viele Konkurrenten in der Topliga. Der italienische Markt ist zurzeit besonders undankbar: Durch die lange wirtschaftliche Flaute ist die Zahl der faulen Kredite höher als bei den meisten Töchtern in Osteuropa. Dazu kommen im Konzern zum Teil ineffiziente Strukturen und Doppelgleisigkeiten.

Auch das Filialsterben in Zeiten des Onlinebanking ist kein österreichisches Phänomen. Einer der wenigen auf Wachstum orientierten Aspekte des Plans: 1,2 Mrd. Euro sollen in die digitale Entwicklung fließen. Insgesamt will die UniCredit stärker auf jene Bereiche setzen, wo sie sie statt Zinsen Gebühren und Provisionen verlangen kann – und damit viel profitabler ist. Dazu gehören etwa die Vermögensverwaltung für wohlhabende Privatkunden und der Vertrieb von Versicherungsprodukten.

Ein harter Sparplan, zu dem die Aktionäre applaudieren: Das gab es schon einmal, im März 2014, als Ghizzoni die erste, noch optimistischere Variante seines Mehrjahresplanes vorlegte. Nun ist ihm ein Dacapo des Befreiungsschlages gelungen. Es hat ihm zumindest für ein weiteres Jahr wieder etwas Luft verschafft. (gau)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2015)