Es ist eine simple, aber herausfordernde biologische Gleichung, der mein Körper momentan zu folgen scheint: Je mehr Sport, desto mehr Hunger.
Mein Appetit ist (vor allem direkt nach dem Training) so groß, dass ich befürchte, dass sich mein gesteigerter sportlicher Ehrgeiz exakt in Kalorien messen lässt.
Trainiere ich frühmorgens und fahre danach direkt in die Redaktion, dann schaffe ich das nicht ohne Zwischenstopp beim Bäcker. Erst Kaffee, Briochekipferl und Mohnweckerl beruhigen den After-Sport-Heißhunger. Trainiere ich spätabends und ahnt mein Magen, dass nichts im Kühlschrank ist, fällt es schwer, an Würstelständen vorbeizugehen. Und so vermute ich, dass mein Training im Idealfall – und zwar nur in diesem – ein kalorisches Nullsummenspiel ist. Damit dürfte ich gar nicht so falsch liegen. Selbst Sporternährungswissenschaftlerin Barbara Prüller-Strasser von der Med-Uni Innsbruck bestärkt mit ihren Zahlen meine Befürchtung: Während eines einstündigen intensiven Zirkeltrainings verbrennt man laut Expertin zwischen 400 und 800 Kalorien. Das entspricht etwa ein- bis eineinhalb Schoko-Croissants. Ich finde das erschreckend. Expertin Prüller-Strasser versucht zu beruhigen: Die Hunger-Sättigungsschranke funktioniere bei nicht übergewichtigen Menschen nämlich meist recht gut. Das heißt, dass der Körper schon merkt, wie viel Energie, also Essen, er braucht, um weder in ein Defizit zu rutschen noch einen Überschuss zu produzieren. Man kann sich auf das eigene Hungergefühl verlassen. Nur aus Gewohnheit sollte man nicht essen.
Apropos: Meine morgendlichen Gewohnheiten sollte ich laut Expertin überdenken. Statt Kaffee wird es Kakao (ein „optimales Regenerationsgetränk“) geben, das Briochekipferl wird durch Vollkornbrot mit Topfen, Honig oder Marmelade ersetzt. Auch mit Feigen, Datteln, Nüssen, Marillen- und Apfelringen werde ich gern meinen After-Sport-Hunger bekämpfen. Am besten wären laut Expertin aber Bananen. Da würde mir als Bananen-Verweigererin bestimmt gleich der ganze Hunger vergehen.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2015)