Automobilindustrie: Opel-Deal: Wien würde profitieren

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Wien-Aspern wäre Nutznießer des Magna-Einstiegs. Der ist aber noch nicht fix.

Wien (APA/red.). Gute Nachrichten für das GM-Powertrain-Werk in Wien-Aspern: Der künftige Opel-Eigentümer Magna plant laut eines Berichts der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) die Verlagerung der Getriebeproduktion vom deutschen Bochum nach Österreich. Das geht aus einem Schreiben des deutschen Wirtschaftsministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor. Weder bei GM Powertrain noch bei Opel in Deutschland wollte man den Bericht kommentieren. In Bochum wären laut FAZ 600 von insgesamt 5000 Mitarbeitern betroffen.

Europaweit dürfte der Stellenabbau bei Opel laut „Welt online“ aber noch höher ausfallen, als bisher bekannt war. In den kommenden Jahren sollen 11.600 der insgesamt 55.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Das zeigt der vorläufige Geschäftsplan von Magna für die Adam Opel Group. Zuvor hatte man angenommen, dass Magna 10.000 Arbeitsplätze streichen will.

Nun sollen allein in der Produktion 9500 Arbeitsplätze wegfallen. Die Auslastung der 14 europäischen Werke, die derzeit bei 56 Prozent liegt, soll auf diese Weise auf 96 Prozent, die Produktivität pro Mitarbeiter um zehn Prozent steigen. Weitere 2100 Arbeitsplätze sollen in Vertrieb und Verwaltung abgebaut werden.

Weitere Opel-Interessenten

Magna will künftig 20 Prozent an Opel halten, die russische Staatsbank Sberbank 35 Prozent, GM 35 Prozent und die Beschäftigten von Opel zehn Prozent. Der Deal soll im September abgeschlossen werden. Für die Zeit der Verhandlungen stellt Deutschland einen staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Mrd. Euro bereit.

Angesichts der Meldungen über den hohen Jobabbau stellt die deutsche Bundesregierung Magna aber noch einmal die Rute ins Fenster: Man sei weiter im Gespräch mit anderen Investoren, darunter auch mit bisher unbekannten, sagte der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Donnerstag. So gebe es einen weiteren chinesischen Investor, der in den vergangenen zwei Wochen Interesse gezeigt habe. Vor zwei Wochen waren der italienische Autobauer Fiat, der US-Finanzinvestor Ripplewood und der chinesische Investor BAIC leer ausgegangen. Letzterer erwägt laut „Wall Street Journal“ auch einen Einstieg bei der schwedischen Ford-Tochter Volvo.

Guttenberg sagte auch, ihm sei keine neue Zahl zum geplanten Arbeitsplatzabbau bekannt. Die Regierung gehe weiter von der bisher genannten Streichung von 10.000 bis 11.000 Jobs aus.

Magna-Chef Siegfried Wolf ist indes mit einer Gruppe um den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier nach Russland gereist. Magna plant dort mit dem russischen Hersteller GAZ sowie mit Opel und GM einen Verbund aus fünf Werken mit einer Jahreskapazität von 700.000 Fahrzeugen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2009)

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