Türkischer Milliardär will Atrium Real Estate auf Millionen verklagen

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Ein Hotelprojekt der ehemaligen MEL in der Türkei liegt seit einem Jahr brach. Nun droht ein türkischer Investor, die Atrium Real Estate auf Schadenersatz in Millionenhöhe zu verklagen. Im Bericht der ARE taucht die Türkei nicht auf.

Dem Immobilienentwickler Atrium European Real Estate (ehemals Meinl European Land - MEL) droht nun eine neue Klage aus der Türkei. Der Milliardär Murat Vargi, Mitgründer des türkischen Mobilfunk-Marktführers Turkcell, fühlt sich von Atrium bei einem gemeinsamen Projekt an der türkischen Schwarzmeerküste hinters Licht geführt und droht mit Schadenersatzforderungen von mehreren Millionen Euro.

Deadline wäre 12. Oktober 2009

Im April 2007 verkaufte die Stadt Samsun der Projektgesellschaft MEL 2 ein rund 60.000 m2 großes Grundstück. Auflage war, dass auf einem Teil dieses Grundstücks innerhalb von drei Jahren ein Fünf-Sterne-Hotel mit 300 Betten errichtet werden sollte. Andernfalls würde das Grundstück an die Gemeinde Samsun zurückfallen und die Stadt dürfte die Hälfte des Kaufpreises von 33 Mio. Dollar (23,6 Mio. Euro) behalten.

Im März 2008 wurde ein Vertrag mit der Güzel Oteller A.S. Unterzeichnet, einer 100-Prozent-Tochter von Murat Vargis MV Holding. Dem Vertrag zufolge sollte der Immobilienentwickler Acteeum, mit dem die MEL in der Türkei zusammenarbeitet, das Hotel errichten und bis 12. Oktober 2009 schlüsselfertig an Güzel übergeben. Als Betreiber für das Hotel wurde Hilton ausgewählt - darüber wurde aber noch kein Vertrag geschlossen.

Nach Spatenstich kehrte Ruhe ein

Güzel Oteller hatte nach eigenen Angaben bereits beträchtliche Aufwendungen für das Projekt. Für den Grundstücksanteil, auf dem das Hotel entstehen sollte, habe man 2,5 Mio. Euro in bar bezahlt, dazu kämen Projektierungskosten in gleicher Höhe. Darüber hinaus habe Güzel fünf Bankgarantien über insgesamt 22 Mio. Euro vorgelegt - dieses Geld sei also derzeit blockiert.

"Im April 2008 wurde mit großem Tamtam und in Anwesenheit von Ministerin die Grundsteinlegung gefeiert, seither ist aber nichts mehr passiert", sagte der Sprecher der Güzel Oteller, Renay Onur. "MEL 2 hat mehrere Punkte unseres Vertrages verletzt, und Atrium stellt sich tot. Seit März versuchen wir vergeblich, mit dem Atrium-Managment in Kontakt zu treten." Daher werde man jetzt den Rechtsweg beschreiten und in wenigen Tagen das Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer ICC in Paris mit der Angelegenheit befassen. "Wenn sie nicht bauen können, dann sollen sie uns aus dem Vertrag entlassen", verlangt Onur. Die genaue Höhe der Schadenersatzforderung könne er noch nicht nennen, wie werde sich aber auf mehrere Millionen Euro belaufen.

"Es kann nicht am Geld liegen"

Man habe schon etliche Hotelprojekte in verschiedenen Ländern umgesetzt, aber etwas ähnliches wie mit Atrium habe man noch nicht erlebt, sagt Onur. Warum Atrium das Projekt nicht umsetze, könne er nicht nachvollziehen. "Wir wissen es nicht. Aber am Geld dürfte es nicht liegen - wir haben uns ihre Bilanz angesehen, und sie haben Geld."

Keine Türkei im Geschäftsbericht

Darüber hinaus werfen die türkischen Geschäftspartner der Atrium Anlegertäuschung vor. Atrium beziffert auf seiner Homepage den Anteil seiner Türkei-Projekte am Gesamtportfolio (nach Marktwert gerechnet) mit 10 Prozent - diese Angabe (Stand: 30. Juni 2008) wurde seither nicht aktualisiert. Die gewichtete Durchschnittsrendite der Türkei-Investitionen wird per 31. März mit 11,61 Prozent angegeben. Im Zwischenbericht vom 31. März 2009 werden im "Überblick nach Regionen" nur Russland, Polen, Rumänien und die etablierten Märkte Tschechien, Ungarn und Slowakei erwähnt, von Aktivitäten in der Türkei ist - entgegen früheren Zwischenberichten - nicht mehr die Rede.

Vargi warnt Anleger

Jedenfalls sollten Anleger aber auf der Hut sein, warnt Onur. "Atrium will schon bald an die Euronext, aber wir glauben, dass sie den Aktionären Informationen vorenthalten. Sie tun so, als hätten sie echte Projekte in der Türkei, aber in Wahrheit gibt es noch sechs andere Projekte wie unseres, mit denen noch nicht einmal begonnen wurde."

(APA)

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