„Smombie“ ist das Jugendwort des Jahres 2015

Smombie
(c) APA/AFP/TONY KARUMBA (TONY KARUMBA)

Der Verlag Langenscheidt ließ eine Jury wieder über allerneueste Sprachschöpfung befinden.

Lang schien das Zeit- oder Zeitgeistwort „merkeln“ der Favorit zu sein, doch am Ende setzte sich nicht eine negative Tätigkeit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel durch, sondern ein angeblich üblicher Begriff aus der telekommunikativen Lebenswelt mutmaßlich deutschsprachiger Kids: „Smombie“ wurde auf Initiative des Verlags Langenscheidt zum „Jugendwort des Jahres“ gekürt. So entschied es jedenfalls eine Jury am Freitag in München. Die Zusammensetzung aus „Smartphone“ und „Zombie“ soll eine Person definieren, die vor lauter Fixierung auf ihr smartes Handy nichts mehr von ihrer Umwelt mitbekommt. Das Wort ist Nachfolger des Stummelsatzes „Läuft bei dir“, der 2014 im Slang-Fight bambus war. Er bedeutet schlicht: cool.

Der zweite Platz ging an „Earthporn“, damit beschreiben junge Leute (die vielleicht beim vielen Snapchatten von ihrer Umwelt wenig mitbekommen) eine schöne Landschaft, wie von Langenscheidt behauptet wird. Die Liste der Neologismen ergab sich aus Einsendungen, zu denen der Verlag auf seiner Homepage ermuntert hatte. Er wirbt mit dieser Aktion seit 2008 jährlich für sein Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“. Bei der Online-Aktion lag am Ende zwar „merkeln“ vorne, die Kommission (Jugendliche, Linguisten, Pädagogen, Journalisten) entschied jedoch anders – für „Smombie“. Die Wendung „Alpha Kevin“ (als Synonym für den „Dümmsten von allen“), die online ebenfalls zu den Favoriten zählte, wurde von der Liste genommen. Man wolle nicht diskriminieren, hieß es.

 

Der Discopumper will wohl shippen

Unter den Top Ten der jugendlichen Neuschöpfungen 2015 – die Jury konnte aus 30 eingesandten Begriffen wählen – befinden sich auch noch „rumoxidieren“ (chillen), „bambus“ (cool), „Tinderella“ (eine exzessive Online-Dating-Nutzerin), „Discopumper“ (er trainiert nur, um in der Disco gut auszusehen), „Swaggetarier“ (aus Imagegründen vegetarisch), „Augentinnitus“ (man glaubt sich von dummen Menschen umgeben) und „shippen“ (eine Beziehung eingehen).

Wer übrigens „merkelt“, tut nichts, trifft keine Entscheidung und schweigt oft sogar dabei. Es dürfte sich also, ohne zu diskriminieren, um einen in die Jahre gekommenen „Smombie“ handeln. (norb)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.11.2015)

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