Die schwedische Luxus-Karossenmanufaktur Koenigsegg will den angeschlagenen Autobauer Saab kaufen. Auch ein norwegischer Designer soll sich beteiligen.
Der schwedische Autohersteller Saab könnte vom schwedischen Sportwagenproduzenten Koenigsegg übernommen werden. Hinter der geplanten Übernahme steht ein Designer und Multimillionär aus Norwegen. Wie am Freitag in Stockholm und Oslo übereinstimmend berichtet wurde, unterschrieben der Unternehmer Bard Eker zusammen mit dem kleinen schwedischen Luxus-Sportwagenbauer Koenigsegg eine entsprechende Absichtserklärung.
Zwerge kaufen Riese
Das 1994 gestartete Unternehmen im südschwedischen Ängelholm ist im Autogeschäft bisher eher in der Größenordnung eines Handwerksbetriebs aktiv. 40 Beschäftigte, darunter zehn Ingenieure, haben seit 2006 mit Hilfe von Ford und Volvo vier Modelle entwickelt und etwa 70 Stück vor allem an steinreiche arabische Kunden ausgeliefert. Zur Produktpalette gehört auch das Modell CC82, das mit einer Spitzengeschwindigkeit von 388 Stundenkilometern als eines der schnellsten Autos der Welt gilt.
Der Mindestpreis für ein Koenigsegg-Modell beträgt umgerechnet 650.000 Euro. Bei einem Umsatz von 112 Mio. Kronen (10 Mio. Euro) wurde im letzten Jahr erstmals ein Gewinn von 1,2 Mio. Kronen eingefahren.
Die Saab-Übernahme finanzieren soll der norwegische Designer und Unternehmer Bard Eker (39). Er beschäftigt 250 Mitarbeiter und hat seit mehreren Jahren erklärt, Saab sei sein "großer Traum". Saab hat 2008 mit gut 4.000 Mitarbeitern 93.000 Autos produziert.
Massive Zweifel in Schweden
Die offiziell noch unbestätigte Nachricht von der Unterschrift unter einer entsprechenden Absichtserklärung hat die Skandinavier völlig überrascht. Am Freitag kam es in Stockholm zu überwiegend skeptischen Reaktionen. "Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll", meinte ein Branchenbeobachter. Die Zeitung "Svenska Dagbladet" kommentierte: "Das klingt ein bisschen verrückt."
Gerade einmal 20 extrem teure Sportwagen für extrem reiche Kunden hat das kleine Unternehmen aus dem südschwedischen Ängelholm im vergangenen Jahr abgesetzt. Weil hier die Größenverhältnisse zwischen Käufer und Gekauftem noch viel extremer ausfallen als in Deutschland beim gescheiterten Porsche-Anlauf zur Übernahme von VW, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die dahinterstehenden Geldgeber.
Riesiger Schuldenberg bei Saab
Der Kapitalbedarf für ein Überleben der schwedischen Traditionsmarke ist gigantisch: Saab mit noch knapp 3.500 Beschäftigten schuldet seiner bisherigen Mutter GM 9 Mrd. Kronen (833 Mio. Euro). Für die Fortsetzung der seit 20 Jahren fast chronisch Verlust bringenden Produktion müssen 7,5 Mrd. Kronen aufgebracht werden.
Der kommende Mittwoch werde entscheidend für die Zukunft des Unternehmens sein, sagte Insolvenzverwalter Guy Lofalk. Dann müssen die Gläubiger, darunter vor allem GM, vor dem Konkursgericht mitteilen, ob sie zu einem Schuldenerlass bereit sind. Schwedens Regierung hat bisher alle Bitten um Bürgschaften für Saab abgewiesen, will nun aber einlenken.
Wie will Saab überleben?
Auch mit einer Staatsbürgschaft und Krediten der Europäischen Investitionsbank (EIB) aber bleibt völlig unklar, wie Saab angesichts weltweiter Überkapazitäten überleben will. Die Schweden liegen auch absolut nicht im Trend zu kleineren, benzinsparenden Autos. 150.000 Wagen pro Jahr müsse man bauen können, um zu überleben, war in den vergangenen Jahren immer wieder aus der Konzernzentrale Trollhättan zu hören. 2008 sank der Absatz auf 93.000 Autos. Und seit dem Jahresbeginn noch einmal auf weniger als die Hälfte.
(Ag.)