Was man über die Attentäter von Paris bisher weiß

Abdelhamid Abaaoud wurde in Saint-Denis geötet. Salah Abdeslam ist auf der Flucht. Bilal Hadfi sprengte sich vor dem Stade de France in die Luft.
Abdelhamid Abaaoud wurde in Saint-Denis geötet. Salah Abdeslam ist auf der Flucht. Bilal Hadfi sprengte sich vor dem Stade de France in die Luft.(c) APA/AFP/ANDREJ ISAKOVIC (ANDREJ ISAKOVIC)

Ein Drahtzieher in Syrien, ein Terroristen-Netzwerk in Belgien, drei beteiligte Brüder. Der Terror von Paris ist das Werk eines großen Netzwerks.

Sieben Attentäter sind in der Terror-Nacht von Paris ums Leben gekommen, sechs davon haben sich selbst in die Luft gesprengt. Zwei Verdächtige stehen nach einer Razzia im Brüssler Bezirk Molenbeek unter dringendem Terrorverdacht. Bei einem Polizeieinsatz in Saint-Denis am Mittwoch kam der mutmaßliche Drahtzieher der Terror-Anschläge ums Leben. Sieben Verdächtige wurden verhaftet. Doch wer sind die Hintermänner? Was weiß man über die Attentäter? Nach wem wird gefahndet? Ein Überblick:

Der Drahtzieher

Das mutmaßliche Mastermind hinter den Anschlägen soll Abdelhamid Abaaoud sein. Er wurde von der Polizei bei einem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis erschossen. Der 28-Jährige ist kein Unbekannter: Ein belgisches Gericht verurteilte ihn wegen der Rekrutierung von IS-Mitgliedern in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft. Im Februar posierte der mutmaßliche IS-„Henker“ mit Koran und der schwarzen Flagge der Terroristen im IS-Magazin „Dabiq“. Darin brüstete er sich, zwischenzeitlich wieder in Belgien gewesen zu sein und einen Anschlag auf die „Kreuzzügler“ vorbereitet zu haben – und das, obwohl ihn die Geheimdienste seit seiner ersten Ausreise nach Syrien im Herbst 2013 jagten.

An undated phoDer mutmaßliche Drahtzieher Abaaoud.tograph of a man described as Abdelhamid Abaaoud that was published in the Islamic State's online magazine Dabiq and posted on a social media website
Der mutmaßliche Drahtzieher Abaaoud.REUTERS

Medienberichten zufolge war Abaaoud in eine Reihe von Terrorakten verwickelt, darunter auch den vereitelten Anschlag auf den Hochgeschwindigkeitszug Thalys im August. Wie die Abdeslam-Brüder wuchs auch er im Brüsseler Stadtteil Molenbeek auf.

Der/Die Flüchtige(n)

- Seit Sonntag wird nach Salah Abdeslam (26) gefahndet. Er wurde in Brüssel geboren, soll aber französischer Staatsbürger sein. Er ist einer von drei Brüdern, die an den Attentaten betetiligt gewesen sein sollen. Der 26-Jährige hatte einen belgischen Polo gemietet, mit dem die Bataclan-Attentäter zu der Konzerthalle fuhren. Er wurde von der Polizei im nordfranzösischen Cambrai nach den Anschlägen sogar überprüft, jedoch nicht festgenommen. Eine Anwältin eines mutmaßlichen Fluchthelfers von Abdeslam behauptete gar, der 26-Jährige sei in der Terrornacht drei Mal kontrolliert worden und habe möglicherweise eine Sprengstoffweste getragen. Anfang September hielt sich Salah in Deutschland und Österreich auf, auch in den Niederlanden wurde er kontrolliert.

Salah Abdeslam ist noch immer auf der Flucht.
APA/AFP/DSK

- Ermittler vermuten noch einen zweiten Flüchtigen. Demnach hätte die Gruppe, die im Osten der Hauptstadt mehrere Bars und Restaurants ins Visier nahm, aus insgesamt drei Attentätern bestanden, die alle im gleichen Auto fuhren.

Die Attentäter von Paris

Die drei Attentäter vom Bataclan

- Omar Ismaël Mostefai (29) wurde 1985 im Pariser Vorort Courcouronnes geboren. Der Kleinkriminelle mit langem Vorstrafenregister fiel den Sicherheitsbehörden 2010 wegen einer islamistischen Radikalisierung auf. Er wohnte damals in der südwestlich von Paris gelegenen Stadt Chartres und besuchte angeblich in einem Vorort regelmäßig eine Moschee. Der Imam der Moschee bestreitet dies aber. Mostefai hielt sich vermutlich zwischen 2013 und 2014 in Syrien auf.

- Samy Amimour (28) wurde in Paris geboren und wohnte in Drancy. Auch er war den Behörden bekannt, da er schon einmal wegen einer möglichen kriminellen Verschwörung vor Gericht stand, berichtet "Le Monde". 2012 wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gegen ihn eingeleitet, weil er in den Jemen ausreisen wollte. Nach Angaben seiner Familie reiste er zwischenzeitlich nach Syrien.

- Ein noch unidentifizierter dritter Attentäter.

Die drei Attentäter vom Stade de France

- Bilal Hadfi (20) hat sich beim Stade de France in die Luft gesprengt. Der französische Staatsbürger soll laut "Washington Post" für den IS in Syrien gekämpft und zuletzt in Syrien gewohnt haben.

Bilal Hadfi sprengte sich beim Stade de France in die LUft.
Bilal Hadfi sprengte sich beim Stade de France in die LUft.APA/AFP/-

- "Ahmed al Mohammad" (25) steht zumindest in einem Pass, der bei einem der Attentäter gefunden wurde. Er soll über die Flüchtlingsroute nach Europa eingereist sein. Die Fingerabdrücke des Attentäters stimmen mit denen eines Mannes überein, der Anfang Oktober mit diesem Pass auf der griechischen Insel Leros als Flüchtling registriert wurde. Er stellte dann in Serbien einen Asylantrag, in Kroatien verlor sich seine Spur. Die Vermutung liegt nahe, dass er auch durch Österreich gereist ist, jedoch liegen dem Innenministerium dazu keine Informationen vor. Der Name dürfte jedenfalls nicht stimmen. Mittlerweile haben die serbischen Behörden acht weitere Pässe auf den selben Namen lautend registriert.

Wer ist der Mann wirklich?
Wer ist der Mann wirklich?APA/AFP/-

- Ein noch unidentifizierter dritter Attentäter. Es handelt sich um den zweiten Flüchtigen.

Die Attentäter der Restaurants

In einem schwarzen Seat Leon steuern die Attentäter verschiedene Restaurants und Cafés an. In dem Fahrzeug, das in einem Vorort von Paris abgestellt wurde, werden drei Kalaschnikows gefunden. Wer die Schützen sind, ist noch nicht geklärt.

- Ibrahim Abdeslam (31) sprengte sich im Cafe Comptoir Voltaire am Boulevard Voltaire in die Luft und verletzte dabei einen Menschen schwer. Der Franzose lebte im Brüsseler Problemviertel Molenbeek. Er ist der Mieter eines belgischen schwarzen Seat, der bei den Anschlägen in Paris verwendet wurde und im Pariser Vorort Montreuil mit drei Kalaschnikows gefunden wurde. Er soll in Molenbeek eine Bar betrieben haben, die vor dem Attentat wegen Drogendelikten geschlossen wurde.

- Salah Abdeslam könnte an den Attentaten beteiligt gewesen sein, das ist jedoch nicht bestätigt. Er ist auf der Flucht (siehe oben).

- Ein dritter Attentäter scheint möglich, auch er könnte wie Salah Abdeslam auf der Flucht sein. Dies ist jedoch ungesicherte Information

Weitere Komplizen

- Den am Samstag in Brüssel festgenommenen Mohammed Amri (27) und Hamza Attou (21) wirft die Justiz in Belgien einen "Terroranschlag und die Teilnahme an den Aktivitäten einer Terrorgruppe" vor. Die belgischen Staatsbürger aus Molenbeek sollen eingeräumt haben, Salah Abdeslam nach den Anschlägen in Paris im Auto abgeholt und in Brüssel abgesetzt zu haben.

- Fünf der sieben Verdächtigen, die am Samstag im Brüsseler Stadtteil Molenbeek verhaftet wurden, wurden am Montag freigelassen - darunter auch Salehs Bruder Mohammed Abdeslam.

Der Bruder soll nichts von den Aktivitäten seiner Familie gewusst haben.
Der Bruder soll nichts von den Aktivitäten seiner Familie gewusst haben.APA/EPA/OLIVIER HOSLET

- Fabien Clain wurde als der Mann identifiziert, der die Bekennerbotschaft des IS zu den Anschlägen aufnahm. Der 35-Jährige gehörte einst der islamistischen Szene in Toulouse an und stand dem Attentäter Mohamed Merah nah, der 2012 sieben Menschen erschoss. 2009 wurde er wegen der Rekrutierung von Jihadisten zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung reiste er nach Syrien und schloss sich dem IS an.

Razzien bei mutmaßlichen Islamisten

- In den frühen Morgenstunden des 18. November belagerten Spezialeinheiten stundenlang ein Haus im Pariser Vorort Saint-Denis. Die Polizei war einer Spur auf abgehörten Telefonaten gefolgt, wonach sich Abaaoud in der Wohnung befunden haben soll. Insgesamt gab es acht Festnahmen und drei Tote. Neben Abaaoud starben seine Cousine Hasna Aitboulahcen und ein dritter noch nicht identifizierter Mann, der sich in die Luft gesprengt haben soll.

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(klepa/maka)